Enzo Sereni

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Enzo Chaim Sereni (hebräisch אֶנְצוֹ חיים סֶרֶנִי, * 17. April 1905 in Rom; † 18. November 1944 im KZ Dachau) war ein italienischer Zionist und einer der Gründer von Givat Brenner. Er war als Pazifist um die friedliche Koexistenz von arabischen und jüdischen Bürgerinnen und Bürgern Palästinas bemüht.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sereni wuchs in einer assimilierten jüdischen Familie auf. Sein Vater war als Arzt unter anderem für den italienischen König tätig. Nach seinem Examen an der Universität Rom wanderte Sereni mit Frau und Tochter 1927 nach Palästina aus.[1] Zunächst wohnten sie in Rechovot, wo sie sich der Kibbuz- und der Gewerkschaftsbewegung der Histadrut anschlossen. Sie gehörten 1928 zu den Mitbegründern des Kibbuz Givat Brenner.[1] In den frühen 1930er Jahren besuchte Sereni Deutschland.[1] Mit seiner Familie siedelte Sereni Mitte der 1930er Jahre nach New York über, wo sie in einer zionistischen Kommune am Riverside Drive lebten.[1] Von dort kehrten sie nach Givat Brenner zurück.[1]

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs hatte er sich zu den britischen Streitkräften gemeldet und war nach Einsätzen in Ägypten und dem Irak als Fallschirmspringer der Special Operations Executive (SOE) ausgebildet worden.[1] Am 15. Mai 1944 sprang er im deutsch besetzten Norditalien ab, um einen gemeinsam von der Jewish Agency und der SOE geplanten Einsatz auszuführen. Er wurde jedoch von deutschen Einheiten gefasst und später im KZ Dachau ermordet.[2]

Sereni war verheiratet mit Ada Ascarelli (1905–1998), die 1945–1948 die 38 Alija-Bet-Flüchtlingsschiffe aus Italien organisierte. Gemeinsam hatten sie drei Kinder: Channah (* 1926), Hagar (* 1927) und Daniel (1931–1954). „Im Juli 1954 fand zum Gedenken an Enzo Sereni und andere Fallschirmjäger am Ufer des Sees Genezareth in der Nähe des Kibbuz Ma‘agan ein Staatsakt statt. Eine Piper-Maschine, die an einer Luftschau teilnahm, stürzte in die Menge. Unter den Toten waren Daniel Sereni, Enzos und Adas Sohn, und seine Frau.“[3]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein für Sereni auf dem Herzlberg
  • Der Kibbuz Netzer Sereni wurde nach ihm benannt.
  • Eine Straße in Haifa trägt seinen Namen.
  • Eine israelische Briefmarke wurde ihm gewidmet.
  • Das 1947 eingeweihte Kulturhaus in Givath Brenner wurde nach Sereni benannt.[4]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Enzo Sereni mit R.E. Ashery: Arabs and Jews in Palestine: studies in a national and colonial problem. Hechalutz Press, New York City 1936.
  • Enzo Sereni: האביב הקדוש: יומנים, מכתבים, מאמרים, קובץ (He-Aviv ha-Qadosch: Yomanim, Michtavim, Ma'amarim, Qovez; Der heilige Frühling: Tagebücher, Briefe, Artikel, Sammelband), ‘Am ‘Oved, Tel Aviv 1947
  • Enzo Sereni: מקורות הפאשיזם האיטלקי (Meqorot ha-Faschizm ha-Italqi; Wurzeln des italienischen Faschismus). Ha-Qibbuz ha-Me'uchad, Tel Aviv / Yafo 1951
  • Enzo Sereni und Emilio Sereni: Politica e utopia: lettere 1926-1943 (Politik und Utopie: Briefe 1926–1943), besorgt von David Bidussa und Maria Grazia Meriggi. La nuova Italia, Florenz 2000.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ruth Bondy: The Emissary: a life of Enzo Sereni. Shlomo Katz (Übs.). Little / Brown, Boston 1977
  • Clara Sereni: Il gioco dei regni. Giunti, Florenz 1993

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Tom Segev: 1967: Israels zweite Geburt. [ו1967־והארץ שינתה את פניה Hoza’ah Kether, Tel Aviv / Yafo 2005; dt.] Helmut Dierlamm, Hans Freundl und Enrico Heinemann (Übs.). Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2007, ISBN 3-89331-789-9, S. 637 (=Schriftenreihe; Band 635).
  2. Tom Segev: 1967: Israels zweite Geburt. [ו1967־והארץ שינתה את פניה Hoza’ah Kether, Tel Aviv / Yafo 2005; dt.] Helmut Dierlamm, Hans Freundl und Enrico Heinemann (Übs.). Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2007, ISBN 3-89331-789-9, S. 637 f. (=Schriftenreihe; Band 635).
  3. Tom Segev: 1967: Israels zweite Geburt. [ו1967־והארץ שינתה את פניה Hoza’ah Kether, Tel Aviv / Yafo 2005; dt.] Helmut Dierlamm, Hans Freundl und Enrico Heinemann (Übs.). Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2007, ISBN 3-89331-789-9, S. 638 (=Schriftenreihe; Band 635). Auslassungen nicht im Original.
  4. Dapim vom Dezember 1947