Ilse Lenz

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Ilse Lenz (2016)

Ilse Lenz (* 16. Februar 1948 in München) ist eine deutsche Soziologin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Arbeitsmarkt und Geschlecht in Japan und Deutschland, die japanische und deutsche Frauenbewegung, neue integrative Ansätze in der Sozialstrukturforschung, interkulturelle qualitative Forschung sowie Globalisierung und sozialer Wandel.

Akademischer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ilse Lenz studierte in den USA, in Japan und an der Universität München. 1983 promovierte sie an der FU Berlin mit einer Dissertation zur Frauenarbeit in der japanischen Industrialisierung aus entwicklungssoziologischer Sicht. In ihrer Habilitation 1989 an der Universität Münster untersuchte sie das Geschlechterverhältnis auf dem japanischen Arbeitsmarkt und die Einflüsse der Computerisierung. Beide Forschungen erfolgten auf Grundlage von Experten-Interviews und Archivarbeit auf Japanisch.

Von 1992 bis zu ihrer Emeritierung 2012 hatte Ilse Lenz eine Professur für Soziologie an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Bochum inne.[1]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ilse Lenz bearbeitete zusammen mit Michiko Mae, Lehrstuhlinhaberin des Instituts für Modernes Japan an der Universität Düsseldorf, das Projekt „Die neuen Frauenbewegungen in Deutschland und Japan im interdisziplinären und interkulturellen Vergleich“,[2] als dessen Ergebnis u. a. ein Sammelband mit übersetzten Quellen zur Geschichte der japanischen Frauenbewegung erscheinen soll. Mit Mae gab sie drei Veröffentlichungen heraus und koordiniert einen jährlichen Workshop zur Geschlechter- und Japanforschung.

Im Jahr 2008 brachte Ilse Lenz ein Buch mit dem Titel Die neue Frauenbewegung in Deutschland heraus, das 262 Originalquellen von 1968 bis heute versammelt und kommentiert. Heide Oestreich würdigte es in ihrer Rezension für die taz als „Vermächtnis der Frauenbewegung“, das angesichts der in den Medien immer wieder aufbereiteten Klischees über den Feminismus als „reinste Aufklärung“ erscheine.[3] Thomas Gesterkamp bezeichnete es als „historisches Standardwerk“.[4]

Ilse Lenz ist Mitherausgeberin der Buchreihe Geschlecht & Gesellschaft des Verlags für Sozialwissenschaften[5] und war Sprecherin der Sektion Frauenforschung in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Sie ist aktives Mitglied beim Institut für Protest und Bewegungsforschung.

Sie ist Mitglied des Rat für Migration.[6]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kapitalistische Entwicklung, Subsistenzproduktion und Frauenarbeit: der Fall Japan. Dissertation. Campus Verlag, Frankfurt 1984, ISBN 3-593-33407-0.
  • mit Ute Luig: Frauenmacht ohne Herrschaft. Geschlechterverhältnisse in nichtpatriarchalischen Gesellschaften. (= Fischer 12827 Die Frau in der Gesellschaft). Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-596-12827-7.
  • mit Michiko Mae (Hrsg.): Getrennte Welten, gemeinsame Moderne? Geschlechterverhältnisse in Japan. (= Geschlecht & Gesellschaft. Band 4). Leske und Budrich, Opladen 1997.
  • mit Michiko Mae (Hrsg.): Frauenbewegung in Japan. Gleichheit, Differenz, Partizipation. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 2006, ISBN 3-531-14730-7.
  • mit Charlotte Ullrich und Barbara Fersch: Gender Orders Unbound. Globalisation, Restructuring, Reciprocity. Verlag Barbara Budrich, Leverkusen 2007.
  • Die Neue Frauenbewegung in Deutschland. Abschied vom kleinen Unterschied. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-14729-1. (zweite, aktualisierte Auflage. 2010)[7]
  • mit Katja Sabisch und Marcel Wrzesinski (Hrsg.): Anders und gleich in NRW – Gleichstellung und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Forschungsstand, Tagungsdokumenation, Praxisprojekte. Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung, Essen 2012, ISBN 978-3-936199-14-7.
  • Deutsche Veränderungen: Neue Gegensätze? Neue Gleichheiten? Budrich Verlag, Leverkusen 2012, ISBN 978-3-8474-0021-9.
  • mit Gerhard Hauck und Hanns Wienold (Hrsg.): Entwicklung, Gewalt, Gedächtnis. Münster 2015.
  • mit Sabine Evertz und Saida Ressel (Hg.): Geschlecht im flexibilisierten Kapitalismus? Neue UnGleichheiten. Wiesbaden 2017.

