Elisabethkirche (Breslau)

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Die St. Elisabethkirche mit den Häusern am Großen Ring

Die Elisabethkirche (poln. Bazylika św. Elżbiety Węgierskiej) ist ein backsteingotischer Kirchenbau in der Breslauer Altstadt und zählt zu den ältesten und größten Kirchen der Stadt. Von 1525 bis 1946 war die Kirche die evangelische Hauptkirche von Breslau. Seit 1945 ist sie wiederum die katholische Garnisonkirche der Oderstadt.

Lage[Bearbeiten]

Das Kirchengebäude steht an der Nordwestecke des Ringes (Rynek) zwischen der Herrenstraße (ul. Kiełbaśnicza), Oderstraße (ul. Odrzańska), Nikolaistraße (ul. św. Mikołaja) und An der Elisabethkirche (ul. św. Elżbiety). Vor dem Gebäude stehen die beiden Häuser Hänsel und Gretel.

Geschichte[Bearbeiten]

St. Elisabeth im 16. Jahrhundert mit 130 m hohem Turm
Aufnahme der Kirche vor 1900
Blick in den Innenraum
Blick über die Stadt mit der St. Elisabethkirche im Hintergrund

Eine erste Holzkirche an gleicher Stelle gab es bereits im 11. Jahrhundert. Zwischen 1220 und 1230 wurde eine romanische Kirche, die St. Laurentius gewidmet war, erbaut, deren Reste des Fundaments noch heute vorzufinden sind. Nach der Zerstörung Breslaus durch die Mongolen und der Verleihung des Magdeburger Rechts 1242 wurde eine neue Kirche errichtet und am 19. November 1257 durch Bischof Thomas der heiligen Elisabeth von Thüringen geweiht. Die heutige dreischiffige Basilika im gotischen Stil entstand Anfang des vierzehnten Jahrhunderts unter Herzog Boleslaw III. Von 1452 bis 1456 wurde ein neuer, 130 Meter hoher Kirchturm errichtet, der damals zu den höchsten Gebäuden Europas zählte.

Im Zuge der Reformation wurde St. Elisabeth am 6. April 1525 als eine der ersten Kirchen Schlesiens evangelisch. Auf Vorschlag des Reformators Johann Heß wurde Ambrosius Moibanus ihr erster evangelischer Pfarrer.

Der 130 m hohe Kirchturm stürzte 1529 durch einen Sturm und heftigen Hagel ein. 1535 wurde ein neuer 90 m hoher Kirchturm im Stil der Renaissance mit sechs Glocken gebaut. Am 10. September 1649 stürzte kurz nach dem Frühgottesdienst ein Pfeiler im Nordschiff ein, da dieser das Gewicht der orgel nicht mehr tragen konnte. Weitere Pfeiler stürzten vier Tage später ein, wobei zwei Kapellen sowie die Orgel zerstört wurden. Zwei Jahre später konnten die Renovierungsarbeiten beendet werden. Eine Explosion im Nachbarhaus zerstörte 1749 einen Teil der Kirchenfenster. 1857 stürzten erneut, während Renovierungsarbeiten im Innenraum, zwei Pfeiler ein. Infolge weiterer Renovierung im Außenbereich erhielt die Kirche in den Jahren 1890 bis 1893 ein schachbrettartiges Ziegeldach.

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Kirche mit nur leichten Beschädigungen. Die letzte deutsche Predigt hielt der Stadtdekan Joachim Konrad am 30. Juni 1946 in dieser Kirche.[1] Nach Kriegsende diente sie zunächst noch der polnischen evangelischen Kirche als Pfarrkirche, wurde aber am 2. Juli 1946 beschlagnahmt und dem Militärordinariat der Römisch-katholischen Kirche als Garnisonskirche übergeben. Diese Funktion hat sie bis heute inne.

1962 und 1975 zerstörten Blitzeinschläge den Turmhelm der Kirche. Durch einen Brand am 9. Juni 1976 wurden große Teile der Inneneinrichtung der Kirche zerstört, darunter die Engler-Orgel, die Dachstühle und das Kreuzrippengewölbe. Mit der Sanierung wurde erst 1981 begonnen, da zunächst archäologische Untersuchungen vorgenommen wurden. Dabei entdeckte man die Reste der Fundamente der alten romanische Kirche. Zuvor wurden wertvolle Kunstschätze ausgelagert, die zum Teil in polnischen Museen in ganz Polen landeten, die teilweise erst 2002 zurückgeführt werden konnten. Beim Wiederaufbau der Kirche nach dem großen Brand wurden moderne Baumaterialien wie Stahlbeton benutzt. Der rekonstruierte Kirchturm ist 91,5 m hoch und besitzt eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform.

1999 wurde vor der Kirche ein Denkmal des Bildhauers Karl Biedermann für Dietrich Bonhoeffer aufgestellt, der aus Breslau stammte.

Architektur[Bearbeiten]

Die dreischiffige Kirche ist 68,2 m lang und 34,5 m breit. Das Hauptschiff ist 29,7 m, der Kirchturm 90 m hoch. Das Gotteshaus fasst 2000 Sitzplätze und ist somit eine der größten Kirchen Schlesiens.

Ausstattung[Bearbeiten]

Blick in den Chor der Kirche mit dem barocken Hochaltar, dem links daneben stehenden Sakramentshäuschen und der Chorgestühl aus dem 15. Jahrhundert

Im Chor der Kirche befindet sich der barocke Hochaltar aus dem Jahr 1653. Im Zentrum dessen hängt eine Kopie des Gnadenbildes der Mutter Gottes von Tschenstochau. Bis 1945 war hier ein Gemälde von Michael Willmann vorzufinden. In direkter Nachbarschaft zum Altar steht das 15m hohe Sakramentshäuschen, eine schlanke gotische Sandsteinplastik. Das reichverzierte Chorgestühl stammt aus dem 15. Jahrhundert. Die 1625 fertiggestellte Kanzel besteht aus italienischen Marmor. Am Ende des Mittelschiffs ist eine der letzten erhaltenen königlichen Emporen vorzufinden. Diese wurde zwischen 1741 und 1743 für den preußischen König Friedrich II. erbaut. Im Inneren der Kirche, sowie an der Außenfassade befindet sich eine große Anzahl an alten Epitaphen und Grabplastiken. Die meisten davon stammen aus 16. Jahrhundert.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Elisabethkirche (Breslau) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • K. Klöppel: Breslau - Niederschlesien und seine tausendjährige Hauptstadt. Trescher Verlag, 2014, ISBN 978-3-89794-256-1, S. 60-64

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Pragal: Wir sehen uns wieder, mein Schlesierland, Piper-V., München, 2012, S. 179


51.11166666666717.030277777778Koordinaten: 51° 6′ 42″ N, 17° 1′ 49″ O