Eala Frya Fresena

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Wappen Ostfrieslands mit dem später hinzugefügten Wahlspruch

Eala Frya Fresena ist ein friesischer Wahlspruch und wird gelegentlich als zentraler Ausdruck der Friesischen Freiheit hervorgehoben. Er soll am Upstalsboom, einem mittelalterlichen Versammlungsplatz nahe Aurich, von den versammelten Friesen ausgerufen worden sein. Die Redeweise ist jedoch erst im 16. Jahrhundert belegt, und nur als Trinkspruch. Sie wurde im späten 18. Jahrhundert mit dem Upstalsboom in Verbindung gebracht.[1]

Trinkspruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die historische Bezeugung des Satzes setzt erst spät ein, und zwar nicht in Ost-, sondern in Westfriesland (westlich der Lauwers). Nach dem Germanisten Pieter Sipma ist der offenbar sprachlich verderbter Spruch im Altfriesischen überhaupt nicht belegt, sondern soll zum ersten Mal 1588 bei Cornelius Kempius auftauchen.[2][3] Dieser bezeugt, dass man in Friesland die Gäste mit einem vollen Trinkbecher begrüßt und sie zu einem Händedruck und einem Kuss einladet: Het ghildt eele ffrye ffryse („Es gilt Dir Heil, freier Friese!“ oder „Es gilt Dir, edler freier Friese!“). Der Gast sollte antworten: Ffaer wael ele vrye ffrise („Es gehe Dir wohl, edler freier Friese!“). Beim Zutrinken hätte man zudem nicht zwischen Männern und Frauen unterschieden. Es handelt sich zwar nicht um den ältesten Hinweis. Bereits Reyner Bogerman erwähnt in seiner Sprichwortsammlung aus 1551 den verkürzten Satz: ey ele Frese.[4] Dennoch ist die Überlieferung dünn.

Spätere Versionen sind ebenfalls kürzer, wie 1617 bei dem Juristen Sibrandus Siccama Ela fria Fresa! oder im Plural Ela fria Fresena!, verzeichnet in seiner Ausgabe der altfriesischen Gesetze.[5] Laut Siccema war es bis zum Ende des 15. Jahrhunderts die übliche Begrüßung, die aber unter die sächsische und geldrische Herrschaft nach 1498 außer Gebrauch gekommen war. Es wird vermutet, dass man schon in seiner Zeit die ursprüngliche Bedeutung der Wörter nicht mehr kannte, weshalb der Satz auf Lateinisch als nobiles liberi Frisones, d. h. „edle freie Friesen“ aufgefasst wurde.[6] Siccama beruft sich zudem auf eine ungenannte holländische Chronik, in der die Friesen des „Keysers vrije“ genannt wurden, weil sie ihre Freiheit Karl des Großen verdankten.

Das Wort eal oder eel („edel“) ist im Westfriesischen des 19. Jahrhunderts relativ gut belegt.[7] Eine derartige (innerlich widersprüchliche) Standesbezeichnung ist jedoch aus dem Mittelalter nicht bekannt.[8]

Englische Gegenstücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um einen Spruch, die möglicherweise auf eine englische Sage bei Geoffrey von Monmouth zurückgeht, nach der die verräterische Rowena, Tochter des legendären Heerführers Hengest ihrem König Vortigern den Becher reichte mit den Wörtern: Lauerd King, waesseil! („Lord König, seid gesund!“). Dieser hätte den Pokal angenommen und den Segenwunsch mit einem Drichheil! („Trinke gesund!“) begegnet. Der in England weit verbreitete Trinkspruch lautete deshalb Waes hael!, worauf Drinc hael! geantwortet wurde. In niederländischen Texte wurde daraus im 16. Jahrhundert Wacht heyl! und Drinct heyl!

In der westfriesischen Geschichtsschreibung des späten 16. Jahrhunderts hat man Hengest für einen Friesen gehalten und seine vermeintliche Trinksitten als friesisch erkannt. Die Anlehnung am englische Trinkrituale wurde wohl dadurch gefördert, das man in England und Westfriesland ähnliche Trinkgefäße (in England die sogenannten Wassail-cups) und ähnliche Trinkhörner benutzte, um die Getränke herumzureichen.

