Ernst-Thälmann-Denkmal (Berlin)

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Ernst-Thälmann-Denkmal, 2018

Das Ernst-Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg ist eine Kolossalstatue, die an den KPD-Führer Ernst Thälmann erinnert. Sie wurde in den Jahren 1981–1986 vom sowjetischen Bildhauer Lew Kerbel geschaffen und als Teil des Ernst-Thälmann-Parks errichtet. Zum Denkmal gehörten ursprünglich auch zwei Stelen, die seit dem 21. Jahrhundert in der Zitadelle Spandau ausgestellt sind.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Denkmal im Mai 1986 mit nebenstehenden Stelen

Das 14 Meter hohe und 15 Meter breite Ernst-Thälmann-Denkmal aus Bronze steht auf einem Sockel aus ukrainischem Granit. Es ist 50 Tonnen schwer und wurde aus 200 Einzelteilen gefertigt. Den Hauptteil des Denkmals nimmt eine Büste Thälmanns ein. In der Bluse des Roten Frontkämpferbundes erhebt er die rechte Faust zum Gruß. Hinter ihm weht eine stilisierte Arbeiterfahne. Der Sockel trägt, jeweils in Großbuchstaben, vorne die Inschrift „Ernst Thälmann“ und an den Seiten „Rotfront“. Zum Denkmal gehörten ursprünglich zwei Stelen an den Seiten des Vorplatzes, die aktuell in der Zitadelle Spandau ausgestellt sind und folgende Inschriften in Großbuchstaben tragen:

„Mit der Gestaltung des Sozialismus in der Deutschen Demokratischen Republik setzen wir Ernst Thälmann / dem kühnen Streiter für Freiheit / Menschlichkeit und sozialen Fortschritt unseres Volkes / ein würdiges Denkmal. Erich Honecker
„Mein Leben und Wirken kannte und kennt nur eines: für das schaffende deutsche Volk meinen Geist und meinen Willen / meine Erfahrungen und meine Tatkraft / ja mein Ganzes / die Persönlichkeit zum Besten der deutschen Zukunft für den siegreichen sozialistischen Freiheitskampf im neuen Völkerfrühling der deutschen Nation einzusetzen! Ernst Thälmann

Die Plastik von Kerbel ist ein Beispiel für den letzten Typus der im Laufe der 40-jährigen Geschichte sehr unterschiedlichen Thälmann-Darstellungen in der Kunst der DDR. Die Person Ernst Thälmann wird in Kerbels Ausführung symbolhaft verallgemeinert dargestellt, der Politiker als permanenter Revolutionär.[1]

Das Denkmal steht auf einem, zur Greifswalder Straße hin, leicht geneigten Platz mit einer Fläche von 3800 Quadratmetern.

Entstehungsphase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Denkmal kurz vor der Eröffnung des Parks im April 1986

Das Ernst-Thälmann-Denkmal wurde im Auftrag des Zentralkomitees der SED in den Jahren 1981–1986 vom sowjetischen Bildhauer Lew Kerbel geschaffen. Dies stellte für viele Künstler der DDR ein Ärgernis dar, da es im Land genug renommierte und international anerkannte Bildhauer für einen solchen Auftrag gegeben hätte und zudem ein lange geplantes Ernst-Thälmann-Denkmal der Bildhauerin Ruthild Hahne nie zur Ausführung gelangte. In den Monaten, in denen die Teile des Denkmals gegossen wurden, war anderen Bildhauern in der DDR kein Bronzeguss möglich, da für das Monument die gesamte DDR-Jahresproduktion an Bronze gebraucht wurde.[2] Im Februar 1982 begannen die Vorarbeiten für den Bau des Denkmals. Der Bronzeguss erfolgte im traditionsreichen VEB Schwermaschinenbau Lauchhammerwerk. Eigens für die Herstellung der Teile wurde dort eine 18 × 18 Quadratmeter große und 15 Meter hohe Halle errichtet, die anschließend als Turnhalle weitergenutzt wurde.[3] So konnte auch in den Wintermonaten gearbeitet werden. Insgesamt wurden 277 Gipselemente als Gussvorlagen hergestellt. Die Auslieferung der fertigen Bronzeformen erfolgte zwischen August und Oktober 1984. Die Montage der Teile wurde im November 1985 abgeschlossen und im Februar 1986 waren letzte Feinarbeiten erledigt.[4]

