Ensisheim (Meteorit)

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Meteorit von Ensisheim, Hauptstück im Musée de la Régence, Ensisheim

Der Meteorit von Ensisheim (auch Donnerstein von Ensisheim) aus dem Jahr 1492 ist der älteste bezeugte Meteoritenfall Europas, von dem heute noch Material vorhanden ist.

Ereignis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darstellung des Meteoritenfalls in der Schedelschen Weltchronik von 1493.

Am Mittag des 7. November 1492[1] trat ein Kleinkörper in die Erdatmosphäre ein. Er flog unter lautem Donnern über den Himmel und zog eine Leuchtspur hinter sich her. Der nichtverglühte Teil des Meteoroiden (chondritischer Steinmeteorit vom Typ LL6)[2] schlug schließlich in einem Weizenfeld bei Ensisheim im Elsass auf. Das Ereignis wurde von zahlreichen Augenzeugen beobachtet und erregte großes Aufsehen.

Der Einschlagkrater war etwa einen Meter tief. Die aus den umliegenden Siedlungen eintreffenden Beobachter schabten unmittelbar nach dem Ausgraben erste Teile als Talisman ab, bis ihnen dies untersagt wurde. Damit verblieb zunächst ein Gewicht von 127 kg (damalige 260 Pfund).[1][3]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flugblatt von S. Brant:
Der Donnerstein von Ensisheim

Sebastian Brant beschrieb in seinem Flugblatt „Der Donnerstein von Ensisheim“, eine Art Mahnschrift an Maximilian I., den Meteor und sein Gewicht, das beim Aufschlag größer als 127 kg gewesen sein dürfte:[4][5]

Da man zalt fierzehenhundert jar
Uff sant Florentzen tag ist war
Neuntzig vnd zwey vmb mittentag
Geschach ein grawsam donnerschlag
Dreyg zentner schwär fyel diser stein
Hye jnn dem feld vor Ensißheim

Albrecht Dürer hielt sich am 7. November 1492 im 40 km entfernten Basel auf. Einige Jahre später, 1494 oder auch um 1497,[6] malte er einen explodierenden Himmelskörper auf die Rückseite seines Gemäldes Büßender Hieronymus. Auch in seinem Kupferstich Melencolia I von 1514 stellte Dürer einen Meteoriten dar.[7] Es ist aber unwahrscheinlich, dass er bei Tageslicht um die Mittagszeit den Meteoritenfall aus der Ferne persönlich gesehen hat.[6]

Der seit 1486 römisch-deutsche König Maximilian I, zu diesem Zeitpunkt gerade mit seinem Gefolge auf dem Weg nach Frankreich, um vom französischen König Karl VIII. die von beiden jeweils offiziell zur Ehefrau genommene nicht ganz 15-jährige Anne de Bretagne zurückzuholen, nutzte den ihm präsentierten Fund, um „Gericht“ über den Donnerstein zu halten und um das mögliche Omen für seine Politik zu nutzen. Er ließ den Meteoriten in Ketten legen und in der Pfarrkirche aufhängen.

Erhaltene Teile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe der Zeit wurden immer wieder Stücke des Meteoriten abgeschlagen, die sich heute in verschiedenen Museen und Sammlungen befinden, z. B. im Naturhistorischen Museum in Paris. Das Hauptstück von jetzt noch 55,75 kg befindet sich im Musée de la Régence im Alten Rathaus von Ensisheim.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ensisheim meteorite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Dr. Otto Buchner: Die Feuermeteore, insbesondere die Meteoriten, historisch und naturwissenschaftlich betrachtet. J. Ricker'sche Buchhandlung, Gießen 1859, ISBN 1-147-84312-0, S. 34; abgerufen am 7. November 2012
  2. Harry Y. McSween, Jr. & Marvin E. Bennett: The Mineralogy of Ordinary Chondrites and Implications for Asteroid Spectrophotometry. In: Icarus: 1991. ISSN 0019-1035, Band 90-1, S. 107–116; abgerufen am 7. November 2012
  3. Harry Y. McSween, Jr.: Meteorites and Their Parent Planets. Cambridge University Press, Cambridge: 1999, ISBN 0-521-58751-4, ISBN 0-521-58303-9, 2. Ausgabe, S. 1f, abgefragt am 7. November 2012
  4. Hartmut Hänsel: Bomben auf friedliche Bürger. John S. Lewis unterrichtet über Meteoritenregen als Nervenkitzel und Gottesbeweis. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Oktober 1997, Nr. 238, S. L42; abgerufen am 8. November 2012
  5. Manfred Höfert: Freiburgs Geschichte in Zitaten. Maximilian I. – Ein Gönner Freiburgs. Private Geschichts-Site Manfred Höferts für Freiburg im Breisgau, abgerufen am 8. November 2012
  6. a b NZZ vom 24. Dezember 2004: Zeichen des Himmels; Albrecht Dürer und die Kometenfurcht, abgerufen am 30. Dezember 2012
  7. Büßender Heiliger Hieronymus