Inwiefern der Satz tatsächlich zu den praktizierten Trinksitten gehörte, bevor er im 19. Jahrhundert wiederentdeckt wurde, ist ungewiss.

Sprachliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Übersetzung des Satzes ist umstritten. Die Autoren des 17. Jahrhunderts meinten, es handle sich um „edle freie Friesen“, doch seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Wort ela oder eala zunehmend als Interjektion („Wohlauf!“, „Seid gegrüßt!“, „Willkommen!“ „Ach!“ oder „O [freie Friesen]!“) aufgefasst.

Die Schreibweise Eala fria Fresena wurde erst 1746 vom ostfriesischen Regierungsrat Matthias von Wicht in Anlehnung an altenglische Beispiele eingeführt.[9] Von Ostfriesland aus hat sie sich sodann um 1840 in Westfriesland und später auch in Nordfriesland verbreitet.[10]

Die Interjektion ēalā findet sich zwar im Altenglischen. Diese kann jedoch nicht unmittelbar mit Eala frya Fresena in eine direkte Beziehung gebracht werden, da der altenglische Diphthong ēa (wie bei brēad „Brot“) im Altfriesischen in der Regel einem gedehnten ā (brād) entspricht. Der Freudenruf hilla! („Juchhei!“) ist immerhin 1640 bei dem Dichter Gysbert Japicx bezeugt und entspricht einer ähnlichen Form im Englischen.[11][12] Als heila! oder hela! ist er spätestens seit 1684 im Niederländischen bezeugt.[13] Es könnte sich sodann, nach Analogie mit dem Ausruf hol(l)a („Hallo da! Warte Mal! Pass auf!“), um eine Neubildung handeln, in der man den älteren Freudenruf ei, oder heah mit dem französischen Partikel -là („da“) verbunden hat.[14] Nachträglich dürfte man darin das altenglische ēalā erkannt haben.

Immerhin ist es nicht ganz auszuschließen, dass es sich ursprünglich um das altfriesische Wort ēthel („adelig, edel“) gehandelt hat. Das Wort eel („edel“) ist seit 1503 im Niederländischen belegt.[15] Das Westfriesischen eal oder eel ist erst im 19. Jahrhundert dokumentiert, doch war der entsprechende Personenname Eelka bereits im Spätmittelalter verbreitet.[16]

Vor allem in Deutschland setzte sich seit dem 19. Jahrhundert die Interpretation durch, dass das Wort eala auch als „Heil“ verstanden werden könne. Sprachlich wäre das nicht unmöglich, doch gibt es dafür keine konkrete Hinweise.

Weshalb man die Form Fresena in dem (in diesem Zusammenhang selten belegten) Genitiv Plural wiedergegeben hat, ist nicht eindeutig geklärt. Laut des Sprachforschers Pieter Sipma gibt es einen Präzedenzfall (agene „Augen“).[17] Der Historiker Georg Sello glaubt zwar, man hätte den niederdeutschen (oder frühniederländischen) Nominativ Fresen durch Anhängung eines dem Altfriesischen entlehnten Plural-a „friesisch aufputzen“ wollen.[18] Doch konnte Siccama zurückgreifen auf ein seitdem verschollenes altfriesisches Manuskript des 15. Jahrhunderts, in dem die korrumpierte Wortbildung bereits mehrfach vorhanden war.[19]

Neubelebung im 19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Spruch wurde in der Spätaufklärung wiederentdeckt und neubelebt. Das war vor allem dem ostfriesischen Historiker und Landschaftssekretär Tileman Dothias Wiarda zu verdanken, der seit 1777 seine Darstellung der mittelalterlichen Landtage am Upstalsboom mit einer romantische gefärbten Gedanken über altherkömmliche Trinksitten, volkstümliche Bräuche und vermeintliche Freiheitsretorik verband. In einem 1818 abgefasstes Schrift heißt es:

„Es läßt sich daher bei solchen Landtagen, wozu jedermann den freien Zutritt hatte, auf den Zusamsammenfluß vieler Menschen aus allen Klassen rechnen. […] Diese fremden Gäste werden dann, nach allgemeiner vaterländischen Sitte, mit einem Händedruck, mit einem Kusse und dem friesischen Gruße: Eala fria Fresena, willkommen du freier Friese, von Männern, Weibern und Dirnen empfangen seyn. Bei den Friesen war es auch alten Herkommens, daß dem Fremden zum Willkommen aus einem, mit Wein oder Bier angefüllten Trinkhorn oder Becher zugetrunken wurde: het ghild eele frye Freese, dir gilt es, edler freier Friese; worauf dieser den ihm gereichten halb geleerten Becher annahm, und denn mit den Worten zurück gab: Faer wel eele frye Freese, d.i. auch es gehe dir wohl, oder es bekomme dir wohl, edler freie Friese. Hierauf gaben sie sich die rechte Hand, und küßten sich ohne Unterschied des Geschlechts. […]
Daß die Friesen, nach alter germanischer Gewohnheit, nach verrichteten Landtags-Geschäften am Abend, oder wohl gar bis zu den frühen Morgen wacker werden gezechet haben, und es an Volkslustbarkeiten nicht gefehlet haben mag, darf wohl nicht bezweifelt werden.“[20]

Damit entwarf Wiarda, wohl von den politischen Ereignissen seiner eigenen Zeit beeindruckt, das Bild einer idealisierten Volksversammlung, der zugleich als Wunschbild für eine ersehnte demokratische Zukunft dienen konnte. Der Spruch bildete bei ihm einen Gegenstück zur zeitgenössischen Parole „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ (so Martin Tielke).[21]

Der überlieferte Satz Eala frya Fresena wurde im 19. Jahrhundert politisch instrumentalisiert und in den Westfriesland, Ostfriesland und Nordfriesland auf unterschiedlicher Weise eingesetzt.

Ostfriesland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Ostfriesland wurde der Spruch zur Parole einer Regionalbewegung, die die Wiederherstellung der altständischen Selbstverwaltung zum Ziel hatte. Er diente zum Beispiel als Wappenspruch auf einem kostbaren Tafelaufsatz im Gestalt eines Upstalbooms, den die ostfriesischen Landstände 1843 dem Kronprinzen von Hannover als Brautgift überreichten.[22] Doch wurde er auch von den Demokraten übernommen und politisch umgesetzt, wie bereits in einem „friesischen Volkslied“, das Rudolf Ihnen 1842 veröffentlichte (siehe unten). Im Revolutionsjahr 1848 ließen sich die Stände vorübergehend von der aufgeheizten Stimmung mitreißen. Zu lange hätten die Ostfriesen vom ererbten Ruhm des Upstalsbooms gezehrt und gezecht, jetzt solle man handeln, warnten die Demokraten.[23] In einem Grußwort an die Frankfurter Nationalversammlung heißt es:

„Denn wir sehen, dass ihr einen Upstallsboom für ganz Deutschland aufgeplanzt habt zu Frankfurt. Um diesen Baum deutscher Freiheit wollen wir mit euch uns schaaren und mit ihm wollen wir mit Euch stehen und fallen. Deshalb begrüßen wir Euch und alle Deutschen statt mit dem altfriesischen Eala frea Freesena! mit dem deutschen Brudergruß: Heil Euch, ihr freien deutschen Männer![24]

Bald verwehte die liberale Zeitgeist. Der ostfriesischen Lokalpatriotismus verband sich wiederum mit restaurativen Gedanken adelig-großbäuerlicher Prägung. Der Satz diente fortan als Wappenspruch des alten Upstalsboomwappens, zum ersten Mal in der 1848 fertig gestellten Ständesaal der Ostfriesische Landschaft in Aurich. Auf ähnlicher Weise erschien der Spruch 1865 auf einen Gedenktaler zur Schlacht bei Waterloo (1815) sowie auf einen zweiten, der die 50-jährige Zugehörigkeit Ostfrieslands zu Hannover feierte.

