Egbert Hayessen

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Egbert Hayessen (* 28. Dezember 1913 in Eisleben; † 15. August 1944 in Berlin-Plötzensee) war ein deutscher Major und Widerstandskämpfer.

Staatsdomäne Mittelhof

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wuchs auf der Hessischen Staatsdomäne Mittelhof nahe Felsberg-Gensungen auf. Ab Ostern 1927 besuchte Egbert Hayessen die Klosterschule Roßleben, dort legte er 1933 das Abitur ab.[1] Nach dem Abitur absolvierte Hayessen eine militärische Ausbildung beim Artillerie-Regiment Nr. 12 in Schwerin. Er wurde Berufsoffizier[2], besuchte die Kriegsschule in Dresden. Während des Zweiten Weltkrieges war er Adjutant von General Böttcher in Nordfrankreich und später in Afrika. Hier lernte er vermutlich auch Claus Graf Schenk von Stauffenberg kennen. Im November 1943 wurde er in das Allgemeine Heeresamt nach Berlin in den Stab von Friedrich Olbricht, einem der führenden Männer des 20. Juli 1944, versetzte. Fünf Monate später kam er in das Oberkommando des Heeres in die Bendlerstraße, wo er Adjutant des Berliner Stadtkommandanten Paul von Hase wurde.[3]

Beteiligung am Attentat des 20. Juli 1944[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spätestens am 15. Juli 1944 erfuhr Hayessen von Robert Bernardis Einzelheiten des Unternehmens Walküre und der geplanten Ermordung Adolf Hitlers.[4][5] Er übernahm im Rahmen der Operation Walküre die logistischen Verbindungen zwischen dem Stadtkommandanten Paul von Hase und dem Polizeipräsidenten Wolf-Heinrich Graf von Helldorff. Am Tag des Anschlags überbrachte er Paul von Hase die Nachricht von der Verhaftung des Generals Fromm im Bendlerblock. Hayessen war für Koordinierungsaufgaben zur Besetzung der Berliner Stadtkommandantur und zur Besetzung des Rundfunkgebäudes sowie bei der Verhaftung des Reichspropagandaministers Goebbels vorgesehen.[6]

Nachdem das Attentat scheiterte, wurde Egbert Hayessen noch in der Nacht verhaftet und am 15. August 1944, in einem Prozess, dessen Urteile heute als Justizmorde bewertet[7] werden, zum Tod verurteilt und am gleichen Tag in Plötzensee gehängt.[8]

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Schild des Egbert-Hayessen-Platzes bei der Einweihungsfeier am 15. August 2020: Die Söhne von Egbert Hayessen, Volker und Hans-Hayo (jeweils ganz außen), Hayessen-Biograf Dieter Vaupel sowie zwei ehemalige Schülerinnen der Drei-Burgen-Schule, Annika Vockeroth und Paula Zülch.

Gedacht wird Egbert Hayessen in der Gedenkstätte Plötzensee. Zudem erinnern eine Gedenktafel und der Name eines Feldweges in Nähe des Mittelhofs bei Gensungen an seinen persönlichen Aufstand des Gewissens. Am 15. August 2020 wurde am Bahnhof Felsberg-Gensungen, dem Ort an dem sich Hayessen im Juni 1944 letztmals von seiner Familie verabschiedete, ein Platz nach Egbert Hayessen benannt. Initiiert wurde dies durch Schülerinnen der Drei-Burgen-Schule Felsberg und eine Bürgerinitiative mit Unterstützung des Hayessen-Biografs Dieter Vaupel.[9][10] 2021 wurde hier eine Stele aufgestellt.[11]

Zum Leben und Wirken Egbert Hayessen wurde im Jahr 2019 eine Wanderausstellung mit 12 Ausstellungstafeln erstellt, die auf Anforderung ausgeliehen werden kann.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Vaupel: Egbert Hayessen. Erinnerungen an einen fast vergessenen Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 und seine Familie. 1. Auflage. Schüren, Marburg 2019, ISBN 978-3-7410-0266-3.
  • Dieter Vaupel: Egbert Hayessen – ein Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 aus Nordhessen. In: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde. Band 124/2019, S. 217–246.
  • Thomas Schattner: Vor sechzig Jahren – Der 20. Juli 1944, der Aufstand der Militärs, im Lokalen: Hinrichtung eines Gensunger Offiziers in Berlin: Egbert Hayessen. In: Rundbrief der Gedenkstätte Breitenau. Guxhagen 2004.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieter Vaupel: Egbert Hayessen. Erinnerungen an einen fast vergessenen Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 und seine Familie. 1. Auflage. Schüren, Marburg 2019, ISBN 978-3-7410-0266-3, S. 33–39.
  2. Dieter Vaupel: Egbert Hayessen. Erinnerungen an einen fast vergessenen Widerstandskämpfer der 20. Juli 1944 und seine Familie. 1. Auflage. Schüren-Verlag, Marburg 2019, ISBN 978-3-7410-0266-3, S. 41 ff.
  3. Dieter Vaupel: Egbert Hayessen. Erinnerungen an einen fast vergessenen Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 und seine Familie. 1. Auflage. Schüren, Marburg 2019, ISBN 978-3-7410-0266-3, S. 41–45.
  4. Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes Berlin. Archivband R 1000740. Todesurteil des Volksgerichtshofs vom 15. August 1944.
  5. Dieter Vaupel: Egbert Hayessen. Erinnerungen an einen fast vergessenen Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 und seine Familie. 1. Auflage. Schüren-Verlag, Marburg 2019, ISBN 978-3-7410-0266-3, S. 54.
  6. Dieter Vaupel: Egbert Hayessen. Erinnerungen an einen fast vergessenen Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 und seine Familie. 1. Auflage. Schüren, Marburg 2019, ISBN 978-3-7410-0266-3, S. 51–62.
  7. Text des Gesetzes zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege. Helmut Ortner: Der Hinrichter. Roland Freisler. Mörder im Dienste Hitlers. Steidl, Göttingen 1995, ISBN 3-88243-355-8. Claudia Fröhlich: „Wider die Tabuisierung des Ungehorsams“. Fritz Bauers Widerstandsbegriff und die Aufarbeitung von NS-Verbrechen. Campus, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-593-37874-4.
  8. Karl Otmar von Aretin: Henning von Treschkow und der militärische Widerstand während der Zeit des Nationalsozialismus. (PDF; 260 kB).
  9. seknews: Egbert-Hayessen-Platz wird eingeweiht. Abgerufen am 17. August 2020.
  10. Melsunger Allgemeine. 17. August 2020.
  11. Stele für Widerstandskämpfer: Gedenken an Egbert Hayessen in Gensungen. 17. August 2021, abgerufen am 18. August 2021.
  12. Ausstellung Egbert Hayessen. Abgerufen am 17. Januar 2021.