Dieter Pohmer

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Dieter Pohmer (* 31. Dezember 1925[1] in Berlin; † 19. März 2013 in Tübingen[2][3]) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Hochschullehrer.

Dieter Pohmer, Sohn des Kaufmanns Herbert Pohmer und der Berta geborene Bünte, studierte an den Universitäten Mannheim (WS 1948/49 - WS 1949/50) und der Freien Universität Berlin (SS 1950 - SS 1951) Wirtschaftswissenschaft, an der er im Herbst 1951 sein Examen als Diplom-Kaufmann ablegte. Am 18. Juli 1953 promovierte er ebendort zum Dr. rer. pol. mit der Dissertation „Wesen und Grenzen der betriebswirtschaftlichen Berechtigung stiller Reserven in der Jahresbilanz in dynamischer und statischer Betrachtung“ (Erstgutachter: Wilhelm Eich). Am 19. Juni 1957 habilitierte er sich an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Freien Universität Berlin mit der Habilitationsschrift „Grundlagen der betrieblichen Steuerlehre“ (Gutachter Wilhelm Eich und Erich Kosiol). Am 1. Oktober 1957 wurde ihm ebendort die Venia legendi für Betriebswirtschaftslehre erteilt. 1959 wurde er an die Eberhard-Karls-Universität Tübingen auf einen Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre berufen und war von 1959 bis 1970 Mit-Direktor des Betriebswirtschaftlichen Seminars. Von 1962 bis 1994 war er zusätzlich Leiter der Konzentrationsforschungsabteilung ebendort. Im WS 1967/68 vertrat er nebenamtlich den Lehrstuhl für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1970 wurde Pohmer für Volkswirtschaftslehre umhabilitiert. Seit 1970 war er bis zu seiner Emeritierung Inhaber eines Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre und Direktor der Abteilung Volkswirtschaftslehre insbesondere Finanzwissenschaft an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Nachfolge Woldemar Koch).[4] Am 1. April 1994 wurde Pohmer emeritiert; zu seinem Nachfolger wurde Wolfgang Wiegard berufen.

Von WS 1959/60 bis WS 1993/94 hielt Pohmer zusätzlich Vorlesungen bei der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (VWA). Außerdem war er Fachgutachter für Finanzwissenschaft der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Pohmer, der sich insbesondere mit Konzentration und Finanzpolitik beschäftigte, war darüber hinaus in der wissenschaftlichen Politikberatung tätig. Seit 1962 war Pohmer bis zu seinem Tode 2013 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium der Finanzen, [5][6] dessen stellvertretender Vorsitzender er vom 1. Januar 1982 bis 31. Dezember 1990 und Vorsitzender vom 1. Januar 1991 bis 31. Dezember 1994 war. Außerdem war er von 21. Juli 1984 bis 28. Februar 1991 als Nachfolger von Kurt Schmidt Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Sein Nachfolger im Sachverständigenrat wurde Rolf Peffekoven.[7]

Pohmer war Mitglied zahlreicher Kommissionen, unter anderem von 1990 bis 1992 in der vom Bundesministerium der Finanzen eingesetzten Kommission zur Verbesserung der steuerlichen Bedingungen für Investitionen und Arbeitsplätze (sog. Goerdeler-Kommission), die sich der Ausarbeitung einer Unternehmenssteuerreform annahm, sowie von 1993 bis 1995 in der vom Bundesministerium der Finanzen eingesetzten Einkommensteuer-Kommission zur Steuerfreistellung des Existenzminimums ab 1996 und zur Reform der Einkommensteuer (sog. Bareis-Kommission). Pohmer wurde am 14. April 1981 mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse und am 9. November 1995 mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Pohmer war Mitglied zahlreicher Vereine und Verbände, unter anderem auch des Vereins für Socialpolitik, dessen finanzwissenschaftlichen Ausschuss er von 1977 bis 1981 als Vorsitzender leitete.

Dieter Pohmer, der 1961 Gisela Hustedt heiratete, mit der er drei Söhne (Klaus Pohmer, Frank Pohmer und Jörg Pohmer) hatte, verstarb 2013 87-jährig in Tübingen. Er wurde am 4. April 2013 auf dem Bergfriedhof (Tübingen) beerdigt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Personalia der Uni Tübingen.
  2. Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 1/2013: Leute
  3. Schwäbisches Tagblatt vom 23. März 2013
  4. Volkswirtschaftslehre der Uni Tübingen.
  5. Bundesministerium der Finanzen Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesministerium der Finanzen: Gutachten ..., 1988, 700 Seiten, Seite 603.
  6. [1] Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats
  7. Personelle Zusammensetzung des Sachverständigenrates seit seiner Gründung. (PDF; 52 kB)