Spätestens um die Jahrhundertwende wurde der Freiheitsspruch jedoch erneut von fortschrittlichen Politikern sowie von der eher bürgerlichen ausgerichteten Heimatbewegung aufgegriffen. Er schmückte Aushangschilder und farbig gedruckte Wandtafel,[25] später auch silberne Löffel, Teedosen und Notgeldschienen. Der Sonntags-Beilage der Emder Zeitung bekam 1894 den Namen Eyla frya Fresena. Der liberale Reichstagsabgeordneter Jan Fegter aus Norden führte 1912 seinen Wahlkampf auf platt mit dem Gedicht „Jan müt rin“:

Un in de Rieksdag hört en Mann,
En Fegter! — un kin Engelkes!
Eala frya fresena!
Wi sund en Volk van fräe Frasen![26]

In der Nazizeit wurde den Satz als Beweis altherkömmlicher friesischer Heldenmut in den Katalog deutscher Regionalsprüche aufgenommen.[27] Eala frya fresena! galt demzufolge als Kampfruf eines „Friesen-Bataillons“, das Sommer 1940 nach Frankreich hervorstieß, bevor es nach Dänemark und Russland verlegt wurde.[28] Dessen ungeachtet blieb den Satz auch in den Nachkriegsjahren im allgemeinen Gebrauch, jetzt als Teil einer verbindlichen regionalen Identität, die auch von den Behörden gern angesprochen wurde. Er diente zudem als Wappenspruch zum ehemaligen fürstlichen Wappen, das hinfort als Landschaftsemblem benutzt wurde. Zunehmend wurde er mit der touristischen Marke Ostfriesland verbunden. Der in Beton eingelassene Spruch ist seit 2018 zusammen mit den Wörtern „Friesische Freiheit“ am Upstalsboom zu lesen. Der Spruch, der Ort und den Begriff der „friesische Freiheit“ gelten heutzutage in Ostfriesland – so der Historiker Paul Wessels – durchaus als Synonyme.[29]

Niederlande[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der umformulierte Satz Ela frya Fresena wurde in den Niederlanden seit etwa 1840 in liberalen Flugschriften verwendet.[30] Seit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts war es einer der Parole der nationalfriesischen Bewegung, die vor allem auf Gleichberechtigung der eigene Sprache, Kultur und Wirtschaft hinzielte.

Friesische „Volkslieder“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sängerfeste, Lieder, Gedichte und Trinksprüche spielten in den demokratischen Bewegungen des 19. Jahrhunderts eine große Rolle. Sie wurden ebenfalls von den Burschenschaften übernommen. Das 1811 gegründete Corps Frisia in Göttingen führte bereits Mitte der 1820er Jahre den Wahlspruch Eala frya Fresena! („Heil dem freien Friesen!“) in seinem Wappen.[31] Der Sprachforscher Johan Winkler erzählt von seiner Studentenzeit in Amsterdam, um 1865:

„‚Auf das alte Vaterland!‘ lautete unserer Trinkspruch, als wir die Bierkrüge gegeneinander stießen: ‚Und auf alle freie Friesen!‘ war die Antwort. Eala fria Fresena! – damit begrüßten wir uns beim Eintreten, so wie es die alten Friesen taten. Ljeavor dead as slav! Das war unser Slogan. Wir sangen ‚Fries’sch Blut, steig auf! Nun wolle brausend werden‘ und ‚War'n die alten Friesen frei, Friesensöhne sind auch wir, juchhei!‘“[32]

Die nationale Liedkultur wurde in Deutschland jedoch, mehr als in den Niederlanden, spätestens während der Kaiserzeit zunehmend in einen konservativen und antidemokratischen Diskurs eingebunden.

Das älteste Lied mit dem Titel „Ela fria Fresena“ wurde 1828, gewissermaßen als Wahlspruch, im Vorwort des autobiographischen Romans Rhonghar Jarr des Berufsrevolutionärs Harro Harring aufgenommen. Harring lebte damals im Exil in München. Ob das Lied – der Autor nannte es einen Psalm – jemals gesungen wurde, ist nicht überliefert.

