Einkommens- und Verbrauchsstichprobe

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Die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) wird seit 1962/63 in der Bundesrepublik Deutschland als fester Bestandteil der amtlichen Statistik alle fünf Jahre als freiwillige Haushaltserhebung durchgeführt. Rechtsgrundlage für die Erhebung ist das Gesetz über die Statistik der Wirtschaftsrechnungen privater Haushalte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie wird gemeinsam durch das Statistische Bundesamt und die Statistischen Landesämter durchgeführt. Die EVS zeigt die Entwicklung der Lebensverhältnisse privater Haushalte im früheren Bundesgebiet seit 1962/63. Seit 1993 findet die EVS in Gesamtdeutschland statt. Die Ergebnisse der letzten EVS im Jahr 2013 führten aufgrund von Sonderauswertungen erst zum 1. Januar 2017, also im Jahr vor der folgenden EVS 2018, zu einer Anpassung der darauf beruhenden Hartz-IV-Regelsätze.[1]

Erhebungsart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rund 0,2 Prozent aller Haushalte, bei der EVS 2013 etwa 60 000 (davon 14 000 in den neuen Ländern und Berlin), nehmen auf freiwilliger Basis an der EVS teil. Es handelt sich dabei um eine Quotenstichprobe. Die Haushalte werden nach einem Quotenplan ausgewählt. Die Grundgesamtheit der Haushalte wird dabei für jedes der 16 Länder nach vorgegebenen Quotierungsmerkmalen (Haushaltstyp, soziale Stellung des Haupteinkommensbeziehers und Haushaltsnettoeinkommen) gegliedert.

Ergebnisse der EVS-Befragungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die EVS liefert unter anderem statistische Informationen über die Ausstattung der privaten Haushalte mit Gebrauchsgütern, die Wohnsituation, die Einkommens-, Vermögens- und Schuldensituation sowie die Konsumausgaben privater Haushalte.

Unterhaltungs- und Kommunikationstechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1962/1963 besaß ca. ein Drittel (34 %) der Haushalte im früheren westdeutschen Bundesgebiet ein Fernsehgerät. Die erste Mondlandung im Jahr 1969 konnten 73 % dieser Haushalte am eigenen Fernseher mitverfolgen. Dieser Anteil erhöhte sich bis 1978 auf 93 %. Allerdings empfingen zu diesem Zeitpunkt erst 50 % der Haushalte ihr Fernsehprogramm in Farbe. Anfang 2013 besaßen 95 % der privaten Haushalte ein Fernsehgerät, in 67 % befand sich ein Flachbildfernseher.[2] 65 % der Haushalte verfügten zu dieser Erhebung über ein Laptop, Netbook oder Tablet, 50 % über ein Navigationssystem.[3]

Anfang 2003 verfügten 28 % der Haushalte im früheren Bundesgebiet und 23 % in den neuen Ländern über einen DVD-Player, Anfang 2013 rund 71 % angewachsen.[2]

Bei der EVS 1962/1963 hatten erst 14 % der Haushalte einen eigenen Telefonanschluss. Ende der 80er Jahre (1988: 93 %) war das Telefon als Kommunikationsmittel aus westdeutschen Haushalten nicht mehr wegzudenken und seit dem Jahr 2003 (99 %) quasi überall vorhanden. Im Vergleich dazu fand die Verbreitung von Telefonen in ostdeutschen Haushalten später, dafür aber deutlich rascher statt: 1993 besaßen 49 % der Haushalte in den neuen Ländern ein Telefon, 2003 waren es 98 %. Seit 2008 herrscht auch in den neuen Ländern mit über 99 % nahezu Vollausstattung mit Telefonen.[2]

Haushaltselektronik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der sechziger Jahre hatten rund 27 % der Haushalte im früheren Bundesgebiet eine Wäscheschleuder; eine Waschmaschine mit Schleuderfunktion hatten gerade 9 %. Anfang 2013 stand in 95 % aller deutschen Haushalte eine elektrische Waschmaschine.

Ein absolutes Luxusgut stellte 1962/1963 eine Geschirrspülmaschine dar: Nur jeder 500. Haushalt (0,2 %) im früheren Bundesgebiet hatte zu diesem Zeitpunkt ein derartiges Gerät, 2003 waren es 57 % der deutschen Haushalte und 2013 bereits 67 %.[2]

Wohnsituation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 70er Jahre wohnten 63 % der privaten Haushalte im früheren Bundesgebiet auf durchschnittlich 66 m² zur Miete, und 37 % lebten auf durchschnittlich 101 m² in den eigenen vier Wänden. Anfang 2013 wohnten 57 % der Haushalte in Deutschland zur Miete, 43 % lebten im Eigentum, Mieterhaushalte im Durchschnitt auf 69 m², Eigentümerhaushalte auf 122 m².[4]

Einkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2013 betrug das durchschnittliche Bruttoeinkommen der privaten Haushalte 4086 Euro im Monat. Durchschnittlich 63 % davon waren Bruttoeinkommen aus Erwerbstätigkeit, rund 22 % waren Einkommen aus staatlichen Leistungen, sog. öffentliche Transferzahlungen, 10 % waren Einnahmen aus Vermögen und knapp 5 % stammten aus nichtöffentlichen Transferzahlungen und Untervermietung.[5]

Einkommen und Einnahmen privater Haushalte 2013, Auszug aus der EVS 2013 FS 15 Heft 4
 Merkmal Haushalte insgesamt Davon nach dem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von … bis unter … Euro
unter 500 500 – 900 900 – 1.300 1.300 – 1.500 1.500 – 1.700 1.700 – 2.000 2.000 – 2.600 2.600 – 3.600 3.600 – 5.000 5.000 – 7.500 7.500 – 10.000 10.000 – 18.000
Haushalte insgesamt
Hochgerechnete Haushalte in Tausend 39.326 179 2.756 4.042 2.129 2.134 3.139 5.578 6.925 6.079 4.635 1.143 587
je Haushalt und Monat in Euro
Haushaltsbrutto 4.086 537 839  1.277 1.668 1.962 2.314 2.919 3.946 5.612 8.086 11.461 16.732
Haushaltsnetto 3.132 288 760 1.105  1.401 1.601  1.850 2.289 3.071  4.238 5.970 8.440 12.342
Ersparnis 319 -872 -92 -54 -65 -20 -17 39 162 445 981 2.006 4.281
Selbstständige
Hochgerechnete Haushalte in Tausend 2.662 / (121) 185 (121) (96) (123) 286 438 483 451 170 155
je Haushalt und Monat in Euro
Haushaltsbrutto 5.644 / (1.084) 1.493  (1.935)  (2.026)  (2.575)  3.376   4.302   5.898   8.173   11.170     16.602
Haushaltsnetto 4.125 / (755) 1.089 (1.398) (1.604) (1.840) 2.297 3.109 4.242 6.006 8.450 12.397
Ersparnis 762 / (-365) -279 (-125) (-226) (-72) -4 140 593 1.343 2.659 5.217
Angestellte
Hochgerechnete Haushalte in Tausend 14.182 / 171 773 558 722 1.082 2.115 2.654 2.724 2.426 640 308
je Haushalt und Monat in Euro
Haushaltsbrutto 5.324 / 1.014 1.475 1.868 2.229 2.629 3.261 4.324 5.956 8.593 12.126 17.730
Haushaltsnetto 3.759 / 771 1.131 1.405 1.603 1.849 2.290 3.078 4.252 6.004 8.460 12.260
Ersparnis 517 / -266 -36 -15 36 72 148 263 543 1.045 1.783 3.778
Arbeiter/-innen
Hochgerechnete Haushalte in Tausend 5.288 / (75) 355 214 228 406 734 1.251 1.314 626 (69) /
je Haushalt und Monat in Euro
Haushaltsbrutto 4.338 / (994) 1.437 1.854 2.125 2.463 3.023 4.095 5.624 7.738 (10.937) /
Haushaltsnetto 3.283 / (794) 1.115 1.399 1.596 1.857 2.307 3.121 4.243 5.784 (8.269) /
Ersparnis 361 / (-42) 36 13 60 57 123 222 483 1.025 (2.510) /
Arbeitslose
Hochgerechnete Haushalte in Tausend 2.050 / 814 527 200 128 157 100 (60) (26) / / /
je Haushalt und Monat in Euro
Haushaltsbrutto 1.294 / 754 1.099 1.420 1.619 1.879 2.282 (3.157) (4.463) / / /
Haushaltsnetto 1.263 / 749 1.089 1.398 1.602 1.835 2.221 (3.020) (4.087) / / /
Ersparnis 16 / -37 1 14 -19 37 98 (127) (556) / / /
Anmerkung: / = Keine Angabe, da aufgrund der geringen Haushaltszahl der Zahlenwert nicht sicher genug ist.

( ) = Aussagewert eingeschränkt, da der Zahlenwert aufgrund der Haushaltszahl statistisch relativ unsicher ist.

