Ernst Baedeker

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Ernst Baedeker (* 26. Oktober 1833 in Koblenz; † 23. Juli 1861 ebenda) war ein deutscher Verleger. Er führte den von seinem Vater Karl Baedeker gegründeten Verlag mit seinen Baedeker-Reiseführer weiter.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst Baedeker studierte an der Universität Heidelberg. Dort war seit 1855 Mitglied des Corps Saxo-Borussia Heidelberg.[1] Unter seinen Consemestern war er der einzige, der sein Elternhaus im Rheinland und nicht in Ostelbien hatte, und fast der einzige, der nicht Rittergutsbesitzer war. Zudem wuchs er in einem Elternhaus auf, das sich nicht nur nationalen, sondern auch liberalen und freisinnigen Ideen öffnete. Sein Vater Karl Baedeker, und mit ihm vermutlich der Sohn, war mit Hoffmann von Fallersleben befreundet und kannte Ernst Moritz Arndt.

Als Aktiver erlebte er im Juli 1856 das letzte Comitat der Heidelberger Universitätsgeschichte: Drei Mitglieder des SC wurden von der Universität verwiesen; unter ihnen war der Vandale Robert Lucius. Sie wurden vom Senioren-Convent bis an die Landesgrenze nach Ladenburg begleitet, was zur Besetzung Heidelbergs durch vom Prorektor der Universität herbeigerufene Soldatenkompanien und zum Zerwürfnis des SC mit der Stadt Ladenburg führte. Gar nicht amüsiert war Ladenburg, als der SC den Gemeinderat 1964 wissen ließ, dass der Verruf der Stadt nunmehr aufgehoben sei – kurz vor dem Erscheinen des Heidelberg-Baedekers 1968.[2]

Ernst Baedeker hatte sich auf seine Aufgabe im Verlag in Braunschweig (Buchhändlerlehre bei Vieweg), Leipzig, Stuttgart und London (Verlag Williams & Norgate) vorbereitet. Er konnte sie aber nur knapp drei Jahre umsetzen. Teilhaber des Verlages wurde er Anfang 1859, Inhaber zehn Monate später nach dem Tod des Vaters. „Der begabte junge Mann“ starb im Alter von nur 27 Jahren an „Nervenfieber“. Nachfolger in der Verlagsleitung wurde sein jüngerer Bruder Karl, 1869 wurde auch der jüngste Bruder Fritz Teilhaber, der Verlagssitz wurde 1872 nach Leipzig verlegt und den internationalen Durchbruch geschafft. Unter Fritz, Alleininhaber ab 1878, erreichte der mittelständische Familienverlag um 1900 seine größte Blüte.

Ernst Baedeker heiratete am 22. Mai 1859 in Koblenz Ottilie Wilhelmine Hirzel (1838–1908), Tochter des Verlegers Salomon Hirzel.

Ernst Baedeker ist auf dem Hauptfriedhof Koblenz neben seinem Vater beerdigt.

Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allein in seinem ersten und einzigen vollen Geschäftsjahr als Verleger 1860 bot Ernst Baedeker sieben Neubearbeitungen an. 1861 erschienen die Erstausgaben des Italien- und Rombandes (Neuauflagen bis 1944) und französische Ausgaben der Führer zu Österreich (1860 bis 1936), Holland und Belgien (1859 bis 1928) und wiederum Italien (1861 bis 1932).

Seine Brüder Karl Baedeker jun. und später Fritz setzten seine Arbeit fort, zunächst mit der ersten Ausgabe des London-Führers rechtzeitig zur Weltausstellung. Ernst hatte den Band schon vor seinem Tod weitgehend fertiggestellt. Die viel gelesene Zeitschrift Gartenlaube bezeichnete Karl und Ernst Baedeker 1861 als „getreuen Eckardt der Reisenden“.

Ernst Baedeker brachte Anfang Juli 1861, zwei Wochen vor seinem Tod, den ersten englischsprachigen Band heraus. So gebührt nicht nur seinem Vater, sondern auch ihm die Ehre, dass sich ein Name von der Person ablöste und zum Begriff für die Sache wurde. Laurence Boyle schrieb 1983 in den Mitteilungen für Baedeker-Freunde über Ernst, er sei der „wohl am wenigsten bekannte, aber der wichtigste Nachfahre“ Karl Baedekers: „Millionen englischer und amerikanischer Reisende sollten ihm dankbar sein, daß er ihnen die Baedeker-Welt zugänglich machte.“

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • L. Laurence Boyle: Der zweite Inhaber der Firma Karl Baedeker. In: Mitteilungen für Baedeker-Freunde Heft 5, 1983, S. 5–8 (online).
  • Alex W. Hinrichsen: Baedeker’s Travel Guides 1832–1990. Bibliography 1832–1944; Listing 1948–1990. History of the publishing house. 2. Auflage. 2008, S. 29–30 (Digitalisat).

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kösener Korps-Listen 1910, 120, 486.
  2. Robert von Lucius (Hrsg.): Weiß-Grün-Schwarz-Weiß. Beiträge zur Geschichte des Corps Saxo-Borussia zu Heidelberg. Band 2: 1934–2008. Heidelberg 2008, S. 65