Ich will die Friesen grüßen
Im fernen Vaterland;
Ich will die Muscheln küssen
Am theuren Friesenstrand![33]

„Eala Frya Frisia“ lautet der Refrain eines „Friesischen Volkslieds“, das der Demokrat Rudolf Justus Ihnen aus Leer 1842 im ersten Heft der Emder Zeitschrift Frisia publizierte. Es galt im 19. Jahrhundert als ostfriesische Nationalhymne. Die ersten Strophen lauten (mit einer Anspielung auf Goethe):

Auf den meerentrung’nen Wiesen
An der wilden Nordsee Strand,
Wohnen wir, wir freie Friesen,
Stolz auf unser Vaterland.
Das der Freiheit edlen Sproß
Stets genährt in seinen Schooß.
Hoch erschall es fern und nah:
Eala fria Fresena![34]

Weniger erfolgreich war ein kämpferisches Lied des Lehrers Hinrich Janssen Sundermann aus Hesel, das den Titel „Eala Fria Fresena“ trug und Theodor Körners „Bundeslied vor der Schlacht“ nachgeahmt war:

Willkommen hier, Ihr fries'schen Brüder alle,
Aus Gauen fern und nah!
Als Brudergruß und Lösungswort erschalle
Hoch Fria Frisia![35]

Die Popularität des „Friesischen Volkslieds“ wurde jedoch bald vom nostalgischen Ostfrieslandlied des linken Demokraten Enno Hektor („In Oostfreesland is't am besten“) überholt, das sich seit 1850 zuerst in Studentenkreisen, sodann auf dem Lande in unterschiedlicher Fassungen verbreitete.[36]

Der westfriesche Dichter und Politiker Pieter Jelles Troelstra publizierte 1886 in Anlehnung an die ostfriesische Vorlage das auf westfriesisch abgefasste Lied „Eala fria fresena“, das an dritter Stelle im wichtigen Liederbuch Ny Frysk Lieteboek aufgenommen wurde.

Fan 'e wylde see besprongen,
Tûzen kearen op 'en nij,
Faak bekampe, nea betwongen,
Wien' de Friezen rûn en frij;
Frijdom wie de heechste wet
Yn it eale Friez'ne hert;
Mannen, sjong, Mannen sjong,
Mannen, sjong 't elkoar dan ta:
„Eala fria Fresena!“[37]

Vom wilden Meer angegriffen,
Tausendmal und immer wieder,
Oft gekämpft, nie unterworfen,
Sind die Friesen entkommen und frei;
Freiheit war das höchste Gesetz
Im edlen friesischen Herzen;
Männer, singt, Männer, singt,
Männer singt einander zu:
„Eala fria Fresena!“

Hermann Allmers öffnete seine 1860 publizierte Dichtungen mit dem Gedicht „Friesengruß“. Hierin wurde den Satz „Eala frya Fresena“ mit dem als Friesenspruch qualifizierten Motto „Lieber todt als Sklave“ in Verbindung gebracht.[38]

Für den Rüstringer Heimatbund komponierte Allmers 1892 einen Friesensang oder Friesenlied „Eala Freya Fresena“ mit dem an Ernst Moritz Arndt erinnernden Motto „Von Niederlands Küste bis Dänemarks Strand“. Das Lied wurde in unterschiedlicher Fassungen und mit verschiedenen Titeln in mehreren Liederbüchern aufgenommen und häufig in Nord- und Ostfriesland aufgeführt.[39][40][41]

Ja, wir wollen uns freu'n, daß wir Friesen sind,
Und die Heimat, die prangende, preisen
Und in kühnlichem Kampf wider Wogen und Wind
Uns wacker und würdig erweisen,
Doch am heiligsten halten das Herzensband,
Das uns fesselt ans grössere Vaterland!

Trotz des Nationalpathos wurde das Lied noch in den Nachkriegsjahren ins Westfriesische, ins Mooring (Nordfriesland) und ins ostfriesische Niederdeutsch übersetzt. Die unterschiedliche Fassungen erschienen 1955 im Liederbuch Frisia Cantat.[42]

Eyla frya Fresena! war ebenfalls der Titel einer Sammlung von Heimatballaden, die der aus Norden stammende Literaturwissenschaftler und spätere Kurdirektor Willrath Dreesen 1906 veröffentlichte.

