Don Shirley

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Donald Walbridge „Don“ Shirley (* 29. Januar 1927 in Pensacola, Florida; † 6. April 2013 in New York City) war ein US-amerikanischer Pianist und Komponist, der in seiner Musik Jazz und klassische Musik verschmolz.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Shirleys Eltern wanderten aus Jamaika in die USA ein, und als sein Geburtsort wird oft fälschlich, auch auf Schallplattenumschlägen, Kingston, Jamaika genannt. Dies wurde absichtlich von seinen Plattenfirmen gemacht, damit er „exotisch“ und nicht wie ein „einfacher Schwarzer aus den Südstaaten“ erschien. Gleichzeitig wurde ihm eine Ausbildung an einem Konservatorium in Leningrad in frühen Kindesjahren angedichtet. Nach Aussagen seines jüngeren Bruders soll er tatsächlich als Neunjähriger eine Einladung erhalten haben, bei einem berühmten russischen Lehrer zu studieren, doch sein Vater verbot ihm die Reise in die kommunistische und atheistische Sowjetunion.

Sein Vater Edwin war ein Priester der Episkopalkirche. Bereits mit drei Jahren spielte Don Shirley Kirchenorgel; mit zehn Jahren trat er als Konzertpianist auf. Mit 18 Jahren konzertierte er mit den Boston Pops und interpretierte Tschaikowskis 1. Klavierkonzert. Er studierte Musik an der Catholic University of America in Washington. Da ihm als Schwarzem eine Karriere als klassischer Konzertpianist verwehrt blieb, begann er in Nachtclubs aufzutreten, zunächst im Duo mit einem Bassisten und schließlich im Trio mit Bass- und Cello-Besetzung. Dabei verband er amerikanische und europäische Musiktraditionen mit Formen der klassischen Konzertmusik. Seine Arrangements verarbeiteten Standards wie Irving Berlins Blue Skies, George Shearings Lullaby of Birdland oder Richard RodgersThis Nearly Was Mine. Er interpretierte Showtunes aus dem Great American Songbook ebenso wie Bluestitel, Worksongs und Spirituals, allerdings ohne zu improvisieren.[1]

Shirley nahm in den 1950er und frühen 1960er Jahren für das Label Cadence Records auf; zu seinen bekannten LPs zählen Piano Perspectives, Don Shirley Plays Love Songs, Don Shirley Plays Gershwin und Don Shirley Plays Shirley. Danach wechselte er zu Columbia Records. Er spielte auch auf einigen Singles Instrumentalversionen populärer Songs wie If I Had a Hammer, Ol’ Man River oder Stand By Me ein.[1]

Shirley, der mit Duke Ellington befreundet war, schrieb für diesen das Divertimento for Duke by Don, ein sinfonisches Werk, das 1974 vom Hamilton Philharmonic Orchestra of Ontario uraufgeführt wurde. Zu seinen weiteren Kompositionen gehört eine Tondichtung zu Finnegans Wake von James Joyce.

1952 heiratete er in Cook County, Illinois Jean C. Hill; die Ehe wurde einige Jahre später geschieden.[1] Shirley starb am 6. April 2013 im Alter von 86 Jahren in Manhattan an den Folgen eines Herzleidens.[1]

Green Book – Eine besondere Freundschaft (2018)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2018 erschien ein Filmdrama über Shirleys Leben mit dem Titel Green Book – Eine besondere Freundschaft, in dem er von Mahershala Ali verkörpert wird. Ali erhielt für seine Darstellung den Oscar und Golden Globe Award als Bester Nebendarsteller.[2]

Nick Vallelonga, der Drehbuchautor des Films und Sohn von Tony Lip, erklärte, dass die beiden bis zu ihrem Tod befreundet gewesen seien. Außerdem habe er bei seiner Arbeit an Green Book auch Shirley vor dessen Tod befragt und von diesem Anweisungen erhalten, was er schreiben solle und was nicht.[3] Später sagte er, „Ich glaube, er war auf einer Art Insel. Es ist keine Dramatisierung in dem Film: Er war nur für sich allein“, sagte Vallelonga und fügte hinzu, dass Shirley nicht einmal wollte, dass seine eigene Familie für den Film konsultiert wurde.[4] Nach der Oscarverleihung sagte Nick Vallelonga dem Hollywood Reporter, „er habe bis nach Fertigstellung des Films nicht gewusst, dass es die Shirley-Familie tatsächlich gibt.“[5]

