National Symphony Orchestra

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Das National Symphony Orchestra im Kennedy Center, 2009

Das National Symphony Orchestra (NSO), gegründet 1931, ist ein US-amerikanisches Orchester mit Sitz in Washington, D.C. Es spielt überwiegend in der Concert Hall des John F. Kennedy Center for the Performing Arts.

Gründung, Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl in Washington, D.C. die älteste Musikinstitution der Vereinigten Staaten beheimatet ist, die United States Marine Band, gegründet 1798, brauchte es viele Jahrzehnte, bis sich in der amerikanischen Bundeshauptstadt ein professionelles Orchester etablieren konnte. Die Big Five, die fünf bekanntesten und als beste angesehenen Sinfonieorchester der USA, wurden allesamt deutlich früher gegründet: 1842 die New York Philharmonic, 1881 das Boston Symphony Orchestra, 1891 das Chicago Symphony Orchestra, 1900 das Philadelphia Orchestra und 1918 das Cleveland Orchestra.

Mehrere Gründungsversuche für ein Sinfonieorchester in Washington D.C. scheiterten. Beispielsweise bestand das Washington Philharmonic gerade ein Jahr lang, rund um die Jahrhundertwende, und auch das Washington Symphony Orchestra, gegründet vom Komponisten Reginald De Koven im Jahr 1902, eingestellt 1905, kurzfristig wieder belebt 1907, hatte keine lange Überlebensdauer. Als sich folglich einige Musiker aus der Bundeshauptstadt zusammentaten und am 31. Januar 1930 als The National Symphony Orchestra of Washington, D.C. ein Konzert gaben, zweifelten viele an der Möglichkeit einer Institutionalisierung.[1]

Margaret Truman und das NSO in der Constitution Hall, 27. November 1949

Jedoch bereits die erste reguläre Saison 1931/32 des NSO umfasste 24 Konzerte, heute bestreitet das Ensemble 175 Konzerte jährlich. In den ersten Jahren seines Bestehens spielte das NSO in der DAR Constitution Hall, erbaut im Jahr 1929 von den Töchtern der Amerikanischen Revolution in Washington, D.C. Unter der Leitung des ersten Chefdirigentens Hans Kindler bekamen die Musiker ein wöchentliches Honorar von 40 US-$, jeweils für drei Proben und ein Konzert. Die Spielzeit dauerte fünf Monate und solange wurden die Musiker auch bezahlt.[1] Erstes weibliches Mitglied des Orchesters war die Harfenistin Sylvia Meyer, die 1933 ins NSO aufgenommen wurde.[2]

Lageplan des Kennedy Centers

1971 wurde das John F. Kennedy Center for the Performing Arts eröffnet, ein riesiges Bauwerk am Potomac mit drei großen Sälen. Der größte ist mit 2.442 Plätzen die Concert Hall, einer der größten Konzertsäle der Welt, in der Anordnung von Podium, Orgel und Sitzplätzen der Struktur vieler europäische Konzertsäle nachgebaut – beispielsweise dem Großen Saal des Mozarteums in Salzburg oder dem Goldenen Saal des Wiener Musikvereins. Das in der Mitte des Gebäudekomplexes gelegene Opera House hat rund 2.300 Sitzplatz, das überwiegend für Sprechstücke und Musicals genutzte Eisenhower Theater 1.136. Das NSO eröffnete sein neues Konzerthaus feierlich am 9. September 1971 mit einem Konzert, geleitet vom dritten Chefdirigenten des Ensembles, Antal Doráti.[3] Seither finden die Konzertreihen des Orchesters im Kennedy Center statt. Im Jahr 1986 wurde die Partnerschaft zwischen Orchester und Veranstaltungsort neu strukturiert, das NSO wurde Artistic Affiliate des Kennedy Centers.

