Echsen

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Die Einteilung der Lebewesen in Systematiken ist kontinuierlicher Gegenstand der Forschung. So existieren neben- und nacheinander verschiedene systematische Klassifikationen. Das hier behandelte Taxon ist durch neue Forschungen obsolet geworden bzw. ist nicht Teil der hier abgebildeten Systematik der Gruppe.

Echsen ist die biologisch nicht eindeutige Bezeichnung für ein zu den Reptilien gehörendes Taxon. Die gängigsten Definitionen stellen die Echsen entweder als Unterordnung zu den Schuppenkriechtieren oder ordnen ihnen alle heute lebenden Reptiliengruppen mit Ausnahme der Schildkröten zu. Der erstgenannten Gruppe wird der wissenschaftliche Name Lacertilia zugewiesen, der zweitgenannten der Name Sauria (griechisch σαῦρος saurosEidechse‘, ‚Salamander‘).[1] Verwirrenderweise wird der Name „Sauria“ aber auch synonym zu Lacertilia verwendet, sodass man nur anhand des Kontextes bzw. bei Angabe des entsprechenden Autors erkennen kann, in welchem Sinne der Name verwendet wird.

Etymologie[Bearbeiten]

Der Begriff wurde 1816 von Lorenz Oken aus der Verkürzung von Eidechse geschaffen.[2] Im dritten Teil seines Werkes Lehrbuch der Naturgeschichte dient er als Alternativname für seine Ordnung „Vogellurche“, die sowohl Krokodile beinhaltet, als auch zahlreiche Arten, die in der heute noch gebräuchlichen klassischen Systematik unter dem Namen „Lacertilia“ zusammengefasst werden.[3]

Echsen im engeren Sinn[Bearbeiten]

Stirnlappenbasilisk (Basiliscus plumifrons)
Halsbandleguan (Crotaphytus collaris)
Spanischer Sandläufer (Psammodromus hispanicus), ein Vertreter der Echten Eidechsen (Almería, Südspanien)
Krokodilhöckerechse im Wuppertaler Zoo
Agame aufgenommen in Townsville, Australien

Konzept[Bearbeiten]

Echsen (Lacertilia Owen 1842 bzw. Sauria MacCartney 1802) sind in der klassischen Systematik eine Unterordnung der Schuppenkriechtiere (Squamata). Die andere Unterordnung der Schuppenkriechtiere ist die der Schlangen (Serpentes). Im Gegensatz zu diesen haben die meisten Echsen voll entwickelte Gliedmaßen. Eine Ausnahme bilden die Schleichen.[4] Die Echsen unterscheiden sich aber von den Schlangen durch eine Anzahl weiterer Merkmale. Schlangen haben z. B. nur eine einzelne Reihe sehr breiter ventraler (bauchseitig gelegener) Schuppen, während die Echsen mehrere Reihen schmalerer Schuppen aufweisen.

Die Lacertilia werden traditionell in vier Teilordnungen gegliedert:

Aus dem Blickwinkel der Kladistik handelt es sich bei den Echsen im Sinne der klassischen Systematik um eine paraphyletische Gruppe: Die Gegenüberstellung von Schlangen und Echsen ist nicht haltbar, da Schlangen offenbar enger mit einer bestimmten Echsen-Gruppe, nämlich den Waranen, verwandt sind, als die Warane mit anderen Echsen-Gruppen. Daraus folgt wiederum, dass Schlangen vermutlich aus waranartigen Echsen hervorgingen und somit eigentlich selbst „Echsen“ sind.

Echsen sind somit besser als ein Organisationsgrad (engl.: grade) in der Evolution der Schuppenkriechtiere zu verstehen. Allgemein formuliert bedeutet dies: Weder muss zwischen Schuppenkriechtieren des gleichen Organisationsgrades („Echsen“) eine sehr enge Verwandtschaft zwingend vorliegen, noch kann eine enge Verwandtschaft von „Echsen“ mit Schuppenkriechtieren davon abweichender Organisationsgrade (z. B. Schlangen) ausgeschlossen werden.

Traditionelle Systematik der Unterordnung Lacertilia[Bearbeiten]

Echsen im weiteren Sinn[Bearbeiten]

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Zwei Reptilienarten mit typischem „Echsenhabitus“, die mit den Lacertiliern eher entfernt verwandt sind. Links: Nilkrokodil (Crocodylus niloticus). Rechts: † Belebey vegrandis (Lebendrekonstruktion), ein Vertreter der Parareptilien aus dem Perm von Russland.

Bezieht man auch Brückenechsen und Krokodile („Panzerechsen“) in den Begriff mit ein, nutzt ihn also im ursprünglichen, Oken'schen Sinn, bezeichnet „Echse“ nur mehr ein vierbeiniges Reptil mit eher langem Schwanz und eher kurzem Hals, steht also für den typischen „Echsenhabitus“. Dieser Habitus ist evolutionsgeschichtlich sehr alt. Bereits die frühesten Reptilien wie z. B. Hylonomus aus dem Karbon besaßen ihn, wobei ihnen dieser wiederum von ihren amphibischen Vorfahren vererbt wurde.

In dieser Hinsicht ist es auch nicht verwunderlich, dass in umgangssprachlich-populärwissenschaftlichem Zusammenhang alle im Laufe der Erdgeschichte ausgestorbenen, eher großwüchsigen Amphibien und Reptilien als Saurier bezeichnet werden. Für die Amphibien, z. B. Seymouria, wird auch die Bezeichnung „Ur-Saurier“ verwendet.

Das Großtaxon „Sauria“, das 1988 vom US-amerikanischen Wirbeltier-Paläontologen und Kladisten Jacques Gauthier errichtet wurde, umfasst jedoch nicht alle Reptilien mit Echsenhabitus oder gar alle morphologisch ähnlichen Landwirbeltiere, sondern die Diapsiden-Kronengruppe,[5] das heißt alle heute lebenden Diapsiden­arten und deren fossile Verwandte. Damit sind einige „primitive“, allerdings durchaus echsenähnliche „echte“ Reptilien, wie die Bolosaurier, die Procolophoniden oder die „Protorothyrididen“, und sogar die ersten Diapsiden (z. B. Petrolacosaurus) nicht inbegriffen, dafür aber die Vögel als rezente Dinosaurier.

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Fritz Clemens Werner: Wortelemente lateinisch-griechischer Fachausdrücke in den biologischen Wissenschaften (= suhrkamp taschenbuch. 64). 1 Auflage. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1972, S. 364.
  2.  Albrecht Greule: Kurzwörter in historischer Sicht. In: Jochen A. Bär, Thorsten Roelcke, Anja Steinhauer (Hrsg.): Sprachliche Kürze. Konzeptuelle, strukturelle und pragmatische Aspekte. De Gruyter, 2007, ISBN 978-3-11-017542-4, S. 128 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3.  Lorenz Oken: Okens Lehrbuch der Naturgeschichte. Dritter Theil: Zoologie. Zweite Abtheilung: Fleischthiere. August Schmidt und Comp., 1816, S. 1270 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Die Schleichen werden bei Oken nicht bei den Echsen sondern zusammen mit den Armmolchen bei den Schlangen eingeordnet, was zeigt, wie stark sich die Systematik zu dieser Zeit an der äußeren Körperform orientierte.
  5. Jacques A. Gauthier, Arnold G. Kluge, Timothy Rowe: The early evolution of the Amniota. S. 103–155 in: Michael J. Benton (Hrsg.): The phylogeny and classification of the tetrapods, Volume 1: amphibians, reptiles, birds. Clarendon Press, Oxford 1988