Dons Bruder Maurice Shirley sagte hingegen: „Mein Bruder hat Tony nie als einen ‚Freund‘ gesehen; er war ein Angestellter, sein Fahrer (der sich darüber ärgerte, Uniform und Mütze zu tragen). Das ist der Grund, warum Kontext und Nuance so wichtig sind. Die Tatsache, dass ein erfolgreicher, wohlhabender Schwarzer [sic] Künstler Hausangestellte einstellen würde, die NICHT wie er aussahen, sollte bei der Übertragung [in den Film] nicht verlorengehen.“[6]

Dons Bruder Maurice und Neffe Edwin bezeichnen den Film als „eine Symphonie von Lügen,“[7][8] und dass Nick Vallelonga den Film schon vor etwa 30 Jahren mit Don Shirley besprochen habe, der aber darauf vollkommen ablehnend reagiert habe. Edwin sagt, „Ich erinnere mich sehr genau, vor 30 Jahren wurde mein Onkel von Nick Vallelonga, dem Sohn von Tony Vallelonga, wegen eines Films über sein Leben angesprochen, und Onkel Donald hat mir davon erzählt […] Er lehnte rundheraus ab. Und so sagte ich ihm dann: Vielleicht könntest Du einige Bedingungen festlegen, unter denen Du beteiligt werden kannst, wenn sie Dir in bestimmten Dingen Kontrolle zugestehen. [Und er antwortete:] Egal, was sie jetzt zu mir sagen, ich werde keine Kontrolle darüber haben, wie ich dargestellt werde.‘ Gott weiß, das ist der Grund, warum er nie sein Leben auf der Leinwand zeigen wollte, jetzt verstehe ich warum, und ich finde es schrecklich, dass ich ihn in den 1980er Jahren dazu drängen wollte, weil alles, was er damals ablehnte, jetzt wahr geworden ist.“

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Nachruf in The New York Times
  2. Oscars 2019. Abgerufen am 25. Februar 2019 (englisch).
  3. Elizabeth Wagmeister, Erin Nyren: ‘Green Book’ Writer Defends Film After Family Backlash: Don Shirley ‘Approved What I Put In’ (EXCLUSIVE). In: Variety. 9. Januar 2019, abgerufen am 27. Februar 2019 (englisch).
  4. Rachel E. Greenspan: How Green Book's Screenwriter Was Inspired to Write the Movie. In: Time. 15. November 2018, abgerufen am 27. Februar 2019 (englisch).
  5. Elyse Wanshel: ‘Green Book' Writer Says He Didn't Know Don Shirley's Family 'Existed' Before Film. In: Huffpost. 25. Februar 2019, abgerufen am 27. Februar 2019 (englisch): „I didn't even know they really existed until after we were making the film.“
  6. Samara Lynn: Family of Black Man, Don Shirley, Portrayed in „The Green Book“ Blasts Movie and Its „Lies“. In: Black Enterprise. 28. November 2018, abgerufen am 25. Januar 2019 (englisch): „My brother never considered Tony to be his „friend“; he was an employee, his chauffeur (who resented wearing a uniform and cap). This is why context and nuance are so important. The fact that a successful, well-to-do Black artist would employ domestics that did NOT look like him, should not be lost in translation.“
  7. https://www.youtube.com/watch?v=Y1-IZvH4v9k: Family of Green Book's Dr. Donald Shirley speaks out auf YouTube, 29. Januar 2019, abgerufen am 27. Februar 2019.
  8. Brooke C. Obie: How 'Green Book' And The Hollywood Machine Swallowed Donald Shirley Whole. In: Shadow And Act. 14. Dezember 2018, abgerufen am 27. Februar 2019 (englisch): „“I remember very, very clearly, going back 30 years, my uncle had been approached by Nick Vallelonga, the son of Tony Vallelonga, about a movie on his life, and Uncle Donald told me about it,” Edwin said. “He flatly refused.” Edwin recalled that he even tried to talk his uncle into considering it. “I remember suggesting to him that it might be a good idea, ‘You can be involved [with the making of the film],’ and he just flatly said, ‘No, absolutely not. I don’t want to have any part of that,’” Edwin said, adding: “And so, I said to him at the time, ‘Well, perhaps you can set some conditions whereby you can be involved if they agree to certain things in terms of control for you,’ and what he said at the time was, ‘No matter what they say to me now, I will not have any control over how I am portrayed.’” “God knows, this is the reason that he never wanted to have his life portrayed on screen,” Edwin said. “I now understand why, and I feel terrible that I was actually trying to urge him to do this in the 1980s, because everything that he objected to back then has come true now.”“