Kunsthaus Zürich

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Kunsthaus Zürich
Moser A737750.jpg
Kunsthaus Zürich Moser-Bau (2021)
Daten
Ort Zürich, Schweiz
Architekt Karl Moser[1]
Eröffnung 1910
Besucheranzahl (jährlich) 382'000 (2021)[2]
Leitung
Ann Demeester[3]
Website

Das Kunsthaus Zürich ist flächenmässig das grösste Kunstmuseum der Schweiz[4] und liegt in unmittelbarer Nähe des Schauspielhauses am Heimplatz in Zürich. Neben dem Kunstmuseum Basel beherbergt es eine der grössten Kunstsammlungen der Schweiz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1787 traf sich erstmals jener Kreis von Künstlern und Kunstliebhabern, aus dem die Zürcher Kunstgesellschaft hervorging.[5] 1910 wurde der Museumsbau eröffnet, Architekt war Karl Moser.[1] Seither wurde der Bau mehrfach erweitert – unter anderem 1925[6] sowie durch den 1958 eröffneten, von den Gebrüdern Pfister geplanten und von Emil Georg Bührle finanzierten, 1200 Quadratmeter grossen[7] Ausstellungsflügel[8] und den von Erwin Müller entworfenen, 1976 eröffneten Erweiterungsbau – und von 2001 bis 2005 komplett saniert.[9] Im Herbst 2021 wurde die Kunsthaus-Erweiterung von David Chipperfield Architects eröffnet. Seitdem ist das Kunsthaus Zürich das grösste Kunstmuseum der Schweiz.

Direktoren

Ab Oktober 2022 leitet Ann Demeester das Kunsthaus Zürich. Vize-Direktor ist Christoph Stuehn. Zu den Kuratoren zählen Jonas Beyer, Philippe Büttner, Sandra Gianfreda, Cathérine Hug und Mirjam Varadinis (Stand 2022).[10] Die Zürcher Kunstgesellschaft wählt die Direktion des Kunsthauses. Walter B. Kielholz war als Nachfolger von Thomas W. Bechtler von Juni 2002 bis 2021 Präsident der Zürcher Kunstgesellschaft.[11] Am 1. Juli 2022 übernahm Philipp M. Hildebrand das Präsidium.[12]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Erweiterungsbau mit einer Nutzfläche von 13'000 Quadratmetern, was einer Vergrösserung des Kunsthauses um mehr als 80 % entspricht, nahm am 9. Oktober 2021 den Betrieb auf.[9] Der Zürcher Gemeinderat (Stadtparlament) billigte am 4. Juli 2012 den zur Hälfte aus Steuergeldern zu finanzierenden Erweiterungsbau,[13][14] in der Volksabstimmung am 25. November desselben Jahres wurde dem Projekt zugestimmt.[15][16] Für den insgesamt 206 Mio. Franken teuren Erweiterungsbau des Kunsthauses zahlte die Stadt Zürich 88 Mio., 30 Mio. fielen auf den Kanton, und 88 Mio. kamen über Spender herein.[9] Auch die Sammlungen von Emil Georg Bührle, von Werner und Gabriele Merzbacher und von Hubert Looser haben in dem von David Chipperfield Architects entworfenen Gebäude Platz gefunden.[17] Aus Anlass des 150. Geburtstages von Lydia Welti-Escher, die von der Zürcher Gesellschaft zu Fraumünster als herausragende Kunstmäzenin geehrt wurde, brachte man bei einem kleinen Platz vor dem Zürcher Kunsthaus 2008 eine Ehrentafel an, in Erinnerung an die Gründerin der Gottfried-Keller-Stiftung. Noch im selben Jahr taufte man den Hof auf Vorstoss der Gesellschaft zu Fraumünster offiziell «Lydia-Welti-Escher-Hof».[18]

Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Treppenhaus im Jugendstil mit einem Gemälde von Hodler (Fotografie von 2010)

Im Erdgeschoss des Altbaus liegen der Miró-Garten, der Vortragssaal, der Shop, ein Kabinett für kleine wechselnde Ausstellungen und Räume mit Werken aus der Sammlung des Kunsthauses. Im ersten und zweiten Obergeschoss setzt sich eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Schweiz vom 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart fort.[19]

Zu den internationalen Schwerpunkten gehören die grösste Munch-Sammlung ausserhalb Norwegens sowie die bedeutendste und umfangreichste Werksammlung Alberto Giacomettis. Weiter finden sich Bilder von Pablo Picasso, Claude Monet, Giambattista Pittoni, Marc Chagall, Vincent van Gogh und der Expressionisten Oskar Kokoschka, Max Beckmann und Lovis Corinth. Neben Pop Art (z. B. Andy Warhol oder Richard Hamilton) sind u. a. Arbeiten von Mark Rothko, Mario Merz, Cy Twombly, Joseph Beuys und Georg Baselitz vertreten.

Mittelalterliche Skulpturen und Tafelbilder (z. B. von Hans Leu dem Älteren) sowie Gemälde des niederländischen und italienischen Barock (z. B. Domenichino und Rembrandt van Rijn) gehören ebenso zur Sammlung wie Höhepunkte der Schweizer Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts von Johann Heinrich Füssli, Giovanni Segantini, Ferdinand Hodler oder Félix Vallotton und der Dada-Bewegung. Auch Zürcher Konkrete (z. B. Max Bill, Fritz Glarner, Verena Loewensberg) und zeitgenössische Schweizer Künstler wie Pipilotti Rist und Peter Fischli / David Weiss sowie Fotografie und Installationen sind vertreten.

