Emil Oprecht

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Emil Oprecht (* 23. September 1895 in Zürich; † 9. Oktober 1952 ebenda) war ein Schweizer Verleger und Buchhändler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emil Oprecht wuchs zusammen mit seinem Bruder Hans Oprecht in einfach Verhältnissen in Zürich auf. Nach der Matura und anschliessendem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Zürich absolvierte Emil Oprecht eine Buchhandelslehre. 1925 eröffnete er an der Rämistrasse 5 in Zürich die Buchhandlung Oprecht & Helbling, später Buchhandlung Dr. Oprecht AG, der auch ein eigener Verlag mit hauptsächlich literarischem Programm angegliedert war. Den Europa Verlag, der sich vor allem auf politische Literatur spezialisierte, gründete er 1933.

Zwischen 1933 und 1945 unterhielt Oprecht in seiner Wohnung eine Anlaufstelle für deutsche Emigranten wie Hermann Mathias Görgen und Dora Schindel. Während des Zweiten Weltkriegs stand er gemeinsam mit seiner Frau Emmie (1899–1990) mit persönlichem und finanziellem Engagement zahlreichen verfolgten Künstlern aus Deutschland und Italien zur Seite. Er war in jungen Jahren in der Kommunistischen, ab 1926 in der Sozialdemokratischen Partei engagiert.[1] Oprecht gilt als wichtiger Schweizer Verleger von Exilautoren. Er verlegte unter anderem Else Lasker-Schüler, Ernst Bloch, Hans Habe, Heinrich Mann, Golo Mann, Ignazio Silone, Bernard von Brentano und Konrad Heiden, der 1933 mit «Hitler» eine hellsichtige Recherche verfasste, die 1934 im Exil bei Oprechts Europa-Verlag erschien.

1938 gründete Oprecht gemeinsam mit Kurt Hirschfeld und weiteren Freunden die Neue Schauspiel AG, der er bis 1952 als Verwaltungsratspräsident vorstand. Emil Oprecht starb an Krebs und wurde auf dem Friedhof Fluntern beigesetzt. Seine Frau übernahm nach seinem Tod die Leitung des Verlags Oprecht. 1992 erhielt die Zentralbibliothek Zürich aus dem Nachlass von Emmie und Emil Oprecht Teile des Oprecht- und Europa-Verlagsarchivs. Die Buchhandlung Oprecht musste 2003 aus wirtschaftlichen Gründen den Betrieb einstellen, der Verlag wurde aufgelöst.

Während Oprechts öffentliches Engagement vergleichsweise gut dokumentiert ist, weiss man über ihn als Privatmenschen wenig: Er war zeitlebens auf Diskretion bedacht, was auch damit zu tun hatte, dass er und seine Frau eigentlich homosexuell waren. Auch über seine Jugendzeit ist wenig bekannt.[2]

An Emil Oprecht erinnert seit 2003 die gleichnamige Strasse im Zürcher Quartier Oerlikon.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christoph Emanuel Dejung: Emil Oprecht. Verleger der Exilautoren. rüffer & rub, Zürich 2020, ISBN 978-3-906304-37-3.
  • Michael Gautier: Oprecht, Emil. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Konrad Heiden: Adolf Hitler. Das Leben eines Diktators. Das Zeitalter der Verantwortungslosigkeit. Europa, Zürich 2007, ISBN 3-905811-02-2 (Vorwort zur Neuauflage 2007, über Emil Oprecht als Verleger).
  • Alexander Hildebrand: Oprecht, Emil Adolf. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 581 f. (Digitalisat).
  • Fritz Hofer, Sonja Hägeli: Oprecht, Emil. In: Fritz Hofer, Sonja Hägeli: Zürcher Personenlexikon. 800 biographische Porträts aus zwei Jahrtausenden. Artemis, Zürich/München 1986, ISBN 3-7608-0648-1.
  • Ute Kröger: Emil Oprecht. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 2, Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 1353.
  • Manfred Papst: Zwei Europäer in schwieriger Zeit: Thomas Mann und sein Zürcher Verleger Emil Oprecht (1895–1952). In: Blätter der Thomas-Mann-Gesellschaft Zürich, Nr. 30. Thomas-Mann-Gesellschaft, Zürich 2002.
  • Peter Stahlberger: Der Zürcher Verleger Emil Oprecht und die deutsche politische Emigration, 1933–1945. Vorwort von Jean Rudolf von Salis. Europa-Verlag, Zürich 1970, DNB 458210978 (Dissertation Universität Zürich, Philosophische Fakultät I).
  • Dr. Emil Oprecht. In: Biographisches Lexikon verstorbener Schweizer: in memoriam (8 Bände). Herausgegeben von der Schweizerischen Industrie-Bibliothek. Department Lexikon, Agentur Zürich 1947–1982, Band 4. Kirschgarten, Basel 1955, DNB 948899875.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ruth Vuilleumier: Verleger als Fluchthelfer, 16. Februar 2020, abgerufen am 20. Dezember 2020. https://seniorweb.ch/2020/02/16/verleger-als-fluchthelfer/
  2. Christoph Emanuel Dejung: Emil Oprecht. Verleger der Exilautoren. Rüffer & Rub, Zürich 2020, ISBN 978-3-906304-37-3.
  3. Die Emil-Oprecht-Strasse auf alt-zueri.ch (abgerufen am 13. Februar 2020).