Buchbeiträge

  • Equality, difference and participation: Women's movements in global perspective. In: r (Hrsg.): The History of Social Movements. London u. a.
  • Räume in Bewegung. Zur Dynamik und Strukturierung globaler und transnationaler Geschlechterräume. In: Birgit Riegraf, Julia Gruhlich (Hrsg.): Geschlecht und transnationale Räume: Feministische Perspektiven auf neue Ein- und Ausschlüsse. Westfälisches Dampfboot, Münster S. 22–44.
  • Wechselwirkende Ungleichheiten. Von den Dualismen zur Differenzierung der Differenzen? In: Martina Löw (Hrsg.): Vielfalt und Zusammenhalt. Verhandlungen des 36. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Campus Verlag, Frankfurt am Main/ New York 2014, S. 843–858.
  • Geschlechterpolitiken und Männlichkeiten. In: Cornelia Behnke u. a. (Hrsg.): Wissen - Methode - Geschlecht: Erfassen des fraglos Gegebenen. Geschlecht und Gesellschaft, Wiesbaden 2014, S. 265–279.
  • Geschlechter in Bewegung? Die neuen Frauenbewegungen und der Wandel der Geschlechterordnungen. In: Barbara Rendtorff, Birgit Riegraf, Claudia Mas (Hrsg.): 40 Jahre Feministische Debatten. Resümee und Ausblick. Beltz Juventa, Weinheim/ Basel 2014, S. 12–30.
  • From Mothers of the Nation to embodied Citizens? Reflexive modernization, women’s movements and the nation in Japan. In: Vera Mackie, Andrea Germer, Ulrike Wöhr: Gender, Nation and State in Modern Japan. Routledge, New York 2014, S. 211–230.
  • Changing agents of change? Anmerkungen zur Transformation sozialer Bewegungen am Beispiel der Neuen Frauenbewegung. In: Jürgen Mittag, Heike Stadtland: Theoretische Ansätze und Konzepte in der Forschung über soziale Bewegungen in der Geschichtswissenschaft. Essen 2014, S. 359–380.
  • Geschlechterkonflikte um die Geschlechterordnung im Übergang. Zum neuen Antifeminismus. In: Erna Appelt, Brigitte Aulenbacher, Angelika Wetterer (Hrsg.): Gesellschaft – Feministische Krisendiagnosen. Münster 2013, S. 204–227.
  • Zum Wandel der Geschlechterordnungen im globalisierten flexibilisierten Kapitalismus. Neue Herausforderungen an die Geschlechterforschung. In: Feministische Studien. 2013, 1, S. 124–130.
  • Der neue Antifeminismus. Analysen und Alternativen In: Blätter für deutsche und internationale Politik. 7/2011, S. 51–59. (online)
  • Von der Mittelschichtgesellschaft zur Differenzgesellschaft? Zur Dynamik der Neuen Mitte in Japan. In: Nicole Burzan, Peter Berger: Dynamiken (in) der gesellschaftlichen Mitte. Sozialstrukturanalyse. VS-Verlag, Wiesbaden 2010, S. 79–106.
  • Intersektionalität. In: Ruth Becker, Beate Kortendiek (Hrsg.): Handbuch der Frauen- und Geschlechterforschung. Wiesbaden 2010, S. 158–165.
  • Humanismus und Differenzen aus der Perspektive der Geschlechterforschung. In: Jörn Rüsen (Hrsg.): Perspektiven der Humanität - Menschsein im Diskurs der Disziplinen. Bielefeld 2010, S. 373–407.
  • Das Private ist politisch!? Zum Verhältnis von Frauenbewegung und alternativem Milieu. In: Sven Reichardt, Detlef Siegfried: Das Alternative Milieu: Antibürgerlicher Lebensstil und linke Politik in der Bundesrepublik Deutschland und Europa 1968–1983. Wallstein, 2010, S. 375–405.
  • Gender, Inequality, and Globalization. In: Ulrike Schuerkens (Hrsg.): Globalization and Transformations of Social Inequality. Routledge, London 2010, S. 175–203.
  • Contemporary Challenges for gender research in the context of globalisation. In: Birgit Riegraf u. a. (Hrsg.): Gender Change in Academia. Remapping the Fileds of Work, Knowledge and Politics from a Gender Perspective. VS-Verlag, Wiesbaden 2010, S. 203–216.
  • Geschlecht, Klasse, Migration und soziale Ungleichheit. In: Helma Lutz (Hrsg.): Gender-Mobil? Vervielfältigung und Enträumlichung von Lebensformen - Transnationale Räume, Migration und Geschlecht. Westfälisches Dampfboot, Münster 2009, S. 25–68.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Festtagung zum Abschied von Prof. Dr. Ilse Lenz, RUB
  2. Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW
  3. Rezensionsnotiz in Perlentaucher.de, 22. August 2009
  4. Thomas Gesterkamp: Für Männer, aber nicht gegen Frauen - Essay. Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 40/2012)
  5. Buchreihe Geschlecht & Gesellschaft
  6. https://rat-fuer-migration.de/mitglieder/
  7. Frauenbewegung und feministische Männer. Rezension von Die Neue Frauenbewegung in Deutschland in literaturkritik.de, Nr. 1, Januar 2009.