Diogo Dias

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Diogo Dias (* vor 1450?; † nach 1500?) war ein portugiesischer Seefahrer und Entdecker.

Zu Diogo Dias gibt es nur wenige Angaben. Außerdem sind einige historische Bezüge nicht eindeutig geklärt. So ist z. B. offen, ob es sich bei dem 1465 in einem Brief der königlichen Kanzlei Alfons V. als Dolmetscher genannten Diogo Dias um den portugiesischen Seefahrer und Entdecker handelt. Des Weiteren wird der Bruder Bartolomeu Dias’ in verschiedenen Schriften auch als Pedro bzw. Pêro Dias oder Diaz angesprochen. Wichtige Einzelheiten finden sich bei Teresa Lacerda, die in ihren Ausführungen auf einen Beitrag von Sofia Diniz verweist.

Als gesichert gilt, dass Diogo Dias dem niederen Adel (escudeiro) entstammte und am Hofe des portugiesischen Königs lebte.[1] Als Kapitän des Versorgungsschiffes lief er mit der Flotte unter dem Kommando seines Bruders Bartolomeu Dias im August 1487 zur ersten dokumentierten Umfahrung des Kaps der Guten Hoffnung durch europäische Seefahrer aus.[2] Der Pilot des Versorgungsschiffes war João de Santiago, der vorher bereits Diogo Cão auf dessen Reise zum Kongo-Fluss begleitet hatte.

Als Chronist und Schreiber auf dem Flaggschiff, der Nau São Gabriel, war Diogo Dias 1497 ebenfalls an der Entdeckung des Seeweges von Portugal nach Indien unter Vasco da Gama beteiligt.[3] Als Oberhaupt der neu gegründeten portugiesischen Handelsniederlassung in Calicut wurde er durch den dortigen Herrscher gefangen gesetzt und zum Tode verurteilt. Mit viel Mühe gelang ihm die Flucht und die portugiesischen Schiffe zu erreichen, die wegen der Konflikte mit dem Herrscher von Calicut und den arabischen Händlern eine überstürzte Rückreise antreten mussten.

Im Jahre 1500 nahm er erneut als Kapitän eines Schiffes an der Expedition von Pedro Álvares Cabral nach Indien teil und war auch im April 1500 an dessen Landung im heutigen Brasilien beteiligt. Innerhalb der Flotte von Álvares Cabral hatten die Brüder Dias eine besondere Aufgabe. Auf Anweisung des portugiesischen Königs sollten sie die ostafrikanische Handelsstadt Sofala erkunden und, wenn möglich, durch die Gründung einer Handelsniederlassung für die Portugiesen sichern. Sofala war der südlichste Hafen Afrikas, den arabische und afrikanische Händler regelmäßig mit ihren Handelsschiffen anliefen und in dem das Gold des Munhumutapa-Reiches zum Weitertransport gesammelt wurde. Bei schwerem Sturm, in dem sein Bruder mit der gesamten Besatzung seines Schiffes den Tod fand, wurde das Schiff von Diogo Dias am 29. Mai 1500 beim Kap der Guten Hoffnung jedoch von der Flotte Pedro Álvares Cabrals getrennt. Sein Schiff erkundete dann die Küsten Somalias und die Gewässer des Indischen Ozeans am Eingang des Roten Meeres. [4]

Auf südlichem Kurs entdeckte Diogo Dias als erster Europäer im Juli 1500 sowohl die Insel Mauritius als auch die Insel La Réunion, beide östlich von Madagaskar gelegen. Bis zu ihrer Aufgabe 1575 nutzten die Portugiesen beide Inseln als Stationen für Süßwasser und Proviant für ihre Schiffe auf dem Weg nach Goa in Indien und Malakka im heutigen Malaysia.

Am 10. August 1500 sichtete er als erster Europäer Madagaskar und nannte die Insel São Lorenço. Danach kehrte er über Mosambik an der afrikanischen Ostküste nach Portugal zurück. Bei den Kap Verdischen Inseln traf er zufällig auf die restlichen vier Schiffe der einstigen Indienexpedition von Pedro Álvares Cabral, die sich ebenfalls auf der Rückreise befanden. Jaime Cortesão berichtete, dass er mit nur sieben Überlebenden seiner ursprünglichen Besatzung wieder Lissabon erreichte.[5]

Nach seiner Rückkehr bestätigte 1502 der portugiesische König Manuel I. die bereits durch dessen Vorgänger Johann II. an Diogo Dias verliehene jährliche Rente sowie die Mitgliedschaft im Ritterorden von Santiago.[6]

Das genaue Jahr sowie der Ort seines Todes sind nicht überliefert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albuquerque, Luís (Dir.),Dicionário de História dos Descobrimentos Portugueses, 2 vols., Lisboa (Círculo de Leitores) 1994.
  • Cortesão, Jaime, A expedição de Pedro Alvares Cabral e o descobrimento do Brazil, Lisboa (Livrarias Aillaud e Bertrand Paris-Lisboa) 1922, 328 S.
  • Fonseca, Luís Adão da, Vasco da Gama, o homem, a viagem, a epoca, Lisboa (Expo 98) 1997, 369 S.
  • Diniz, Sofia, Bartolomeu e Diogo Dias, in: Descobridores do Brasil – Exploradores do Atlântico e Construtores da Índia, João Paulo Oliveira e Costa (coord.), Lisboa (SHIP) 2000, pp. 185-207.
  • Lacerda, Teresa, Os Capitães das Armadas da Índia no reinado de D. Manuel I – uma análise social, Lisboa (Universidade Nova de Lisboa, Faculdade de Ciências Sociais e Humanas, Departamento de História) 2006, Dissertação de Mestrado, 258 S., Portugiesischer Text

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lacerda, 2006: 212 f.
  2. Cortesão, 1922: 103
  3. Fonseca, 1997: 89
  4. Lacerda, 2006: 212 f.
  5. Cortesão, 1922: 103
  6. Lacerda, 2006: 120