Moderne Umdeutungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuerdings wird behauptet, der Spruch sei als Umkehrung der feudalen Unterwerfung des Niederkniens zu verstehen. Er soll deshalb als „(Steht) auf, (ihr) freien Friesen!“ oder „Erhebt euch, (ihr) freien Friesen!“ verstanden werden. Diese Interpretation verbindet sich zwar mit einem anderen westfriesischen Spruch („Wir Friesen knien nur vor Gott“), ist historisch jedoch nicht belegbar. Sie wurde März 2004 auf dieser Seite veröffentlicht und hat sich seitdem verbreitet.[43]

Als passende Antwort auf Eala Frya Fresena soll, jedenfalls in Ostfriesland, der niederdeutsche Ausruf Lever dood as Slaav („Lieber tot als Sklave“) gelten.[44] Letzterer Ausspruch lautet auf Nordfriesisch Lewer duad üs Slav und ist zugleich Wahlspruch im nordfriesischen Wappen. Er entstammt in dieser Form dem Nationaldenken des 19. Jahrhunderts. Der gleiche Spruch Leaver dea as slaef ziert seit 1951 das westfriesische Freiheitsdenkmal in Warns bei Stavoren. Ob es sich um einen aktuellen Brauch handelt, darf bezweifelt werden. Eher ginge es um eine Reminiszenz an die Burschenschaften des 19. Jahrhunderts.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tileman Dothias Wiarda: Von den Landtagen der Friesen in den mittlern Zeiten bey Upstalsboom. Aurich 1777, S. 118.
  2. Karl von Richthofen: Altfriesisches Wörterbuch. Göttingen 1840, S. 703.
  3. Pieter Sipma: Eala Fria Fresena. In: De Pompeblêdden 19, 1948, S. 21–24.
  4. Tjitze J. de Boer: Reyner Bogerman’s Friesche rijmspreuken. (PDF; 2,1 MB) In: De Vrije Friesch. 19, 1900, S. 207–279, 254, 261 (ele = „edle“).
  5. Sibrand Siccama: Lex Frisionum sive antiquæ Frisiorum leges, a reliquis veterum Germanorum legibus separatim ædita. Franeker 1617. S. 65.
  6. Hinrich Siuts: Bauern und Landhandwerker in Ostfriesland. Eine Darstellung aufgrund der Erhebungen von Bernhard Klocke 1979-1984. Cloppenburg 2004, S. 217. So auch: Tiede Roelofs Dijkstra: Zeden en gewoonten uit vroegeren tijd. In: Nieuwe Friesche Volks-Almanak 7, 1859, S. 154–160, hier S. 157.
  7. Wurdboek fan de Fryske taal / Woordenboek der Friese taal (WFT) Online, Stichwort: eal, var. eel und eabel. Vgl. jedoch das Stichwort: eala.
  8. Eine Ausnahme bietet der aus einem nordfriesischen Lied bekannte Terminus adlige Booiine, dass aber vom dänischen Odelsbonde („erbeigener Bauer“ oder „Freibauer“) stammt.
  9. Matthias von Wicht: Das ostfriesische Land-Recht nebst dem Deich- und Syhlrecht. Aurich 1746, S. 104 (Anm.).
  10. Joost Hiddes Halbertsma: Letterkundige naoogst. Deventer 1840, S. 161. Lexicon Frisicum. Bd. 1: A-Feer. Deventer 1872, Sp. 824 (hier als durchsuchbares Datenbestand mit friesische Übersetzung durch Anne Dykstra, Instituut voor de Nederlandse Taal, Leiden, 2018–2022). Nikolaus Outzen: Glossarium der friesischen Sprache. Kopenhagen 1837, S. 59.
  11. Gysbert Japicx: Friesche rymlerye (1668). 2. Aufl. Leeuwarden 1681, S. 6 (Hilla! het Famke sjog ik dear?).
  12. Joost Hiddes Halbertsma, Lexicon Frisicum. Bd. 1: A-Feer. Deventer 1872, Sp. 824 (Online, Stichwörter heilla! (1), heilla! (2), hilla!). Oxford English Dictionary (OED), Stichwörter hilla und hillo.