Das Denkmal spielte in der staatlichen Erinnerungskultur der DDR eine wichtige Rolle, und seitdem finden vor dem Monument Gedenkveranstaltungen statt, besonders zu den Jahrestagen des Geburtstags (16. April 1886) und der Ermordung von Ernst Thälmann (18. August 1944). Im Ost-Berliner Volksmund hieß das Denkmal wegen der Ähnlichkeit des Thälmann-Gesichts mit Lenin scherzhaft „Lehmann“ (Akronym aus „Lenin“ und „Thälmann“) genannt.

Seit der deutschen Einheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stelen mit Inschriften, ausgestellt in der Zitadelle Spandau

Nach der Wende sollte das Denkmal auf Empfehlung einer im Auftrag des Berliner Senats gebildeten Historiker-Kommission zu Beginn der 1990er-Jahre abgerissen werden. Statt dieser Überlegung wurden im Juli 1990 nur die großen bronzenen Stelen mit Inschriften, bei denen es sich offensichtlich um Propaganda handelt, demontiert und eingelagert. Diese Stelen sind seit dem Jahr 1992 in der Zitadelle Spandau im Rahmen der Ausstellung Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler ausgestellt. Die Plastik von Kerbel blieb erhalten und auch der Standort wurde nicht verändert.[5] Eine Tagung in Prenzlauer Berg zur Suche für die Zukunft des Denkmals alternativ zum Abriss führte 1993 zu keinem Ergebnis. Der Tagesspiegel schrieb damals zur Tagung: „Derzeit ist der Umgang mit diesem ungeliebten Geschichtsdenkmal weniger von Souveränität gekennzeichnet als von Hilfslosigkeit.“[6]

In den Folgejahren wurde es nicht mehr gepflegt und zum Objekt zahlreicher Graffiti. Dies führte dazu, dass Mitte der 1990er-Jahre von privater Seite die Losung „Eingekerkert, Ermordet, Beschmiert“ angebracht wurde, um gegen den Verfall des Denkmals zu protestieren.[7] Im Jahr 2000 gründete sich das Aktionsbündnis Thälmann-Denkmal, das sich zum Ziel setzt, einen aus der Sicht des Bündnisses würdigen Umgang mit dem Denkmal zu ermöglichen. Die Mitglieder stammen aus linken bis linksextremistischen Berliner Parteien und Organisationen, darunter die damalige PDS, die DKP, KPD, KAZ, VVN-BdA, FDJ. Das Aktionsbündnis hat seitdem jährlich zwei Kundgebungen vor dem Denkmal veranstaltet. Bei dieser Gelegenheit haben jeweils Mitglieder des Bündnisses das Denkmal gereinigt. Seit 2006 kommt die Stadt Berlin für die Reinigung auf.

Wie soll die Stadt mit dem Monument umgehen?[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das verwitterte Denkmal im Jahr 2021, nachdem Graffiti entfernt wurde.

Die Frage des Umgangs mit dem Monumentaldenkmal oder sogar seines Erhalts stellte sich in den 2010er Jahren wieder neu. Im Jahr 2013 kündigten die Jungliberalen die Sprengung des Denkmals an[8] und hielten daraufhin eine Kundgebung mit symbolischen Dynamitstangen vor dem Monument ab. Nach etlichen Diskussionen und von Bürgern vertretenen Meinungen, unter anderem in der Ausstellung im Museum Pankow (Prenzlauer Allee 227),[9] hat der Senat das Wohnensemble samt Denkmal 2014 unter Denkmalschutz gestellt.[3] Zur Begründung heißt es: Das Wohngebiet sei „eine Leistungsschau des real existierenden Sozialismus“.

