Erzbistum Riga

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Erzbistum Riga
Karte Erzbistum Riga
Basisdaten
Staat Lettland
Diözesanbischof Zbigņev Stankevičs
Emeritierter Diözesanbischof Jānis Kardinal Pujats
Emeritierter Weihbischof Jānis Cakuls
Fläche 23.587 km²
Pfarreien 60 (31.12.2015 / AP2017)
Einwohner 1.203.000 (31.12.2015 / AP2017)
Katholiken 223.000 (31.12.2015 / AP2017)
Anteil 18,5 %
Diözesanpriester 41 (31.12.2015 / AP2017)
Ordenspriester 15 (31.12.2015 / AP2017)
Katholiken je Priester 3.982
Ständige Diakone 1 (31.12.2015 / AP2017)
Ordensbrüder 16 (31.12.2015 / AP2017)
Ordensschwestern 67 (31.12.2015 / AP2017)
Ritus Römischer Ritus
Liturgiesprache Lettisch
Kathedrale St.-Jakobs-Kathedrale
Suffraganbistümer Jelgava
Liepāja
Rēzekne-Aglona

Das Erzbistum Riga (lateinisch Archidioecesis Rigensis, lettisch Rīgas arhidiecēze) ist ein Erzbistum der Römisch-katholischen Kirche in Lettland mit Sitz in Riga.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage des Bistums im Deutschordensstaat um 1410

Albrecht von Apeldern, der 1198 als Kanonikus von Bremen zum Bischof von Livland ernannt worden war, errichtete 1201 in Riga einen festen Bischofssitz und ein Domkapitel, für das er Prämonstratenser wählte.[1] 1207 wurde das Bistum Reichslehen, und 1224 wurde der Bischof zum Reichsfürsten erhoben. 1255 wurde Riga zum Erzbistum, dem die Bistümer Dorpat, Ermland, Kulm, Kurland, Ösel-Wiek, Pomesanien und Samland als Suffraganbistümer unterstellt waren. Das Bistum Reval (heute Tallinn) war dem Erzbistum Lund unterstellt.

Historisches Wappen des Erzbistums

Das Bistum besaß ein ansehnliches geistliches Territorium, in welchem der Bischof bzw. Erzbischof zugleich Landesherr war. Ab 1330 wurde das Territorium vom Livländischen Orden erobert, das Erzbistum behielt aber seine geistliche Autonomie.

Später wurden auch das Domkapitel und der Bischofssitz dem Deutschen Orden inkorporiert.

Nach 1563 wurde das römisch-katholische Erzbistum im Verlaufe der Reformation evangelisch-lutherisch und existiert in dieser Form fort.

Das Wappen des historischen Erzbistums Riga zeigte Krummstab und Stab mit Kleekreuz besteckt, schräg gekreuzt gold in rot.

Neugründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Jakobs-Kathedrale in Riga

Am 29. September 1918, noch bevor die Republik Lettland ihre Unabhängigkeit erklärte, wurde ein neues römisch-katholisches Bistum Riga aus dem Erzbistum Mahiljou heraus errichtet.[2] Erster Bischof war der baltische Adelige Eduard Graf O’Rourke (1918–1920). Das Bistum Riga umfasste zunächst nur die Landesteile Vidzeme (Livland) und Latgale (Lettgallen).[3]

Am 19. August 1920 wurden auch die bis dato unter der Verwaltung des Bistums Kaunas stehenden Landesteile Kurzeme (Kurland) und Zemgale (Semgallen) dem Bistum Riga zugeschlagen.[4] Damit waren die kirchlichen Strukturen den Staatsgrenzen Lettlands angepasst.

Aufgrund des am 30. Mai 1922 zwischen der Republik Lettland und dem Heiligen Stuhl geschlossenen Konkondates und eines am 23. April 1923 von der Saeima verabschiedeten Gesetzes wurde die bis dahin evangelisch-lutherische St.-Jakobs-Kirche in Riga den Katholiken überlassen und zur Kathedrale des Bistums Riga.[5] Daraufhin wurde das Bistum Riga am 25. Oktober 1923 zum Erzbistum erhoben.[6]

1937 wurde im südlichen und westlichen Territorium das Bistum Liepāja gegründet, von dem 1995 das südliche Territorium als Bistum Jelgava abgetrennt wurde. Im gleichen Jahr entstand auch das Bistum Rēzekne-Aglona durch Abtrennung des östlichen Teils des Erzbistums. Alle drei Diözesen sind Suffraganbistümer des Erzbistums Riga. Das heutige Territorium entspricht der lettischen Region Vidzeme bzw. Zentral-Livland.

Heute umfasst das Erzbistum eine Fläche von 23.587 km². Seit den 1990er Jahren nimmt die Zahl der Katholiken zu. Im Jahre 2015 zählte das Erzbistum Riga rund 223.000 Katholiken, das sind etwa 18 % der Bevölkerung. Entsprechend stieg die Zahl der Priester, Ordensleute und Pfarreien.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mario Glauert: Die Bindung des Domkapitels von Riga an die Regel des Deutschen Ordens. In: Radosław Biskup, Mario Glauert (Hrsg.): Die Domkapitel des Deutschen Ordens in Preußen und Livland. Aschendorff, Münster 2004, ISBN 3-402-00541-7, S. 269–316.
  • H. Grote: Erzbischöfe von Riga. In: Stammtafeln. Leipzig 1877.
  • Manfred Hellmann: Livland und das Reich. Das Problem ihrer gegenseitigen Beziehungen. In: Bayerische Akademie der Wissenschaften, philosophisch-historische Klasse, Sitzungsberichte. Jahrgang 1989, Heft 6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Erzbistum Riga – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franz Winter: Die Prämonstratenser des 12. Jahrhunderts und ihre Bedeutung für das nordöstliche Deutschland. Berlin 1865, S. 225–227.
  2. Acta Apostolicae Sedis, Jg. 1918, S. 452.
  3. Ernst Benz: Die römisch-katholische Kirche in Lettland 1918–1940. In: Boris Meissner, Dietrich André Loeber, Detlef Henning (Hg.): Die deutsche Volksgruppe in Lettland während der Zwischenkriegszeit und aktuelle Fragen des deutsch-lettischen Verhältnisses. Bibliotheca Baltica, Tallinn 2000, S. 162–174, hier S. 165.
  4. Ernst Benz: Die römisch-katholische Kirche in Lettland 1918–1940. In: Boris Meissner, Dietrich André Loeber, Detlef Henning (Hg.): Die deutsche Volksgruppe in Lettland während der Zwischenkriegszeit und aktuelle Fragen des deutsch-lettischen Verhältnisses. Bibliotheca Baltica, Tallinn 2000, S. 162–174, hier S. 166.
  5. Ernst Benz: Die römisch-katholische Kirche in Lettland 1918–1940. In: Boris Meissner, Dietrich André Loeber, Detlef Henning (Hg.): Die deutsche Volksgruppe in Lettland während der Zwischenkriegszeit und aktuelle Fragen des deutsch-lettischen Verhältnisses. Bibliotheca Baltica, Tallinn 2000, S. 162–174, hier S. 168.
  6. Rigensis erectionis in Archiepiscopatum Decretum. In: Acta Apostolicae Sedis, Jg. 1923, S. 585–586.