  13. Philippe la Grue: Grammaire Flamande, contenant des regles solides, et les vrays fondamens …. Amsterdam 1684, S. 182.
  14. Michiel de Vaan: Hola. In: Neerlandistiek. Online-tijdschrift voor taal- en letterkunde, 4. Februar 2016. Halbertsma berichtet, man hätte zu seiner Zeit das holländische hola! („Pass auf!“) auf Friesisch als heilla! ausgesprochen, was leicht zu einer Verwirrung mit anderen fast gleichbedeutenden Homonymen geführt haben dürfte. Siehe auch: Wurdboek fan de Fryske taal / Woordenboek der Friese taal (WFT), Stichwörter eala, hela (var. hilla) und hola. Woordenboek der Nederlandsche Taal (WNT), Stichwörter eiII, he, heah, heiVII, heila, hela und hola. Eelco Verwijs und Jacob Verdam: Middelnederlandsch woordenboek (MNW). 1885–1929, Stichwort ey.
  15. Woordenboek der Nederlandsche Taal (WNT), Stichwort edel.
  16. Wurdboek fan de Fryske taal / Woordenboek der Friese taal (WFT) Online, Stichwörter eal, var. eel und eabel.
  17. Pieter Sipma: Eala Fria Fresena. In: De Pompeblêdden 19, 1948, S. 21–24.
  18. Georg Sello: Vom Upstalsbom und vom Totius-Frisiae-Siegel. (PDF; 27 MB) in: Jahrbuch der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden 21, 1925, S. 65–137, hier S. 117. Vgl. Friedrich Ritter: Eala Frisa Fresena. In: Upstalsboom-Blätter 1, 1911/12, S. 4–7.
  19. Sibrandus Siccama, Lex Frisionum sive antiquæ Frisiorum leges, a reliquis veterum Germanorum legibus separatim ædita. Franeker 1617, S. 75, 114, 123. Han Nijdam, Arjen Versloot und Henk D. Meijering: Kodeks Siccama. Spoaren fan in ferdwûn Aldwestfrysk rjochtshânskrift (PDF). In: Us Wurk 61, 2012, S. 1–56, hier S. 30, 48, 50.
  20. Tileman Dothias Wiarda: Von den Landtagen der Friesen in den mittleren Zeiten bei Upstalsboom. Leer 1818, S. 65–66.
  21. Martin Tielke: Der Upstalsboom als Gedächtnisort. In: Hajo van Lengen (Hg.): Die Friesische Freiheit des Mittelalters. Leben und Legende. Aurich 2003, S. 436–461, hier S. 448.
  22. Martin Tielke: Der Upstalsboom als Gedächtnisort. In: Hajo van Lengen (Hg.): Die Friesische Freiheit des Mittelalters. Leben und Legende. Aurich 2003, S. 436–461, hier S. 453.
  23. Dietrich Bischoff: Ostfriesland in der deutschen Bewegung 1848-49. Aurich 1937, S. 125–126. Heinrich Schmidt: Politische Geschichte Ostfrieslands. Pewsum 1975, S. 407–424.
  24. Martin Tielke: Der Upstalsboom als Gedächtnisort. In: Hajo van Lengen (Hg.): Die Friesische Freiheit des Mittelalters. Leben und Legende. Aurich 2003, S. 436-461, hier S. 453-457.
  25. Brigitte Junge: Aus der Schatztruhe Ostfrieslands. Museumsstücke erzählen Geschichte(n). Erfurt 2013, S. 31.
  26. Oost-Friesche verkiezingsleus. In: Algemeen Handelsblad, 12.12.1912.
  27. Jef Hinderdael: Brieven van de Lüneburger Heide. Soest 1940, S. 57. Es betrifft das Gut Thansen, das vom Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland für Propagandazwecke benutzt wurde.
  28. Paul Wessels: Siegfried Kunstreich und sein „Bildwerk“ des Friesen-Bataillons 1940. Hypotheses: Blog für Ost-Friesische Geschichte, 23. November 2021.