Einkommen und Einnahmen privater Haushalte 2008, Auszug aus der EVS 2008 FS 15 Heft 4
Merkmal Haushalte insgesamt Davon nach dem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von … bis unter … Euro
unter 500 500 – 900 900 – 1.300 1.300 – 1.500 1.500 – 1.700 1.700 – 2.000 2.000 – 2.600 2.600 – 3.600 3.600 – 5.000 5.000 – 7.500 7.500 – 10.000 10.000 – 18.000
Haushalte insgesamt
Hochgerechnete Haushalte in Tausend 39.409 226 3.210 4.513 2.273 2.382 3.425 5.666 6.806 5.744 3.750 962 451
je Haushalt und Monat in Euro
Haushaltsbrutto 3.707 474 803 1.265 1.695 1.987 2.310 2.852 3.880 5.485 7.803 11.127 15.903
Haushaltsnetto 2.914 -96 735 1.105 1.399 1.602 1.848 2.285 3.069 4.217 5.972 8.481 12.386
Ersparnis 312 -1.552 -60 -44 -24 10 46 46 234 520 1.051 2.051 4.799
Selbstständige
Hochgerechnete Haushalte in Tausend 2.459 (36) (74) (126) (98) (101) 149 286 426 447 410 171 135
je Haushalt und Monat in Euro
Haushaltsbrutto 5.359 (1.728) (1.342) (1.411) (1.705) (2.075) 2.221 2.724 3.865 5.373 7.800 11.361 16.057
Haushaltsnetto 4.181 (-671) (754) (1.101) (1.399) (1.604) 1.859 2.270 3.105 4.253 6.010 8.648 12.758
Ersparnis 734 (-2.775) (-293) (-388) (-66) (-141) -46 -44 148 647 1.278 2.818 4.874
Angestellte
Hochgerechnete Haushalte in Tausend 12.910 (22) 257 855 700 823 1.192 1.896 2.296 2.269 1.840 543 216
je Haushalt und Monat in Euro
Haushaltsbrutto 4.876 (559) 983 1.495 1.967 2.299 2.691 3.268 4.302 5.975 8.370 11.633 16.563
Haushaltsnetto 3.484 (-142) 764 1.125 1.399 1.604 1.847 2.281 3.081 4.242 6.035 8.448 12.046
Ersparnis 514 / -63 19 42 79 118 142 306 613 1.125 1.943 4.384
Arbeiter/-innen
Hochgerechnete Haushalte in Tausend 6.306 / (139) 454 253 282 451 971 1.723 1.471 496 (33) /
je Haushalt und Monat in Euro
Haushaltsbrutto 4.066 / (985) 1.462 1.881 2.156 2.491 3.031 4.098 5.582 7.658 (10.426) /
Haushaltsnetto 3.058 / (771) 1.115 1.395 1.600 1.852 2.303 3.101 4.167 5.729 (8.099) /
Ersparnis 351 / (-72) -27 37 116 87 134 294 517 1.098 (2.596) /
Arbeitslose
Hochgerechnete Haushalte in Tausend 3.064 (40) 1.279 867 219 194 192 158 69 (27) / / /
je Haushalt und Monat in Euro
Haushaltsbrutto 1.214 (368) 720 1.091 1.406 1.605 1.856 2.280 3.061 (4.499) / / /
Haushaltsnetto 1.194 (357) 718 1.084 1.394 1.591 1.838 2.235 2.976 (4.134) / / /
Ersparnis 26 / -13 -19 23 22 83 164 16 (98) / / /
Anmerkung: / = Keine Angabe, da aufgrund der geringen Haushaltszahl der Zahlenwert nicht sicher genug ist.

( ) = Aussagewert eingeschränkt, da der Zahlenwert aufgrund der Haushaltszahl statistisch relativ unsicher ist.

Die Angaben in den Tabellen sind Auszüge aus der Fachserie 15 Heft 4 der EVS 2013[5] und der EVS 2008.[6]

Konsumausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2013 gaben die privaten Haushalte durchschnittlich 2.448 Euro pro Monat für ihren privaten Konsum aus. Mit knapp 35 % wendeten sie dabei den größten Anteil für Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung auf, insgesamt zusammen mehr als die Hälfte für Wohnen, Ernährung und Bekleidung. Anteile von je 14 % hatten dabei die Verkehrsausgaben sowie die Ausgaben für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren. 11 % ihres Konsumbudgets verwendeten die Haushalte für Freizeit, Unterhaltung und Kultur, 5 % für Bekleidung und Schuhe. Für die restlichen Konsumausgaben (unter anderem Ausgaben für Gesundheitspflege, Post und Telekommunikation, Bildungswesen) verblieb ein Anteil von 22 %.[7]

Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sozialleistungen-hartz-iv-ist-zu-niedrig-erhoehung-bleibt-trotzdem-aus-1.2761054 „Süddeutsche Zeitung“, 30. November 2015
  2. a b c d Statistisches Bundesamt (Destatis): Ausstattung privater Haushalte mit ausgewählten Gebrauchsgütern – Fachserie 15 Heft 1 – 2013. Abgerufen am 20. Juni 2017.
  3. Flyer zur Teilnahme an der EVS 2018, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg (4. Februar 2018)
  4. Statistisches Bundesamt (Destatis): Wohnverhältnisse privater Haushalte – Fachserie 15 Sonderheft 1 – 2013. Abgerufen am 20. Juni 2017.
  5. a b Statistisches Bundesamt (Destatis): Einnahmen und Ausgaben privater Haushalte – Fachserie 15 Heft 4 – 2013. Abgerufen am 20. Juni 2017.
  6. Statistisches Bundesamt (Destatis): Einnahmen und Ausgaben privater Haushalte – Fachserie 15 Heft 4 – 2008. Abgerufen am 23. November 2017
  7. Statistisches Bundesamt (Destatis): Aufwendungen privater Haushalte für den privaten Konsum – Fachserie 15 Heft 5 – 2013. Abgerufen am 20. Juni 2017.