Elsy Leuzinger

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Elsy Leuzinger (* 7. Februar 1910 in Glarus; † 27. April 2010 in Zürich) war eine Schweizer Kunstethnologin. Sie leistete wesentliche Beiträge zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Kunst von Afrika und war von 1956 bis 1972 Direktorin des Museum Rietberg Zürich. Sie war eine der ersten Frauen in der Schweiz, die ein Museum führten.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Männliche Ahnenfiguren von der Insel Nias (Indonesien), Geschenk von Elsy Leuzinger an das Museum am Rietberg Zürich

Elsy Leuzinger, in Glarus geboren und aufgewachsen, studierte in Zürich Ethnologie. Unter Hans Wehrli arbeitete sie ab 1930 als wissenschaftliche Mitarbeiterin, später als Konservatorin am Völkerkundemuseum der Universität Zürich. 1949 promovierte sie mit einer Arbeit über Wesen und Form des Schmuckes afrikanischer Völker. Wichtige Forschungsreisen nach Westafrika unternahm sie in den Jahren 1951 (zu den Baule, Senufo, Dogon und Bamana, gemeinsam mit Emil Storrer) und 1954/55 (zu den Afo, einem damals praktisch unbekannten Volk, gemeinsam mit Jolantha Tschudi). 1956 wurde sie als Nachfolgerin von Johannes Itten zur Direktorin des Museum Rietberg Zürich gewählt. Dieses Amt übte sie bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1972 aus. Daneben lehrte sie an der Universität Zürich ab 1960 als Privatdozentin und ab 1968 als Titularprofessorin für Kunst aussereuropäischer Völker.

Ursprünglich als Ethnologin ausgebildet, untersuchte sie Kunstwerke aussereuropäischer Völker auch aus kunstwissenschaftlicher Perspektive, was in ihrer Zeit einen neuen Zugang darstellte. Besonders nachhaltige Wirkung erreichte sie, weil einige ihrer kunstethnologischen Publikationen ein grosses Publikum erreichten und nachhaltig die Rezeption der afrikanischen Kunst insbesondere im deutschen Sprachraum prägten. Dazu gehören Die Kunst der Negervölker (ab 1959 mit wiederholten Neuauflagen und Übersetzungen in der Reihe Kunst der Welt erschienen), der dicke Katalogband Die Kunst von Schwarzafrika (1970 begleitend zu einer Ausstellung mit über 1200 Exponaten im Kunsthaus Zürich erschienen, ebenfalls mit Übersetzungen in mehrere Sprachen) sowie der von ihr herausgegebene Band über die Kunst der Naturvölker in der Propyläen Kunstgeschichte (1976).

Wichtigste Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wesen und Form des Schmuckes afrikanischer Völker. Lang, Zürich 1950. (Dissertation Universität Zürich)
  • Afrika: Kunst der Negervölker. Holle, Baden-Baden 1959. (Reihe Kunst der Welt, mit diversen Nachauflagen)
  • Die Kunst von Schwarz-Afrika. Bongers, Recklinghausen 1972, ISBN 3-7647-0224-9. (Katalog zu einer Ausstellung im Kunsthaus Zürich 1970/71)
  • Als Herausgeberin: Kunst der Naturvölker. Mit Beiträgen von Ronald M. Berndt, Joseph Cornet, Jean Guiart u.a. Propyläen-Verlag, Frankfurt a.M. 1978. (Propyläen Kunstgeschichte, Supplementband 3; mit Nachauflagen)

Daneben zahlreiche Publikationen in Fachzeitschriften sowie zur umfangreichen Sammlung des Museum Rietberg Zürich.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmut Brinker: In Memoriam: Prof. Dr. Elsy Leuzinger. In: Museum Rietberg Zürich: Jahresbericht 2010. Zürich 2011, S. 40–41.
  • Zum 100. Geburtstag von Elsy Leuzinger. In: Museum Rietberg Zürich: Jahresbericht 2009. Zürich 2010, S. 34–37.
  • Lorenz Homberger: Eine Vermittlerin der Kunst fremder Welten: Zum 100. Geburtstag von Elsy Leuzinger. In: Neue Zürcher Zeitung, 6. Februar 2010 (Nr. 30), S. 25.
  • Die Kunstethnologin Prof. Dr. Elsy Leuzinger. Videoaufzeichnung vom 23. Mai 1995, im Gespräch mit Charlotte Peter. Verein Portrait-Filme, Zürich 1995. (Dauer 50 Min.)