EPEX SPOT

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European Power Exchange
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Rechtsform Europäische Gesellschaft
Gründung 2008
Sitz Paris, Frankreich
Leitung Jean-François Conil-Lacoste (Chief Executive Officer), Thierry Morello (Chief Operating Officer), Jeroen Van Den Heuvel (Chief Financial Officer)
Branche Börsen, Energie
Website www.epexspot.com

Die europäische Strombörse European Power Exchange (EPEX SPOT SE) ist eine Börse für kurzfristigen Stromgroßhandel in Deutschland, Frankreich, Österreich, der Schweiz und Luxemburg. EPEX SPOT hält 100 % der Anteile der APX Group, welche die kurzfristigen Strommärkte in Belgien, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich betreibt.

Überblick[Bearbeiten]

EPEX SPOT SE ist eine europäische Gesellschaft mit Sitz in Paris, Frankreich, und Niederlassungen in Leipzig (Deutschland), Wien (Österreich) und Bern (Schweiz). Sie betreibt die Märkte für kurzfristigen Stromhandel in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz, wobei Deutschland und Österreich eine gemeinsame Preiszone bilden. Seit dem 4. Mai 2014 hält EPEX SPOT 100 % der Anteile der APX Group, welche die kurzfristigen Strommärkte in Belgien (durch Belpex), den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich betreiben. EPEX SPOT wurde 2008 durch den Zusammenschluss der Stromspotmärkte der Energiebörsen Powernext und European Energy Exchange (EEX) gegründet. EPEX SPOT wird zu 51 % von EEX Group und zu 49 % von den Übertragungsnetzbetreibern RTE, Elia und TenneT durch die Holding HGRT gehalten.[1]

Shareholder structure of EPEX SPOT SE (May 2015)

EPEX SPOT ist einer der Projektpartner der europäischen Marktkopplung, auch Multi-Regional Coupling genannt. Dieses verbindet derzeit Märkte, die insgesamt 85 % des europäischen Stromverbrauchs abdecken.[2] Zudem ist EPEX SPOT Dienstleister der ungarischen Strombörse HUPX für die Marktsteuerung und betreibt die 4M-Marktkopplung im Auftrag der slowakischen, der ungarischen und der rumänischen Börsen.[3] EPEX SPOT zählt über 220 Mitglieder[4] und hat ungefähr 100 Mitarbeiter.[5]

Die Europäische Kommission verhängte im März 2014 in einem Kartellvergleichsverfahren eine Geldbuße in Höhe von insgesamt 3,65 Mio. Euro gegen EPEX SPOT wegen verbotener Absprachen mit der norwegischen Energiebörse Nord Pool Spot zu einer nicht miteinander konkurrierenden Marktaufteilung im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR).[6]

Unternehmensstruktur[Bearbeiten]

EPEX SPOT SE ist ein Unternehmen mit einem zweigliedrigen Board-System. Die Anteilseigner von EPEX SPOT berufen einen Aufsichtsrat aus herausragenden Akteuren des europäischen Energiesektors, die den Vorstand wählen und die Unternehmensstrategie genehmigen. Die Schaffung des Aufsichtsrats erleichtert EPEX SPOTs Arbeit an der Integration des europäischen Strommarktes und zollt den zunehmenden Kooperationen auf europäischer und internationaler Ebene Tribut.[7] Der Börsenrat der EPEX SPOT, zusammengesetzt aus Marktteilnehmern, sichert als unabhängiges Organ die Qualität der Governance-Regeln. 22 Mitglieder und vier permanente Gäste, die sich vierteljährlich treffen, bilden die Vielfalt der Wirtschaftskreise und Unternehmensprofile unter den Börsenmitgliedern angemessen ab: Sie umfassen Stromhandelsunternehmen, Übertragungsnetzbetreiber, Regionalversorger und Finanzdienstleister sowie gewerbliche Verbraucher und Vertreter der Wissenschaft.[8] EPEX SPOT, die den Schweizer Day-Ahead- und Intraday-Markt organisiert, hält eine 100-%ige Tochtergesellschaft in der Schweiz, die EPEX SPOT Schweiz AG.

Handel[Bearbeiten]

Timeline der von EPEX SPOT betriebenen Strommärkte
Überblick der von EPEX SPOT betriebenen Day-Ahead und Intraday-Märkte

2014 betrug das Volumen des auf den EPEX SPOT-Märkten gehandelten Stroms 382 Terawattstunden (TWh), was einem Anstieg von ca. 10 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.[9]

Day-Ahead-Märkte[Bearbeiten]

EPEX SPOT betreibt die Day-Ahead-Strommärkte für Deutschland/Österreich, Frankreich und die Schweiz sowie die Day-Ahead-Märkte in Belgien, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich durch ihren 100-prozentigen Anteil an APX Group. Diese Märkte funktionieren über eine blinde Auktion, bei der einmal pro Tag aggregierte Angebots- und Nachfrage-Kurven gekreuzt und auf diese Weise anonym, transparent und sicher Preise ermittelt werden. Börsenmitglieder geben ihre Gebote in ein Orderbuch ein, das für die Schweiz um 11 Uhr und für Deutschland/Österreich und Frankreich um 12 Uhr schließt. Im nächsten Schritt berechnet EPEX SPOT die Angebots- und Nachfragekurven und ihren Schnittpunkt für jede Stunde des darauffolgenden Tages. Die Ergebnisse werden von 11.10 Uhr (Schweiz) und 12.55 Uhr (alle anderen Märkte) an veröffentlicht. Der Index für den deutsch-österreichischen Markt, genannt Physical Electricity Index oder PHELIX, sendet durch seine hohe Liquidität ein klares Preissignal für den Stromgroßhandel in ganz Europa aus.

Marktkopplung[Bearbeiten]

Die belgischen, niederländischen, deutsch/österreichischen, französischen und britischen Day-Ahead-Auktionen sind Teil des Multi-Regional Coupling. Dieses verbindet die Märkte von Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Slowenien und Spanien durch einen Preiskopplungsmechanismus, um die Nutzung grenzüberschreitender Kapazitäten zwischen diesen Ländern zu optimieren und dadurch die volkswirtschaftlichen Gewinne auf allen Märkten zu steigern. Insgesamt bilden die beteiligten Länder 85 % des europäischen Stromverbrauchs ab.

Intraday-Märkte[Bearbeiten]

EPEX SPOT betreibt darüber hinaus Intraday-Strommärkte für Deutschland, Frankreich, Österreich und die Schweiz. Die Intraday-Märkte funktionieren über einen kontinuierlichen Handel: Gebote der Handelsteilnehmer werden laufend in das Orderbuch eingegeben. Sobald zwei Gebote kompatibel sind, werden sie ausgeführt. Gehandelt werden kann bis zu 30 Minuten vor der physischen Lieferung, 60 Minuten für die Schweiz und grenzüberschreitenden Handel.[10] Seit dem 14. Dezember 2010 können Börsenmitglieder grenzüberschreitende Transaktionen zwischen den französischen und deutschen Intraday-Märkten vornehmen. Ermöglicht wird dies durch das von EPEX SPOT genutzte Handelssystem, M7 (ComXerv), welches gleichzeitige grenzüberschreitende Transaktionen an der Börse und am OTC-Markt erlaubt, indem es sich an eine Kapazitätsplattform der Übertragungsnetzbetreiber andockt. Mit dem Start des österreichischen Intraday-Marktes im Oktober 2012 wurde der grenzüberschreitende Handel auf Österreich ausgeweitet; im Juni 2013 folgte die Schweiz. Indirekt betreibt die EPEX SPOT ebenfalls die Intraday-Märkte für Belgien, die Niederlande und das Vereinigte Königreich.

15-Minuten-Kontrakte

Im Dezember 2011 startete auf dem deutschen Intraday-Markt der Handel mit 15-Minuten-Kontrakten. Diese erleichtern den Handel mit Strom aus intermittierenden Quellen und können besser innerstündliche Fluktuationen in Produktion und Verbrauch modellieren. Seit dem Start des Schweizer Intraday-Markts im Juni 2013 werden 15-Minuten-Kontrakte auch in der Schweiz und zum grenzüberschreitenden Handel zwischen beiden Ländern angeboten. Im Dezember 2014 wurde die 15-Minuten-Auktion auf dem deutschen Intraday-Markt eingeführt, um ein zuverlässiges Preissignal auf Viertelstundenbasis bereitzustellen. Die täglich um 15 Uhr stattfindende Auktion ist für Bilanzkreisverantwortliche ein Instrument, um ihre Portfolios während Vorhersageabweichungen und Produktionsrampen auf einer 15-Minuten-Basis anzupassen. Das so entstehende Preissignal gibt Flexibilität einen Wert und fördert Systemstabilität.[11][12]

Zusammenschluss mit APX Group[Bearbeiten]

Im April 2015 gaben EPEX SPOT und APX Group bekannt, ihre Unternehmen zu integrieren. Ziel ist die Schaffung einer Strombörse für Zentralwesteuropa (CWE), welche die Länder Belgien, Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Österreich, die Schweiz und das Vereinigte Königreich umfasst. Durch den Zusammenschluss von EPEX SPOT und APX Group werden Handelsbarrieren zwischen ebendiesen Ländern abgebaut. Marktteilnehmer werden von harmonierten Handelssystemen, einem Regelbuch und einem Zulassungsprozess für die gesamte Region profitieren, was zu geringeren Transaktionskosten führt und Markteintrittsschranken abbaut. Des Weiteren erhalten Marktteilnehmer einen Zugang zu einer breiteren Produktpalette und profitieren vom Zusammenschluss durch hohe Standards und einen zuverlässigen Kundenservice. Die Integration von EPEX SPOT und APX Group wird die Schaffung eines europäischen Strommarkts unterstützen und steht somit vollständig in Einklang mit dem Europäischen Regulierungsrahmen für Strom.[13]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1], Über die Gesellschafter
  2. [2], Press release 24. Februar 2015
  3. [3], 4M Market Coupling Extended High Level Market Design
  4. [4], EPEX SPOT-Börsenmitglieder
  5. [5], DFBEE (2015), S. 8
  6. [6], Pressemitteilung Europäische Kommission 5. März 2014
  7. [7], Aufsichtsrat
  8. [8], Börsenrat
  9. [9], Press release 13. Januar 2015
  10. [10], Press release 16. Juni 2015
  11. [11], 15-Minuten-Eröffnungsauktion auf dem Intraday
  12. [12], Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt (2014): Monitoringbericht, S. 19
  13. [13], Press release 17. April 2015