Erich Sello

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Erich Sello

Erich Sello (* 29. Februar 1852 in Sanssouci, Potsdam; † 9. Dezember 1912 in Berlin) war ein deutscher Jurist und Strafverteidiger.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erich Sello war ein Sohn des Hofgärtners Emil Sello. Die Familie verfügte am Hofe über eine herausgehobene Stellung und verkehrte auch privat mit dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm (dem späteren Kaiser Friedrich III.) und dessen Gemahlin Victoria.[1]

Er besuchte das Gymnasium in Potsdam und begann 1870 ein Studium der Geschichte und Philosophie an der Universität Jena. Während des Deutsch-Französischen Kriegs trat Sello als Einjährig-Freiwilliger in das Garde-Jäger-Bataillon ein und wurde später zum Garde-Schützen-Bataillon abgeordnet. Bei Kämpfen in der Nähe von Paris am 30. Oktober 1870 erwarb Sello das Eiserne Kreuz II. Klasse, das ihm vom preußischen Kronprinzen persönlich überreicht wurde. Im Dezember 1870 erlitt er eine schwere Verwundung am linken Oberarm, durch die er kriegsuntauglich wurde. Die beabsichtigte Militärlaufbahn kam für Sello daher nicht mehr in Frage. 1871 nahm er sein Studium in Jena wieder auf und wechselte am 8. Mai 1872 an die Berliner Universität, studierte dort Rechtswissenschaft und legte 1873 das Referendarexamen ab. Nach der Promotion folgten das Referendariat und 1878 die Assessorprüfung.

Wirken als Jurist und Politiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1879 wurde Sello Rechtsanwalt in Berlin, 1884 auch Notar und erhielt später den Titel Justizrat. Sello wurde als Rechtsanwalt für zahlreiche prominente Persönlichkeiten tätig. Unter anderem verteidigte er die Angeklagten im Neustettiner Synagogenbrandprozess 1883/84 und den Berliner Stadtkommandanten Kuno von Moltke 1907–1909 im Kontext der Harden-Eulenburg-Affäre gegen den Zeitungsverleger Harden. Mit Maximilian Harden war er später befreundet. Karl May bat Harden um Unterstützung in einem Privatklageverfahren gegen Rudolf Lebius; Harden wandte sich an Sello, der erfolgreich für May tätig wurde.

Neben seiner anwaltlichen Tätigkeit saß Sello 1881 bis 1884 für die Liberale Vereinigung im Reichstag. Er vertrat als Abgeordneter den Wahlkreis Herzogtum Anhalt 1 (Dessau - Zerbst).[2]

Er war auch ein Liebhaber alter Kunstwerke und Bücher. Seine Büchersammlung gehörte zu den bedeutendsten Berliner Privatbibliotheken. Außerdem verfasste er selbst Gedichte und andere Werke. Bekannt wurde er u. a. durch sein Werk Die Irrtümer der Strafjustiz und ihre Ursachen von 1911.

Er starb am 9. Dezember 1912 in seiner Berliner Wohnung in der Lietzenburger Straße 45.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Bruder war Georg Sello. 1879 heiratete er Lilli Remberg (1857–1944), die Tochter eines Geheimen Oberfinanzrats und vortragenden Rates an der Oberrechnungskammer. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sello. In: Georg Hirth (Hrsg.): Deutscher Parlaments-Almanach. 14. Ausg. Hirth, Leipzig 1881, S. 219
  • Max Silberstein: Justizrat Dr. Erich Sello ist am 9. Dez. 1912 verstorben [Nachruf]. In: Deutsche Juristenzeitung 18 (1913), S. 81.
  • Gerd Hoffmann: Der Prozeß um den Brand der Synagoge in Neustettin. Antisemitismus in Deutschland ausgangs des 19. Jahrhunderts. Mit einer Einführungsbibliographie und biobibliographischen Anmerkungen zu Ernst Henrici, Hermann Makower, Erich Sello. Hoffmann, Schifferstadt 1998, ISBN 3-929349-30-2. (Enthält S. 293–305 eine Biographie Sellos sowie ein Verzeichnis seiner Schriften.) (Inhaltsverzeichnis.)
  • Andreas Hentschel: Prozesse und Poesie. Exzellenter Jurist aus Potsdamer Hofgärtnerdynastie. Vor 90 Jahren starb Erich Sello. In: Die Märkische. Wochenmagazin der Märkischen Allgemeinen vom 7./8. Dezember 2002, S. 2. ZDB-ID 1065461-6
  • Jürgen Seul: Erich Sello. Ein Justizrat für Karl May. In: Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft. 45. Jahrgang, Nr. 176, Juni 2013, ISSN 0941-7842, S. 2–12.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Erich Sello – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die biographischen Angaben stützten sich auf die angegebene Literatur, insbesondere den Aufsatz von Jürgen Seul.
  2. Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: Verlag Carl Heymann, 1904, S. 285