Digital Concert Hall

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der englischsprachige Begriff Digital Concert Hall (DCH, zu deutsch: Digitaler Konzertsaal) steht für ein digitales Medium zum Übertragen von gegenwärtigen bzw. historischen Konzerten der Berliner Philharmoniker in das Internet, aus dem sie dann abgerufen werden können.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Digital Concert Hall wurde Ende 2008 eingerichtet.[1] Die Berliner Philharmoniker haben mit diesem Projekt Pionierarbeit geleistet, um klassische Orchestermusik auch über den Spielort und den Zeitpunkt der Konzerte hinaus weltweit verfügbar zu machen.

Ferner dient die Digital Concert Hall zur Dokumentation der Interpretationen des Orchesters und seiner Dirigenten.

Die Digital Concert Hall ist 2009 mit dem LeadAward 2009 in der Kategorie WebTV in Gold und dem OnlineStar ’09 Jurypreis in Bronze ausgezeichnet worden.

Seit Juli 2014 bietet die Digital Concert Hall auch aufbereitete Konzerte Herbert von Karajans an.

Inhalte[Bearbeiten]

Die meisten der jährlich etwa 40 Konzertprogramme der Berliner Philharmoniker aus der Philharmonie Berlin können durch die Einrichtung der Digital Concert Hall per Live-Streaming in sehr hoher optischer Auflösung (High Definition Video) und mit bester Tonqualität im Internet mitverfolgt werden, und zwar aus Sicht der Orchesterbühne.[2]

Darüber hinaus werden diese Konzerte nachbereitet und können mit einigen Tagen Verzögerung im Konzert-Archiv der Digital Concert Hall abgerufen werden. Das umfangreiche Konzertarchiv umfasst neben den aktuellen Konzerten, hauptsächlich unter Sir Simon Rattle, auch länger zurückliegende Aufführungen, z. T. noch aus den 1990er Jahren unter Claudio Abbado. Auch einige Konzerte in der Berliner Waldbühne im Grunewald sind archiviert.

Zusätzlich gibt es Dokumentationen, zum Beispiel die Filme Rhythm Is It! über die Erarbeitung von Tanzszenen des Balletts Le sacre du printemps von Igor Strawinsky mit einer großen Gruppe Jugendlicher oder Trip to Asia, sowie Beiträge aus dem Ausbildungsprogramm der Berliner Philharmoniker und Interviews.

Die Interviews und die Beiträge aus dem Ausbildungsprogramm sind in der Regel kostenlos abrufbar, während die Konzerte und Dokumentationen kostenpflichtig sind, von seltenen Ausnahmen abgesehen. Zur Bezahlung gibt es zeitlich begrenzte Tickets für sieben oder dreißig Tage oder ein Jahr, wobei der Nutzer während des ausgewählten Zeitraums beliebig viele Konzerte abrufen kann. Dazu kommt ein monatliches Abonnement mit Verlängerungsautomatik. Tickets sind auch als Geschenkgutscheine erhältlich.[3]

Seit Juli 2014 enthält das Archiv der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker neben Livestreams aktueller Konzerte auch nachbearbeitete Archivaufnahmen einiger Konzerte Herbert von Karajans aus den 1960er und 1970er Jahren. Hiermit ist auch dokumentiert, wie sehr sich in den letzten Jahrzehnten der Musizierstil gewandelt hat.[4]

Technik[Bearbeiten]

Zur Aufnahme der Bewegtbilder während der Konzerte wurden in der Berliner Philharmonie über der Orchesterbühne sieben hochauflösende Videokameras installiert, die - ebenso wie die Mikrofone für die Schallaufnahmen - ferngesteuert werden können.[5]

Die Inhalte können über eine Internetverbindung, wahlweise mit im Webbrowser oder entsprechend ausgerüsteten Fernsehern oder Blu-ray-Disc-Spielern, abgerufen und wiedergegeben werden.

Der Stereoton wird bei 48 Kilohertz und mit 24 Bit aufgenommen und in AAC-Kodierung mit einer Datenrate von 256 Kilobit pro Sekunde übertragen. Für die Bildwiedergabe stehen je nach Übertragungsbandbreite unterschiedliche Qualitäten zur Verfügung, wobei die Videos gemäß H.264-Standard kodiert sind:[6] Die Qualitätseinstellung beziehungsweise -umstellung erfolgt je nach aktueller Übertragungsrate meist automatisch.[7]:

  • Sehr hoch: 2,5 MBit/s
  • Hoch: 2,1 MBit/s
  • Mittel: 1,5 MBit/s
  • Niedrig: 1,1 MBit/s
  • Sehr niedrig: 0,7 MBit/s

Auf der Internationalen Funkausstellung Berlin 2012 kündigte Sony an, für das Herstellen, Bearbeiten und Kodieren der Videoaufnahmen der Digital Concert Hall 4k-Bildauflösung einzuführen.[8]

Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Wolfram Goertz: Digital Concert Hall - Die digitale Philharmonie, www.rp-online.de vom 15. Dezember 2008 (abgerufen am 27. Februar 2012)
  2. Im Volksmund der Berliner heißt das Gebäude „Zirkus Karajani“, nach dem früheren Chefdirigenten Herbert von Karajan, weil die Orchesterbühne wie eine Zirkusmanege nach allen Seiten von Zuschauerrängen umgeben ist.
  3. Abonnements, Tickets und Gutscheine; bzw. Konzert-Archiv (alphabetische Übersicht; abgerufen am 20. November 2013)
  4. Man vergleiche etwa Karajans Pastorale von 1971 mit Abbados Interpretation von 2001 und der von Sir Simon Rattle von 2013.
  5. Die Digital Concert Hall im Überblick - Die Technik, www.zeit.de (abgerufen am 27. Februar 2012)
  6. Technische Fragen; - In welchem Bild- und Tonformat werden die Konzerte übertragen?, digitalconcerthall.com, online abgerufen am 25. April 2013
  7. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die Übertragungsqualität zum Empfänger unter Umständen zeitlich sehr schnell ändern kann, etwa bei ausgeprägter Belastungsabhängigkeit der Internetverbindung.
  8. Sony and the Berliner Philharmoniker collaborate in technology development towards enhancing sound quality of Sony’s audio products, and more - Also to undertake concert footage recording and digital content streaming in high, 29. August 2012

Weblinks[Bearbeiten]