Im Jahr 2019 lobte das Bezirksamt Pankow einen Wettbewerb zur „künstlerischen Kommentierung“ des Ernst-Thälmann-Denkmals aus. Darin wurde zur kritischen Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart des Ernst-Thälmann-Denkmals sowie zu innovativen Konzepten für die Belebung des Ortes aufgerufen. Für die Realisierung stehen 180.000 € zur Verfügung,[10][11] eine Umsetzung des Projekts erfolgte bisher nicht. Außerdem sollte das Denkmal ab dem Jahr 2020 saniert werden,[12][13] bisher haben jedoch keine Sanierungsarbeiten begonnen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefanie Endlich, Bernd Wurlitzer: Skulpturen und Denkmäler in Berlin. Stapp, Berlin 1990, ISBN 3-87776-034-1, S. 324.
  • Stefanie Endlich, Thomas Lutz: Gedenken und Lernen an historischen Orten: ein Wegweiser zu Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus in Berlin / Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit, Berlin. Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit, Berlin 1995, ISBN 3-87776-034-1, S. 129.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ernst-Thälmann-Denkmal (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Schönfeld: Die Konstruktion eines politischen Symbols: Darstellungen Ernst Thälmanns in der Kunst der DDR/SBZ und ihre Funktion, in: German Monitor, Amsterdam/Atlanta 2000, S. 148
  2. Aussage von Professor Berndt Wilde vor der Kommission Kunst im öffentlichen Raum des Bezirks Pankow von Berlin am 4. Dezember 2007.
  3. a b Ernst-Thälmann-Denkmal auf www.bildhauerei-in-berlin.de, abgerufen am 27. August 2020.
  4. Baudirektion Hauptstadt Berlin des Ministeriums für Bauwesen der DDR: Ernst-Thälmann-Park. Bauakademie der DDR, 1986.
  5. Materialien zur Tagung über den Umgang mit dem Denkmal (initiiert vom damaligen Kulturamt Prenzlauer Berg) vom 4. und 5. Juni 1993.
  6. Tagesspiegel vom 9. Juni 1993.
  7. Peter Monteath: Lew Kerbels Thälmann-Denkmal in Berlin 1997, in: Peter Monteath (Hg): German Monitor. Ernst Thälmann. Mensch und Mythos, Amsterdam u. a. 2000, S. 192.
  8. Ernst Thälmann Denkmal: Junge Liberale wollen Thälmann-Denkmal sprengen. Berliner Zeitung, 13. Juni 2013, abgerufen am 22. August 2020.
  9. Flyer zur Ausstellung Jetzt wird’s ERNST – Die Vision Thälmman-Park. Bezirksamt Pankow (Hrsg.), 2014.
  10. Bezirksamt Pankow von Berlin, Amt für Weiterbildung und Kultur, Fachbereich Kunst und Kultur: Künstlerische Kommentierung des Ernst-Thälmann-Denkmals. Kunstwettbewerb zur Kommentierung des Ernst-Thälmann-Denkmals, Prenzlauer Berg, Berlin. Ohne Datum
  11. Wettbewerbe-aktuell.de, abgerufen am 27. August 2020.
  12. Berliner Thälmann-Denkmal wird saniert. Süddeutsche Zeitung, 13. November 2018, abgerufen am 14. August 2020.
  13. Anne Armbrecht, Christian Hönicke: Wie eine Thälmann-Statue eine Debatte auslöst auf www.tagesspiegel.de, 1. Juni 2019, abgerufen am 27. August 2020.

Koordinaten: 52° 32′ 17″ N, 13° 26′ 2″ O