Eine Renovierung der Concert Hall im Jahr 1997 verbesserte die Akustik durch einen High-Tech-Baldachin und die Sichtverhältnisse durch neue Positionierung der Hadeland-Kristall-Kronleuchter, einem Geschenk der norwegischen Regierung. Außerdem wurde behindertengerechter Zugang auf allen Ebenen geschaffen und wurden neue Sitzplätze in Logen, Parterre und Chor geschaffen.[4]

Seit 2010 ist der deutsche Dirigent Christoph Eschenbach Chefdirigent des Orchesters, seit 2011 fungiert Steven Reineke als Principal Pops Conductor des Orchesters. Der kanadische Orgelbauer Casavant Frères entwarf und konstruierte im Jahr 2012 eine neue Orgel. Die Kosten für das neue Instrument in Höhe von zwei Millionen US-Dollar wurden von David M. Rubenstein, dem Vorsitzenden des Kennedy Centers, persönlich übernommen.[5]

Gianandrea Noseda, der das Orchester erstmals im Jahr 2011 dirigierte, wurde im Januar 2016 als Nachfolger Eschenbachs bestellt. Sein Vertrag läuft vorerst für vier Spielzeiten.[6][7] Eschenbach wird nach Ablauf seines Vertrages im Sommer 2017 zum Conductor Laureate, zum Ehrendirigenten, bestellt werden.[8]

Zu namhaften früheren Orchestermitgliedern zählt der Kontrabassist Harold Robinson (im NSO 1985–1995).

Aufgaben des Orchesters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

First Lady Nancy Reagan dirigiert das NSO, 27. März 1987

Das National Symphony Orchestra spielte im Jahr 1932 erstmals bei der Inauguration eines amerikanischen Präsidenten, Franklin Delano Roosevelt, und nahm diese Aufgabe auch bei folgenden Inaugurationen wahr – ausgenommen im Jahr 1972, der Amtseinführung der zweiten Amtszeit von Richard Nixon, der dafür das Philadelphia Orchestra einlud. Das Orchester wird auch für eine Reihe von Staatsempfängen und andere offizielle Anlässe eingesetzt.[9]

Chefdirigenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 

Belege zu den Bestellungen der Chefdirigenten: [10][11][12]

Weitere bedeutende Dirigenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

   

Aufnahmen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine vollständige Liste aller Tondokumente des NSO findet sich auf dessen Website.[13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Tim Page: The NSO: 75 and Counting Ist Blessings, The Washington Post, 4. September 2005, abgerufen am 1. August 2016.
  2. Adam Bernstein: Esteemed NSO Harpist Sylvia Meyer. In: The Washington Post, 30. März 2005. 
  3. Harold C. Schonberg: Kennedy Hall Gets Acoustics Workout. In: The New York Times, 2. September 1971. 
  4. The New York Times: $3-Million in Gifts Adorn Center, 6. September 1971, abgerufen am 5. August 2016.
  5. Daniel J. Waken: Kennedy Center to Replace Its Pipe Organ, The New York Times, 27. September 2011, abgerufen am 5. August 2016.
  6. Anne Midgette: National Symphony Orchestra names rising star Gianandrea Noseda as music director. In: The Washington Post, 4. Januar 2016. Abgerufen am 7. Januar 2016. 
  7. Gianandrea Noseda Named Music Director of the National Symphony Orchestra. In: Kennedy Center Press Release, 4. Januar 2016. Abgerufen am 9. Januar 2016. 
  8. Anne Midgette: Eschenbach’s NSO contract to end in 2017; will become conductor laureate. In: Washington Post, 18. Februar 2015. Abgerufen am 20. Februar 2015. 
  9. Robert Cummings: National Symphony Orchestra, AllMusic, abgerufen am 5. August 2016.
  10. Anne Midgette: Christoph Eschenbach to Lead National Symphony. In: Washington Post, 25. September 2008. 
  11. Anne Midgette: Kennedy Center extends Eschenbach's contract; new organ in works. In: Washington Post, 25. September 2011. Abgerufen am 30. Juli 2016. 
  12. Christoph Eschenbach Extends Contract as Music Director of the National Symphony Orchestra and Kennedy Center Through the 2016-2017 Season. In: Kennedy Center Press Release, 24. März 2014. Abgerufen am 30. Juli 2016. 
  13. National Symphony Orchestra: National Symphony Orchestra Discography, abgerufen am 5. August 2016.

Koordinaten: 38° 53′ 45″ N, 77° 3′ 20″ W