Ein- und Ausfallstraße

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Typische heutige Ausfallstraße: B1 / B5 von Berlin-Mitte nach Küstrin im heutigen Polen, ehemals Reichsstraße 1 nach Ostpreußen

Eine Ein- und Ausfallstraße ist ein Verkehrsweg als Straße oder Autobahn, welche zwischen den Außenbezirken einer Stadt und der City besteht und einen wesentlichen Teil des Individualverkehrs zwischen Zentrum und Stadtrand trägt. Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung sind viele dieser Straßen gut ausgebaut. Oft stellen sie eine städtebauliche Dominante dar.

Geschichte und Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße des 17. Juni mit Tiergarten: historischer Stadtrand Berlins Leopoldstraße mit Siegestor in München
Straße des 17. Juni mit Tiergarten: historischer Stadtrand Berlins
Leopoldstraße mit Siegestor
in München

Ausfallstraßen waren spätestens seit dem Mittelalter extra konzipierte Ausbruchwege aus einer Festung oder einer Stadt, die im Falle einer Belagerung einen Überraschungsangriff direkt in gegnerische Reihen hinein (siehe: Ausfall) oder gegebenenfalls eine Flucht ermöglichen sollten. Dementsprechend bildeten Ausfalltore in Stadtmauern oder Burgen den Beginn von Ausfallstraßen.

Folgen sie historisch vorgegebenen Verläufen, so bilden sie stellenweise Sichtachsen auf markante Stadtkörper (historische Altstädte, Schlösser). Bekannte Beispiele hierfür sind die Straße des 17. Juni mit dem Brandenburger Tor in Berlin, die Leopoldstraße mit dem Siegestor in München, die Avenue des Champs-Élysées mit dem Palais du Louvre in Paris oder The Mall in London mit dem Buckingham Palast.

Diese Straßen sind alle mittlerweile keine Ausfallstraßen im heutigen Sinn mehr, sondern längst innerstädtische Boulevards oder Avenuen. Sie können aber im Außenbereich in Ausfallstraßen übergehen, wie die Leopoldstraße oder auch die Fortsetzungen der Straße des 17. Juni (Ost-West-Achse) oder Champs-Élysées.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausfallstraßen im heutigen Sinn prägen in Stadtrandzonen oft nicht sonderlich einladende Eingangsbereiche einer Stadt, die aus der Sicht eines Besuchers eher einen unattraktiven und vernachlässigten Eindruck machen und ggf. über eine tatsächlich hohe vorhandene Attraktivität der Innenstadt völlig hinwegtäuschen können.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausfallstraße in einer Kleinstadt: Hanmer Springs in Neuseeland

Neben dem Verkehrsaufkommen zeigt sich bei heutigen Ausfallstraßen vielfach eine städteplanerisch vernachlässigte und im Ergebnis ungeordnete Achse. Ferner großflächige Fachmärkte, Fast Food, zum Teil leerstehender Gewerbekomplexe, aber auch Wohngebäude, Naturraum, Hochspannungsleitungen und Kiesgruben.

Ein typische Merkmal sind große Tankstellen, teilweise fast unmittelbar hintereinander liegend und häufig in Verbindung mit Autohäusern. Weshalb manche Ausfallstraßen auch als Automeilen bezeichnet werden, wie beispielsweise die Hanauer Landstraße in Frankfurt am Main.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dabei übernimmt die Ein- und Ausfallstraße die Funktion einer Verbindung zum Umland und zur Anbindung an die am Stadtrand liegenden Autobahnen und weiteren Infrastruktureinrichtungen wie Wohngebieten und Gewerbegebieten. Durch die oft starke Fokussierung auf die Ein- und Ausfallstraßen – besonders wenn es nur eine Straße in eine bestimmte Richtung gibt – sind diese häufig, besonders im Berufsverkehr, stark belastet.

In großen Städten bilden die Ein- und Ausfallstraßen ein Netz, das strahlenförmig vom Zentrum ausgeht und durch mehrere Ringstraßen um das Zentrum verbunden sein können. Sie sind wegen ihrer oft überregionalen Bedeutung als Hauptstraßen deklariert, gelegentlich Autostraßen, autobahnähnlich ausgebaute Autobahnen. Es gibt auch Ein- und Ausfallstraßen, die lediglich ein Teilzentrum einer Stadt mit den Außenbezirken verbinden, und nicht bis zum Stadtrand reichen, so ist der überregionale Charakter weniger ausgeprägt und wird nur durch die Anbindung an weitere Straßen bestimmt. In großen Ballungsräumen mit mehreren Zentren, in Deutschland beispielsweise Berlin, dem Ruhrgebiet oder dem Rhein-Main-Gebiet, verbinden Ein- und Ausfallstraßen die Zentren, sodass eine Ausfallstraße aus einer Stadt oder einem Zentrum gleichzeitig die Einfallstraße in eine andere Stadt und umgekehrt ist.

Ein- und Ausfallstraßen spielen bei der Suburbanisierung eine wesentliche Rolle und sind wie andere Infrastruktureinrichtungen wie Eisenbahnstrecken ein Standortfaktor. Um große Straßen und Eisenbahnlinien siedeln sich mehr Wohn- und Gewerbeflächen an, als um schlecht angebundene Flächen mit ähnlichen naturräumlichen Voraussetzungen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Yasemin Utku, Annette Spielmeyer: IfR-Studierendenwettbewerb: Bestand entwickeln! - Ideen für Kassel-Bettenhausen entlang der Leipziger Straße. In: RaumPlanung 108/109, 2003, ISSN 0176-7534, S. 107–114.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Ausfallstraße – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen