Elefantenklo (Gießen)

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Koordinaten: 50° 34′ 55,1″ N, 8° 40′ 12,6″ O

Elefantenklo
Elefantenklo
Blick von Südosten aus der Frankfurter Straße
Offizieller Name Fußgängerüberführung am Gießener Selterstor
Nutzung Fußgänger
Unterführt

Anlagenring, Frankfurter Straße

Ort Gießen
Konstruktion aufgeständerte Betonplattform
Eröffnung 28. September 1968
Lage
Elefantenklo (Gießen) (Hessen)
Elefantenklo (Gießen)
Seitenansicht
Gießen Elefantenklo03 2009-07-04.jpg
p1

Das Elefantenklo (auch „E-Klo“) ist eine Fußgängerüberführung über eine Straßenkreuzung in Gießen. Aufgrund mangelnder Proportionalität des Bauwerks in Bezug auf das Stadtbild, seiner auch hinsichtlich des dort herrschenden Fußgängerverkehrs sehr groß geratenen Dimension und seiner baulichen Ausgestaltung mit drei großen Öffnungen erhielt es diesen Spitznamen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Elefantenklo überspannt die Kreuzung von vierspurigem Anlagenring, Frankfurter Straße und der Fußgängerzone Seltersweg, am Standort des früheren Selterstores.

Bauliche Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um eine aufgeständerte Betonplattform, die beiderseits durch Treppen und Rolltreppen erschlossen ist. In ihrer Mitte befinden sich drei achteckige Öffnungen (Durchmesser ca. 9–10 m), die Autofahrern Tageslicht und Fußgängern einen Blick auf den Straßenverkehr gewähren.[1] Sie sollen, so spottet der Volksmund weiter, auf einem Engpass an Beton infolge einer unzutreffenden Berechnung beruhen.[2] Das Elefantenklo wird auch als Gießens markantestes Wahrzeichen gewertet.[2][3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Überführung wurde 1967/1968 errichtet, als die autogerechte Stadt Ziel von Verkehrsplanung und Stadtentwicklung war. Sie ersetzte einen Kreisverkehr. Schon im Umfeld der Einweihung am 28. September 1968 bekam sie den Spitznamen „Elefantenklo“ verpasst, unter dem sie auch überregional bekannt wurde. Mit dem Wandel von Verkehrsplanung und Stadtentwicklung in den folgenden Jahrzehnten wurde dieses zu einem in Beton gegossenen Symbol unzeitgemäßer Verkehrsplanung. Der Abriss wurde wiederholt diskutiert.[4][5] Seit der Errichtung hat die Stadt Gießen bereits 2,2 Mio. Euro an Unterhaltungs- und Sanierungskosten für das Bauwerk aufgebracht.[4]

Zum 40-jährigen Jubiläum des Bauwerks 2008 enthüllten Mitglieder der studentischen Vereinigung Akademischer Micky Maus Club ein Transparent mit der Aufschrift „Elefantenklo“. Von 1977 bis 1987 existierte das linke StadtmagazinElephantenklo“, das den Namen adoptiert hatte: Aus dem ungeliebten Bauwerk wurde Kult.[6]

Im Herbst 2013 beschloss die Vereinigung der Geschäftsleute, die Attraktivität der Geschäftsumgebung im Bereich Selterstor zu steigern. Für rund 150.000 Euro erhielt das Elefantenklo eine „Spülung“: Ein Wasserfall wurde zur Landesgartenschau installiert. Zum Auffangen des Wasservorhangs wurde ein 4,60 mal 2,80 Meter großer Betonkasten im Untergrund des Elefantenklos 2 m tief im Boden versenkt. Seit Anfang Juni 2014 ist die Wasserinstallation in Betrieb.[7]

Verkehrsbedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Überführung ist eine wichtige Verbindung für Fußgänger zwischen dem Bereich des Hauptbahnhofs und der Innenstadt. Die Anlage war, da nur über Treppen zugänglich, nicht behindertengerecht. Der dann nachträglich angebaute Aufzug scheint – wie auch die Rolltreppen – nicht immer zuverlässig zu sein.[8][4][9] Das Elefantenklo wird heute auch als „Paradefall einer inhumanen Stadterschließung“[1] gewertet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Diller, Ansgar Dorenkamp, Christoph Kolloge: Das „Elefantenklo“ – Ein Gießener Wahrzeichen in Leichtbeton auf dem Weg ins fünfte Lebensjahrzehnt. Recherchen zur Planungsgeschichte der Fußgängerplattform am Selterstor Gießen und Ergebnisse von Befragungen. = Schriften zur Gießener Stadtgeschichte 7. Gießen 2009.
  • Manfred E. Schuchmann: Gießen – „Elefantenklo“ und Seltersweg. In: Manfred E. Schuchmann u. Christoph Mäckler: Architektursünden in Hessen – 25 Ortstermine von A wie Alsfeld bis W wie Wiesbaden. Jonas, Marburg 2009, S. 78–81.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fußgängerplattform am Selterstor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Manfred E. Schuchmann: Gießen – „Elefantenklo“ und Seltersweg, 2009, S. 79.
  2. a b Freda Wagner: Gießens fragwürdiges Wahrzeichen: Das Elefantenklo. In: Universum = Online-Magazin des Studienfaches Fachjournalistik Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
  3. Elefantenklo soll „Spülung“ bekommen – BID Seltersweg plant Wasserfall, 31. Oktober 2013, Erhard Goltze, in: Gießener Anzeiger, abgerufen am 8. November 2013.
  4. a b c mö: Elefantenklo: Nach Rolltreppen nun Aufzug ein Totalschaden. In: Gießener Allgemeine, 12. November 2012.
  5. Elefantenklo bei dooyoo.
  6. Vgl. etwa bei Qype.
  7. "Elefanten-Klo" jetzt mit Spülung. hr-online.de, Bericht vom 6. Juni 2014, abgerufen am 7. Juni 2014.
  8. Aufzug am Elefanten-Klo. In: Gießener Zeitung, 24. März 2013.
  9. tt: Anlage am Elefantenklo soll ab Mitte Mai ersetzt werden – Auftrag ist erteilt. In: Gießener Anzeiger, 5. März 2013.