Cochenillerot A

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Strukturformel
Struktur von Cochenillerot
Allgemeines
Name Cochenillerot A
Andere Namen
  • Trinatrium-7-hydroxy-8-[(E)-(4-sulfonato-1-naphthyl)diazenyl]-1,3-naphthalin­disulfonat (IUPAC)
  • C.I. Acid Red 18
  • C.I. 16255
  • E 124
  • Ponceau 4R
Summenformel C20H11N2Na3O10S3
Kurzbeschreibung

leuchtend scharlachroter, lichtechter, hitze-, alkali- und säurebeständiger Azofarbstoff[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 2611-82-7
EG-Nummer 220-036-2
ECHA-InfoCard 100.018.216
PubChem 17466
ChemSpider 11232342
Wikidata Q384709
Eigenschaften
Molare Masse 604,48 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Löslichkeit
  • gut in Wasser (>120 g·l−1)[1]
  • schlecht in Ethanol[1]
  • unlöslich in pflanzlichen Ölen[1]
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze [2]
Toxikologische Daten
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Cochenillerot A ist ein roter, wasserlöslicher, synthetischer Azofarbstoff, der als Lebensmittelfarbstoff (E 124) Verwendung findet. Er ist ein Surrogat für echte Koschenille und besitzt strukturelle Ähnlichkeit mit Amaranth (E 123).

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cochenillerot ist ein leuchtend scharlachroter, lichtechter, hitze-, alkali- und säurebeständiger Azofarbstoff, welcher gut löslich in Wasser ist. Er ist stabil gegen Fruchtsäuren.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cochenillerot wird für spanische Chorizo-Wurst, Lachsersatz, Getränke, Brausen, Süßwaren, Fruchtgelees, in Konfitüren und Marmeladen (bis max. 100 mg/kg), in Käseüberzügen und als Farblack für Dragees verwendet. Auch künstliches Blut in Film- und Theaterproduktionen enthält diesen Farbstoff.

Weitere Produkte, in denen traditionell Cochenillerot enthalten war oder noch ist:

Cochenillerot A ist für Bio-Produkte verboten. Sie werden stattdessen z. B. mit Aroniasaftkonzentrat gefärbt.

Gesundheitliche Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einigen Ländern wie USA, Norwegen und Finnland wird Cochenillerot als krebserregend eingestuft. In den USA ist der Einsatz in Lebensmitteln verboten.[4]

Aufgrund der chemischen Struktur (Azofarbstoff) besteht der Verdacht auf Auslösung von Pseudoallergien, besonders bei Personen, die empfindlich auf ASS oder Benzoesäure/Natriumbenzoat (E 210 bzw. E 211) reagieren. Es wird vermutet, dass Cochenillerot an der Auslösung von ADHS,[5] Neurodermitis und Asthma bronchiale beteiligt sein könnte.

Rechtliche Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung (ZZuIV) ist Cochenillerot A nur für bestimmte Lebensmittel zugelassen.[6] Nach einer EU-Verordnung von 2008 müssen Lebensmittel, die E 124 enthalten, in der Europäischen Union mit dem gesonderten Warnhinweis „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen“ gekennzeichnet werden. Dies gilt allerdings nicht für alkoholhaltige Getränke.[7][8]

Zum 1. Juni 2013 wurde die erlaubte Tagesdosis von bisher maximal 4 mg/kg Körpergewicht auf 0,7 mg/kg Körpergewicht gesenkt.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Eintrag zu Cochenillerot A. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 11. November 2014.
  2. a b c Datenblatt Ponceau 4R bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 13. Mai 2017 (PDF).
  3. Eintrag zu Cochenillerot A in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM).
  4. Imported Foods – Food and Color Additives. (PDF; 159 kB) FDA (englisch) abgerufen am 29. Oktober 2013.
  5. Ernährungstherapie ADHS. (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.fet-ev.eu Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e. V.; abgerufen am 29. August 2013.
  6. Verordnung über die Zulassung von Zusatzstoffen zu Lebensmitteln zu technologischen Zwecken (Zusatzstoff-Zulassungsverordnung - ZZulV). Zusatzstoffe, die zum Färben von Lebensmitteln oder zum Erzielen von Farbeffekten bei Lebensmitteln zugelassen sind. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, abgerufen am 15. November 2019.
  7. Reinhard Wolff: Knallbunt ist ungesund. In: Die Tageszeitung. 19. Juli 2010, S. 9 (online).
  8. Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 vom 16. Dezember 2008 über Lebensmittelzusatzstoffe (PDF), abgerufen am 16. November 2019.
  9. Umstrittene Farbstoffe in Lebensmitteln werden drastisch eingeschränkt. Food Monitor, 8. Mai 2013, abgerufen am 31. Mai 2018.