Erz-

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Die Vorsilbe Erz- dient der Steigerung und Überhöhung einer Bezeichnung (Augmentativbildung). Ihre Bedeutung als „Oberster-, Erster-“ (an der Spitze stehend) ist abgeleitet von altgriechisch ἀρχή archē „Anfang, Führung“.[1][2] Der Wortbestandteil Archi- wurde aus dem Kirchenlatein, dann aus dem italienischen arci über Erzi- als Erz- ins Althochdeutsche übernommen.[3] Die Silbe steht in keinem Zusammenhang zu dem Erz, aus dem Metalle gewonnen werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Erz-“ wurde schon in den griechischen Bibelübersetzungen benutzt und ist im theologischen Sinn enthalten in Erzengel (altgriechisch Αρχάγγελος, lateinisch archangelus) als „Erste, Höchste unter den Engeln“. Mit dieser Bedeutung wurde es in der mittelalterlichen Ikonografie der Engelshierarchien zu einem Rangkennzeichen (Insigne).

Zunächst wurde die Vorsilbe „Erz-“ mit der Bedeutung als „Erste-, Höchste-“ nur für kirchliche Ämter benutzt, so in Erzvater (deutsch für Patriarch), Erzbischof (archepiscopus) oder Erzpriester (archipresbyterius), wie auch für deren Gebiete Erzbistum und Erzdiözese. Später wird die Silbe als verbessernder Beiklang (Meliorisation) auf weltliche Führungsämter angewendet, um ihre herausragende Stellung anzuzeigen: Erzkanzler, Erzherzog (archidux) oder Erzamt.

Diese Vorsilbe im Titel zu tragen war nach dem Reichsgesetz Goldene Bulle von 1356 auch in der weltlichen Ordnung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation von großer politischer Wichtigkeit. Entsprechend benannte ein Habsburger Fürst seinen normalen Herzogtitel zum „Erzherzogtitel“ um, zur Gleichstellung seines Ranges mit den „Kurfürsten“ (Wahlmänner der Kaiserwahl); das Habsburger Fürstenhaus sollte als ein „Erzhaus“ gelten.

In der jüngeren deutschen Sprachgeschichte hat sich „Erz-“ von einer Bezeichnung für Macht und Ehre gewandelt zu einer Vorsilbe zur Steigerung einer Bedeutung (Elativ), im Sinne „von Grund auf, durch und durch“: Erzdemokrat, Erzfeind, Erzlügner oder Erzgauner.[4] Mit dieser steigernden Wirkung steht die Silbe auch vor Eigenschaftsworten: erzgescheit, erzdumm, erzfaul, erzböse, erzkonservativ oder erzkatholisch.[5][3]

Arch-[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprünglich altgriechische Form archē, von der Erz- abgeleitet ist,[2] findet sich noch als Silbe in deutschen Wörtern wie Architekt („Erster, Führer“ der Bauleute), Hierarchie („Rangordnung“), und stärker abgewandelt und verschmolzen in Arzt (aus altgriechisch ἀρχίατρος archiatros, lateinisch archiater): „der Erste der Mediziner, Oberarzt“ (siehe auch „arch-“ als altgriechischer Wortstamm in deutschen Fremdwörtern).[3]

Archē („Anfang, Prinzip, Ursprung“) ist in der antiken Philosophie eine Bezeichnung für den Urstoff, aus dem die Welt entstanden ist, sowie für den Grund und das Prinzip des Seienden und seines Erkennens.

Arche („der Beginn“) ist auch der Name einer der vier Titanischen Musen, alten Schutzgöttinnen der Künste und Vorläuferinnen der bekannten neun Musen.

Nicht verwandt mit archē ist das deutsche Wort Arche (von lateinisch arca „Kasten, Truhe“), bekannt als Bezeichnung des „schwimmfähigen Kastens“ Arche Noah (siehe auch Begriffsklärung: Arche).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lexikoneintrag: Erz- (2). In: Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. 4. Auflage. Leipzig 1793, S. 1956; Zitat: „2. Êrz-, ein Wort, welches […] alle Mahl das Vornehmste in seiner Art bedeutet […]“.
  • Lexikoneintrag: Erz. In: Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon. 1. Auflage. Band 1, F. A. Brockhaus, Leipzig 1837–1841, S. 692. Zitat: „Erz bedeutet gleich dem griech. Ausdrucke Archi, wenn es einem Worte vorgesetzt wird, im guten und bösen Sinne das Vorzüglichste und Ausgezeichnetste in seiner Art […]“.
  • Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: ERZ. In: Grimm: Deutsches Wörterbuch. Band 3, Hirzel, Leipzig 1854–1960, Spalte 1076; Zitat: „ERZ, […] praefix, das die bedeutung steigert […]“.
  • Lexikoneintrag: Erz…. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band  5, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S.  829. Zitat: „Erz…, deutsche Vorsetzsilbe, […] bedeutet die Erhöhung der durch das einfache Wort bezeichneten Würde […]“.
  • Lexikoneintrag: Erz…. In: Brockhaus Konversations-Lexikon 1894–1896, 6. Band, S. 333. Auch: Band 6, Leipzig 1906, S. 85; Zitat: „Erz […] Später wurde diese Vorsilbe zunächst zu Titeln und Würden gefügt, um den höheren Grad anzudeuten […], dann aber auch zur Bildung schmeichelnder, besonders aber scheltender Ausdrücke verwendet […]“.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WiktionaryWiktionary: erz- – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag: Erz- (Erzengel, Erzhirte, Erzvater). In: Michaela Bauks u. a. (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex). Stuttgart 2006 ff.; Zitat: „Hinter der Vorsilbe steht das griechische arch- = »Erst-, Ober-«. Bezeichnung für den im Range »Ersten«, also Höchsten.“
  2. a b Lexikoneintrag: Archi. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band  1, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S.  771. Zitat: „Archi (Arci, vor Vokalen, besonders vor i und y, auch bloß Arch), eine aus dem Griechischen stammende Vorsilbe vieler Wörter, welche zunächst bei Titeln einen höhern Grad der Würde oder Gewalt bezeichnet und unserm daraus entstandenen Erz-, z. B. Archicancellarius (Erzkanzler), Archiepiscopus (Erzbischof), Archidux (Erzherzog) etc., entspricht. Außerdem hat es die Bedeutung von »ur« und »vollkommen« oder »im höchsten Grad« […]“.
  3. a b c Worteintrag: erz-. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 30. Juli 2019.
  4. Duden online: Erzdemokrat, Erzfeind, Erzlügner, Erzgauner, alle abgerufen am 30. Juli 2019.
  5. Duden online: erzgescheit, erzdumm, erzfaul, erzböse, erzkonservativ, erzkatholisch, alle abgerufen am 30. Juli 2019.