Eismann Tiefkühl-Heimservice

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Eismann Tiefkühl-Heimservice GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 1974
Sitz Mettmann, Deutschland
Leitung Geschäftsführung:
Frank Thomas Hoefer, Jörn Veigel[1]
Mitarbeiterzahl 700 (Konzernangabe für Deutschland, 2012)[2]
Umsatz 240 Millionen Euro (Konzernerlös in Deutschland, inkl. MwSt, 2012)[2]
Branche Lebensmittelhandel im Direktvertrieb
Website eismann.de

Ehemaliges Eismann-Logo (2007 bis 2018)
Das alte Eismann-Logo

Die Eismann Tiefkühl-Heimservice GmbH ist ein Unternehmen zum Vertrieb von Tiefkühllebensmitteln mit Sitz in Mettmann bei Düsseldorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1964 wurde die Milchhof-Eiskrem GmbH & Co. KG durch Genossenschaften der regionalen Milchversorgung aus Köln, Düsseldorf, Duisburg und Oberhausen gegründet, die 1974 die Eismann Tiefkühl-Heimservice GmbH als Tochterunternehmen gründete. Im gleichen Jahr begann der Direktvertrieb von Eis, Torten und Tiefkühlkost.[3] 1981 wurde das Geschäft über Deutschland hinaus in die Schweiz und die Niederlande sowie nach Belgien, Großbritannien, Italien, Frankreich, Spanien und Österreich ausgeweitet. 1985 wurde die Motta Eiskrem GmbH übernommen.[4] 1995 wurde Eismann in die Tiefkühlsparte der neu gegründeten Schöller-Holding eingebracht. 1997 wurde die skandinavische Hjem-IS Europa übernommen sowie der Mutterkonzern Milchhof-Eiskrem GmbH & Co. KG in Eismann Family GmbH & Co. KG umfirmiert.[4]

Wegen des wachsenden Tiefkühl-Angebots von Discountern wie Aldi oder Lidl geriet der Umsatz im Heimlieferservice von Eismann um den Jahrtausendwechsel in eine Krise.[5] 2001 übernahm die schweizerische Nestlé einen Großteil der Schöller-Holding und damit auch Eismann.[6] 2004 stieß Nestlé die Eismann GmbH wieder ab, weil Eismann nicht zum Kerngeschäft des Konzerns zählte und die erhofften Einspareffekte nicht zustande gekommen waren.[5] In der Folge übernahm das damalige Management von Eismann mit Hilfe verschiedener Finanzinvestoren die Führung der GmbH.[7]

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In neun europäischen Ländern sowie Brasilien gibt es zusammen über 220 Vertriebsstellen, davon 90 in Deutschland,[2] von denen aus die bestellten Lebensmittel mit Kühlfahrzeugen (Kleintransporter) zu den Endverbrauchern geliefert werden. Das Unternehmen beschäftigte 2012 etwa 4700 Mitarbeiter und Partner (selbständige Gewerbetreibende), davon etwa 1100–1200 selbständige Handelsvertreter und über 700 Mitarbeiter in Deutschland. Der Vertrieb der Produkte erfolgt im Gegensatz zum Mitbewerber Bofrost über selbständige Handelsvertreter, die die Ware zum Verbraucher bringen.[8] Eismann tritt als Chargenfertiger auf, die Produkte werden ähnlich wie im stationären Handel von großen Herstellern im Rahmen von Auftragsfertigung produziert.

Besitzverhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eismanns Loslösung von Nestlé im Jahr 2004 erfolgte mit Unterstützung des Finanzinvestors ECM, der das Eismann-Management mit 15 Prozent beteiligte.[7] 2008 besaßen die Geschäftsführer 76,5 % der Unternehmensanteile,[9] während der Rest von der englischen Investorengruppe Intermediate Capital Group (ICG) gehalten wurde.[10]

Ende 2011 verkaufte ICG seine gesamten Anteile sowie das Management einen Großteil der Anteile an den niederländischen Private-Equity-Investor Gilde Buy Out Partners, der dadurch Mehrheitsgesellschafter wurde.[11]

Family Frost[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1990 gründete Eismann die Tochter Family Frost für den ostdeutschen Markt,[12] welche nach der Trennung von Nestlé zunächst dort verblieb und erst im Jahr 2007 wieder in die Eismann-Gruppe integriert wurde.[13] 1992 expandierte Family Frost nach Polen, in die Tschechische Republik und Ungarn. Seit 1996 kamen Kroatien, Slowenien, Spanien, Portugal und Rumänien hinzu.[12]

Zu Family Frost gehörten 1300 Verkaufswagen und 130 Depots. Die Eismann-Tochter beschäftigte europaweit 2500 Mitarbeiter.[12]

Family Frost wurde in den eismann-Konzern integriert und tritt nicht mehr als eigene Marke im Markt auf.