Zum Ausstellungskonzept gehört seit 2006 auch die Vorstellung bedeutender Privatsammlungen, zunächst unter dem Titel Fest der Farbe die Sammlung Merzbacher, 2010 die Sammlung Emil Georg Bührle, 2012 The Nahmad Collection aus dem Besitz der Kunsthändlerfamilie Nahmad, 2013 die Sammlung Looser und 2015 unter dem Titel «Ein Goldenes Zeitalter» die Sammlung Knecht.

Es finden regelmässig Veranstaltungen statt, worin das Museum mit Workshops, Performances, Musik und Führungen einen Blick hinter die Kulissen anbietet.

Sonderausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke aus der Sammlung (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Oechslin, Sonja Hildebrand (Hrsg.): Karl Moser. Architektur für eine neue Zeit: 1880 bis 1936. gta, Zürich 2010, ISBN 978-3-85676-250-6. Darin u. a.:
    • Ulrike Jehle-Schulte Strathaus: Das Kunsthaus und Karl Mosers Bilderstrategien. Band 1, S. 146–163.
    • Sonja Hildebrand: Kunsthaus Zürich. Band 2, S. 132–141.
  • Das neue Kunsthaus 2001–2019. Hrsg.: Einfache Gesellschaft Kunsthaus Erweiterung. Zürich August 2018
  • David Chipperfield Architects Berlin und das Kunsthaus Zürich. Scheidegger & Spiess, Zürich 2021, ISBN 978-3-03942-026-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kunsthaus Zürich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jonas Kropf: Kunsthaus Zürich. kunstmuseum.com, abgerufen am 12. September 2020.
  2. Kunsthaus Zürich mit deutlich mehr Eintritten
  3. Ellinor Landmann: Gespräch mit Ann Demeester – Neue Kunsthaus-Chefin: «Ich würde mich gern entschuldigen.» In: Radio SRF 2, Kultur, Kultur-Nachrichten, 29. September 2022, abgerufen am 30. September 2022.
  4. Faktenblatt – Betriebskennzahlen 2021. Abgerufen am 23. Juni 2022.
  5. Zürcher Kunstgesellschaft. In: Jahrbuch für Kunst und Kunstpflege in der Schweiz, Bd. 1, 1913–1914, S. 261–271, abgerufen am 11. Mai 2021.
  6. Wilhelm Wartmann: Die Erweiterung des Zürcher Kunsthauses im Jahr 1925. In: Jahrbuch für Kunst und Kunstpflege in der Schweiz, Bd. 4, 1925–1927, S. 188–200, abgerufen am 10. Mai 2021.
  7. Philipp Meier: Die Erweiterung des Kunsthauses Zürich öffnet ihre Türen: Hier ist das private Sammeln zu Hause. Die Kunsthaus-Sammlung hat heute eine Grösse erreicht, die nach einem selbstbewussten Auftritt verlangt. Neue Zürcher Zeitung, 7. Oktober 2021, abgerufen am 17. Oktober 2021.
  8. Geschichte des Kunsthaus. In: kunsthaus.ch, abgerufen am 24. September 2019.
  9. a b c André Müller: Die jüngsten Abstimmungen werfen kein gutes Licht auf das Verhältnis der Zürcher zu ihren Banken. Haben sich Bevölkerung und Finanzplatz auseinandergelebt? Die Stadtzürcher stimmen zwar sehr wirtschaftskritisch ab, lassen ihre eigenen Grossunternehmen aber meist in Ruhe. Verzichten auf Credit Suisse, UBS und Versicherer könnte man jedenfalls nicht. Neue Zürcher Zeitung, 15. Oktober 2021, abgerufen am 17. Oktober 2021.
  10. Kuratoren des Zürcher Kunsthauses (Memento vom 11. Mai 2012 im Internet Archive), Deskription ihrer Arbeitsbereiche auf der Webseite des Museums.
  11. Kunsthaus Zürich: Geschichte des Kunsthaus. abgerufen am 23. Februar 2022.
  12. Medienmitteilung Zürich, 31. Mai 2022 Zürcher Kunstgesellschaft wählt Dr. Philipp M. Hildebrand zum Präsidenten, auf kunsthausrelaunch8251-live-a33132ecc05c-1c0f54b.divio-media.net
  13. Kunsthaus-Erweiterung. In: kunsthaus.ch. 2016, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 24. September 2019 (Chronologie vom 25. November 2012 bis 3. August 2015; ursprünglich abgerufen am 3. August 2012).
  14. Zürich stimmt ab. 25.11.2012. Kunsthaus-Erweiterung Zürich. (PDF; 1,7 MB) In: stadt-zuerich.ch, 19. September 2012, abgerufen am 24. September 2019.
  15. Kunsthaus-Erweiterung: Zürcher sagen Ja zum Ausbau. In: Tages-Anzeiger. 26. November 2012, abgerufen am 26. November 2012.
  16. Das Museum. Über uns. Erweiterung. In: kunsthaus.ch, abgerufen am 17. November 2020.
  17. Emil Bührles Aufstieg als Unternehmer und Kunstsammler. Medienmitteilung der Universität Zürich, abgerufen am 17. November 2020.
  18. Adi Kälin: Ein Plätzchen für Lydia Welti-Escher. In: NZZ. 5. August 2008, abgerufen am 18. November 2021.
  19. Kunsthaus Zürich (Hrsg.): Plan.
  20. Ania Mauruschat: Ausstellung im Kunsthaus Zürich: Europa nicht Politikern überlassen. Rezension im Deutschlandradio Kultur, 11. Juni 2015.
  21. Valeska Peschke: Die Botschaft von Amikejo. In: amikejo.net. Abgerufen am 15. April 2016 (englisch).
  22. Museums-Check: Kunsthaus Zürich. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 12. November 2020.

Koordinaten: 47° 22′ 13″ N, 8° 32′ 53″ O; CH1903: 683794 / 247196