  29. Paul Wessels: Der Upstalsboom zu Aurich. In: Henning Steinführer und Gerd Steinwascher (Hg.): Geschichte und Erinnerung in Niedersachsen und Bremen: 75 Erinnerungsorte. Göttingen 2021, S. 51–56.
  30. Montanus de Haan Hettema: Het stemregt in Nederland. Een woord aan mijne landgenooten en bijzonderlijk aan de Friezen. Dokkum 1840, S. 14.
  31. Eduard Beurmann: Deutschland und die Deutschen. Bd. 3, Altona 1840, S. 55.
  32. Johan Winkler: Bier en bierdrinken in Friesland.. In: Ders,: Oud Nederland. Den Haag 1888, S. 323-332, hier S. 328 (vom Autor korrigiert aus dem originellen Aufsatz aus 1884, wo der Spruch Liävor dead als slaef! lautet). Er betrifft zwei Lieder aus Eeltsje Halbertsma und Joost H. Halbertsm: De lapekoer fen Gabe Scroar. 3. Aufl. Deventer 1834, hier leicht geändert nach der Übersetzung von Knut Jungbohn Clement: Der Lappenkorb von Gabe Schneider aus Westfrisland. Leipzig 1846, S. 136 und 155. Das erste Lied (De âlde Friezen) gilt seit 1875 als Nationalhymne Westfrieslands.
  33. Harro Harring: Rhonghar Jarr. Fahrten eines Friesen in Dänemark, Deutschland, Ungarn, Holland, Frankreich, Griechenland, Italien und der Schweiz, Bd. 1, München 1828, Vorwort. Wiederabgedruckt in: Passionsmöwe. Psalmen eines Verbannten, London 1838. Der Spruch war an Heimreichs Chronik entlehnt.
  34. Rudolph Justus Ihnen: Eala fria Frisia (Friesisches Volkslied). In: Frisia: eine Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung 1 (Emden 1842), S. 2–3.
  35. Dietrich Bischoff: Ostfriesland in der deutschen Bewegung 1848-49, Aurich 1937, S. 117.
  36. Gertrud Stendal: Die Heimathymnen der preussischen Provinzen und ihrer Landschaften. Eine literarische Charakteristik. 1919, S. 120–123 (Textarchiv – Internet Archive)
  37. Pieter Jelles Troelstra und P.H. de Groot (Hg.): Ny Frysk Lieteboek. Heerenveen 1886, S. 5–6.
  38. Hermann Allmers: Dichtungen. Bremen 1860, S. 1–3.
  39. Axel Behne (Bearb.): Repertorium zum Bestand ‚Nachlass Hermann Allmers‘. Cuxhaven: Archiv des Landkreises Cuxhaven, November 2020, Best. 5000, hierin: Eala frya Fresena! Friesensang. Von Niederlands Küste bis Dänemarks Strand. Bremerhaven, o. J.
  40. Gertrud Stendal: Die Heimathymnen der preussischen Provinzen und ihrer Landschaften. Eine literarische Charakteristik. 1919, S. 125–127 (Textarchiv – Internet Archive)
  41. Brief von Hermann Allmers, in: Gesellschaft für Bildende Kunst und Vaterländische Altertümer zu Emden 10, H. 1 (1892), S. 159–161.
  42. Henk T.J. Miedema: Hermann Allmers, de Friezen en it Friezeliet. In: De Tsjerne 13 (1958), S. 174–180.
  43. Wikipedia: Eala Frya Fresena, Version 11. März 2004. Älteste Belege dieser Übersetzung auf Google Books: Silke Arends: Ostfriesland und die Ostfriesischen Inseln. Wissen im Norden. Neumünster 2015. Katharina Jakob und Insa Lienemann: Ostfriesland für die Hosentasche. Was Reiseführer verschweigen. Frankfurt am Main 2015.
  44. Das Ostfriesland-Wappen (2015) bei Webshop Botschaft Ostfriesland, abgerufen am 25. Oktober 2023.