Marktposition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Unternehmensangaben erwirtschaftete der Eismann-Konzern im Jahr 2012 einen Umsatzerlös von rund 480 Millionen Euro, davon 240 Millionen Euro in Deutschland (jeweils inklusive Mehrwertsteuer).[2] Das Unternehmen ist im Segment des Heimdienstmarkts die Nummer zwei hinter dem Marktführer Bofrost.[9] Nach eigenen Angaben beliefert Eismann weltweit circa 2 Millionen Haushalte, davon über 1 Million in Deutschland.[2] Hauptzielgruppe von Eismann sind hierbei Familien mit Kindern sowie Menschen ab 50 Jahren.[14]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Europaverband der Selbständigen Deutschland kritisiert in einem WDR-Beitrag von die story im Oktober 2011 das Geschäftsmodell der freien Handelsvertreter. Ein neuer Handelsvertreter muss für die Übernahme der Besuchsrechte eines bestehenden Kundenstamms einen vertraglich festgelegten Betrag bezahlen, die sog. Einstandsvereinbarung. Schon während der Probezeit akquiriert der neue Verkaufsfahrer Neukunden für Eismann und führt sie dem Konzern zu. Eismann erwiderte darauf jedoch, dass diese Neukunden-Akquisition dem Handelsvertreter als dessen Einkommen bezahlt wird. Da ein Vertreter zu Beginn noch nicht so viel Umsatz durch den Verkauf erwirtschaftet, wird Eismann zufolge so sein Einkommen gesichert, damit er eine Grundlage für eine positive Geschäftsentwicklung erhält.[15] Verlässt der Handelsvertreter das Unternehmen – gewollt oder ungewollt –, werden die Besuchsrechte z. B. an einen anderen Handelsvertreter übergeben. Im TV-Beitrag wird dargestellt, wie eine hohe Mitarbeiterfluktuation dazu beitrage, dass Eismann ein positives Ergebnis nur mithilfe dieser Einnahmen aus den Einstandsvereinbarungen erziele. Eismann bestreitet dies auf der firmeneigenen Website.[16] Die durch den WDR recherchierte hohe Fluktuation von 1.200 Mitarbeitern innerhalb von drei Jahren (2008 bis 2010) wurde von einem Mitarbeiter der Vertriebsleitung bestätigt, indem er eine Fluktuation von 30 bis 35 % pro Jahr nannte.[17] Das Unternehmen reagierte auf die Vorwürfe der Sendung mit Stellungnahmen auf einer eigenen Internetseite.[18] Der WDR begegnete dem im März 2012 mit einer aktualisierten Version des Beitrages.[19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Impressum auf Eismann.de. Abgerufen am 17. Februar 2017.
  2. a b c d e Presseinformationen (PDF; 3,6 NB). eismannpresse.eu, abgerufen am 19. März 2014.
  3. Geschichte. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 4. Januar 2015; abgerufen am 3. Januar 2015. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.eismann.de auf eismann.de
  4. a b 25 Jahre Eismann – Eiskalter Service europaweit in Bulletin des Direktvertriebs, Nr. 3/99, Oktober 1999, S. 11. Bulletin des Direktvertriebs, Oktober 3-99 (Memento vom 29. August 2006 im Internet Archive)
  5. a b Eismann-Gruppe wieder selbstständig. In: Die Welt (dpa), 20. Juli 2004; abgerufen 3. Januar 2015
  6. Nestlé: Eismann Divestment Agreement Signed auf nestle.com (englisch) Eismann Divestment Agreement Signed. Archiviert vom Original am 27. Mai 2010; abgerufen am 3. Januar 2015.
  7. a b Patricia Döhle: Eismann: Durch die kalte Küche. In: manager magazin, Heft 6/2007; abgerufen am 3. Januar 2015
  8. Zahlen und Fakten auf eismann.de Kunden bewerten Service mit „sehr gut“! Abgerufen am 3. Januar 2015.
  9. a b Management Buy-Out bei Eismann. In: backwelt.de. 15. April 2007, abgerufen am 3. Januar 2015.
  10. Our Investments / Eismann auf icgplc.co.uk (englisch) Our Investments / Eismann. Archiviert vom Original am 15. August 2007; abgerufen am 3. Januar 2015.
  11. Eismann Management findet mit Gilde starken Aktionär zur Unterstützung des angestrebten Wachstums. eismannpresse.eu, 29. November 2011. Abgerufen am 3. Januar 2015.
  12. a b c About Us auf family-frost.com (englisch) Family Frost – From Poland to Portugal (Memento vom 26. Mai 2010 im Internet Archive)
  13. Geschichte auf family-frost.de Family Frost Geschichte (Memento vom 19. Mai 2007 im Internet Archive)
  14. Eismann-Chef Hoefer über die Renner im Sortiment und die scharfe Konkurrenz: Pizza geht immer auf westline.de Eismann-Chef Hoefer über die Renner im Sortiment und die scharfe Konkurrenz: Pizza geht immer (Memento vom 10. Februar 2009 im Internet Archive)
  15. Eismann Jobportal. (Nicht mehr online verfügbar.) In: eismannjobs.de. 26. Juni 2013, archiviert vom Original am 4. Januar 2015; abgerufen am 3. Januar 2015. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.eismannjobs.de
  16. Die Einstandsvereinbarung und die Übernahme von Bestandskunden » Die eismann-Story. In: die-eismann-story.de. 19. März 2012, abgerufen am 3. Januar 2015.
  17. Die Eismann-Story, Erstausstrahlung 10. Oktober 2011. In: Westdeutscher Rundfunk. 8. Dezember 2014, archiviert vom Original am 25. September 2011; abgerufen am 3. Januar 2015.
  18. Die Wahrheit über „Die eismann-Story“. In: die-eismann-story.de. 19. März 2012, abgerufen am 3. Januar 2015.
  19. Westdeutscher Rundfunk: Die Eismann-Story: Kollege gesucht, aktualisierter Beitrag, Erstausstrahlung 19. März 2012. In: wdr.de. 8. Dezember 2014, archiviert vom Original am 25. März 2012; abgerufen am 3. Januar 2015.