Ernst-Moritz-Arndt-Haus (Bonn)

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Luftaufnahme (2018)
Frontfassade der Villa im Jahr 2015
Inschriften am Haus
Die rückwärtige Fassade zum kleinen Garten hin; Foto um 1900

Das Ernst-Moritz-Arndt-Haus im Bonner Ortsteil Südstadt wurde für den Lyriker Ernst Moritz Arndt errichtet.

Das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert ist die älteste Bonner Rheinvilla und wird heute als Dependance des Stadtmuseums Bonn genutzt. Es liegt an der Adenauerallee 79, rund 50 Meter vom Rheinufer entfernt. Die Villa steht unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst Moritz Arndt ließ die Villa ab 1819 in einem Weinanbaugebiet außerhalb der damaligen Stadtmauern errichten.[2] Der Bauherr war 1818 als Professor für Neuere Geschichte an die neu gegründete und in der Nähe gelegene Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität nach Bonn berufen worden und hatte im selben Jahr zwei Weingärten auf einer Anhöhe unmittelbar am Rhein erworben.[3] Als Architekt wurde der Königlich Preußische Bauinspektor Friedrich Waesemann verpflichtet. 1820 zog die Familie Arndt ein. In der Villa lebte Arndt bis zu seinem Tod im Jahr 1860. Seit 1867 befindet sich das Gebäude im Besitz der Stadt Bonn.[2]

Die spätklassizistisch gestaltete Villa liegt auf einem rund 6000 Quadratmeter großen, rechteckigen Grundstück, das sich von der Adenauerallee bis zur Rheinuferstraße (hier: Rathenauufer) erstreckt; die Villa befindet sich am Ostende der parkähnlichen Anlage, oberhalb des Rheins. Das Gebäude steht auf rechteckigem Grundriss, es besteht aus zwei oberirdischen Stockwerken und einem hohen Walmdach. Front- und rückwärtige Fassade sind fünfachsig gegliedert, an der Frontseite tritt ein dreiachsiger Risalit hervor, der von einem Dreiecksgiebel gekrönt ist. Dieser Giebel findet sich auch auf der Rückseite, hier jedoch ohne Risalit. An der Nordseite der Villa schließt sich ein eingeschossiges, ebenfalls mit Walmdach versehenes Wirtschafts- und Garagengebäude an.

Eine Inschrift im Türgesims der Frontfassade bezieht sich nach Angaben des Erbauers auf „einen süßen Fleck“ in der Rügenschen Heimat.[4] Vermutlich ist ein gleichnamiges, kleines Eichenwäldchen in der Nähe von Arndts Geburtsort Groß Schoritz gemeint.[5]

„Dieses Haus steht in Gottes Hand und Lülo ist es zugenannt[.] Gottes Fried und Freud zieht mit uns ein[,] dann wird das Glück der Pförtner sein“

Seit 1989 führt das in dem Jahr gegründete Bonner Stadtmuseum die Nutzung der Villa für Sonderausstellungen, Konzerte und Lesungen fort.

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Nutzung für Veranstaltungen oder Ausstellungen wird die Arndt-Villa als Museum geführt. So ist im Erdgeschoss ein Zimmer mit Möbeln aus dem Nachlass von Ernst Moritz Arndt ausgestattet; hier befinden sich auch etliche zeitgenössische Porträts des Dichters. Im Obergeschoss befindet sich eine an der Bauzeit orientierte Einrichtung im Biedermeier-Stil. Die Leitung des Museums und der Ausstellungen liegt bei Ingrid Bodsch.

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Internationale Künstler in Bonn 1700–1860: Bildende Kunst zur Zeit der Kurfürsten Joseph Clemens und Clemens August, September 1984, Ausstellung des Stadtarchivs und der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek Bonn.[6]
  • Jacob Wassermann (1873 bis 1934): Ein Weg als Deutscher und Jude, Oktober bis November 1984, Ausstellung anlässlich des 50. Todestages, Städtische Kunstsammlung Bonn.[7]
  • Joseph von Eichendorff (1788–1857): Ich bin mit der Revolution geboren, Juli 1988, Ausstellung der Eichendorff-Gesellschaft.[8]
  • Diverse Sonderausstellungen zum Bonner Robert Schumann seit 1993: Robert Schumann und die Dichter, Album für die Jugend, Clara und Robert Schumann: Zeitgenössische Portraits, Clara Schumann (1996), An den Rhein, an den Rhein (2002), Zwischen Poesie und Musik: Robert Schumann – früh und spät (2006), Robert Schumann – Lebensstationen, Wohnorte und Reiseziele (2010).[9]
  • Sibylle Mertens-Schaaffhausen (1797–1857): Zum 150. Todestag der „Rheingräfin“, September bis November 2007, Ausstellung des Stadtmuseums Bonn
  • Wesendoncks in Bonn? Die Wesendonckschen Familienporträts im Bestand des Stadtmuseums Bonn. Wagners Muse und ihre Familie, Oktober 2013 bis Februar 2014, Ausstellung zur Familie von Mathilde Wesendonck.[10]
  • Mord in Bonn vor 150 Jahren: Der Koch, die Könige und der letzte deutsche Sommer vor Bismarck, Mai bis August 2015, Ausstellung zu den deutsch-englischen Beziehungen von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg.[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Olga Sonntag: Villen am Bonner Rheinufer: 1819–1914. Bouvier Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-416-02618-7, Band 2, Katalog (1), S. 5–16 (zugleich Dissertation Universität Bonn, 1994) [Baugeschichte und Bauherren; noch nicht für diesen Artikel ausgewertet].
  • Olga Sonntag: Villen am Bonner Rheinufer: 1819–1914. Bouvier Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-416-02618-7, Band 1, S. 57–58 (zugleich Dissertation Universität Bonn, 1994) [Architekturbeschreibung; noch nicht für diesen Artikel ausgewertet].

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denkmalliste der Stadt Bonn (Stand: 15. März 2019), S. 3, Nummer A 1924
  2. a b Information (Memento des Originals vom 8. Oktober 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.naturpark-rheinland.de auf der Website des Zweckverbands Naturpark Rheinland
  3. Ernst-Moritz-Arndt-Garten, Website der Stadt Bonn
  4. Rheinische Lebensbilder, Band 7. Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, Rheinland-Verlag, 1977, S. 98 (Snippet).
  5. Lülo auf Rügen und am Rhein. (Memento des Originals vom 8. Oktober 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wild-east.de In: Der Rüganer – Die Zeitung für die Insel. Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft, Groß Schoritz.
  6. Michael Müller: Die Entwicklung des Kurrheinischen Kreises in seiner Verbindung mit dem Oberrheinischen Kreis im 18. Jahrhundert, Band 24 von: Mainzer Studien zur neueren Geschichte, Peter Lang, 2008, ISBN 978-3-63158-2-220, S. 105.
  7. Ernst Loewy u. a.: Nachrichtenbrief: 1984 bis 1993 mit Gesamtregister. Gesellschaft für Exilforschung (Hrsg.), Walter de Gruyter, 1995, ISBN 978-3-11095-9-109, S. 41.
  8. Gerhard Rademacher: Von Eichendorff bis Bienek: Schlesien als offene literarische „Provinz“ – Studien zur Lyrik schlesischer Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts im transregionalen Kontext, Band 9 von Forschungsstelle Ostmitteleuropa Dortmund: Studien der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund. Otto Harrassowitz Verlag, 1993, ISBN 978-3-44703-3-602, S. 538.
  9. StadtMuseum Bonn: Ernst-Moritz-Arndt-Haus, www.schumann-portal.com
  10. Bernhard Hartmann: „Wesendoncks in Bonn“ – Eine spannende Ausstellung im Ernst-Moritz-Arndt-Haus, 11. Oktober 2013, Bonner General-Anzeiger
  11. Bernward Althoff: Ernst-Moritz-Arndt-Haus in Bonn: Sonderausstellung zum „Mord in Bonn vor 150 Jahren“, 19. Mai 2015, Rhein-Sieg-Anzeiger

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ernst-Moritz-Arndt-Haus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 43′ 44″ N, 7° 6′ 38,7″ O