Etah (Grönland)

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Iita Etah
Kommune Qaasuitsup Kommunia
Geographische Lage 78° 18′ 50″ N, 72° 36′ 35″ WKoordinaten: 78° 18′ 50″ N, 72° 36′ 35″ W
Iita (Grönland)
Iita
Höhe m
Einwohner 0 (seit 1953)
Zeitzone UTC-4
Besonderheiten ehemals eine der nördlichsten natürlichen Siedlungen der Welt

Etah (grönländisch Iita [ˌiːˈta]) ist ein heute nur noch zeitweilig bewohnter Ort in Nordwest-Grönland im Nordwesten der Hayes-Halbinsel. Der Name „Etah“ hat keine bekannte Bedeutung. Mit seiner Lage galt Etah bis zu seiner Aufgabe als Dauersiedlung im Jahre 1953 die nördlichste natürliche Siedlung der Welt. Noch etwa 24 Kilometer weiter nördlich lagen allerdings die heute ebenfalls aufgegebene Inuit-Siedlung Annoatok und Inuarfiussaq, und noch etwas weiter nördlich liegt die ehemalige Dauersiedlung Qaqaatsut (79,2° N) und die Siedlung Nunatami (80,0° N).

Heute gehört Etah politisch zu Qaasuitsup Kommunia, vor 2009 zu Qaanaaq.

Entdeckung und Entwicklung des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde aus europäischer Sicht erst im Jahre 1818 vom britischen Polarforscher John Ross entdeckt. Die Entdeckung Etahs wurde auf einer später berühmt gewordenen Abbildung eines Expeditionsmitglieds von Ross namens Sachausen dokumentiert; sie zeigt Ross bei der Kontaktaufnahme mit den Inuit von Etah.

Der ursprüngliche Ort der Siedlung, an der in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Ausgrabungen durchgeführt wurden, liegt etwa in der Mitte des rund 8 km langen Foulke-Fjordes an dessen Südseite. Das Etah des 20. Jahrhunderts lag dagegen rund vier Kilometer weiter östlich am Ende dieses Fjordes. Im Dänischen werden die beiden Orte auch als Gamle Etah („Alt-Etah“) und Ny Etah („Neu-Etah“) bezeichnet.

Um 1900 war Etah Ausgangspunkt mehrerer Nordpol-Expeditionen. Der Polarforscher Donald Baxter MacMillan, der bereits an der Pol-Expedition von Robert E. Peary des Jahres 1908/09 teilgenommen hatte, machte als Leiter der Crocker Land Expedition der Jahre 1913 bis 1917 Etah zur Basis für die Erforschung der grönländischen Küste, der Ellesmere-Insel und der Axel-Heiberg-Insel. 1927 verfasste er das Buch Etah and Beyond. Von Etah aus begannen ferner die Humphrey–Expedition (1934–35), die Arktis-Expedition von MacGregor 1937/38 und die Haig-Thomas-Expedition von 1938.

Die Einwohnerzahl Etahs sank später deutlich. Vor seiner Aufgabe 1953 hatte es nur noch etwa 20 ständige Bewohner, der Ort verfügte über ein Geschäft, aber über keine Kirche oder Schule. Als um 1960 eine neunköpfige Familie in Etah überwinterte, war der Ort bereits nicht mehr ständig besiedelt. Ein Versuch im Jahre 1984, den Ort wieder ständig zu besiedeln, misslang. Heute werden die drei oder vier verbliebenen, etwas baufälligen Behausungen von Etah nur noch im Sommer als Basis für Jagden und als Ziel von Polar-Touristen genutzt. Der nächste, ganzjährig bewohnte Ort – südöstlich von Etah gelegen – ist Siorapaluk mit etwa 80 Einwohnern. Auf dem Weg nach Siorapaluk liegen Pitorarfik und Neqi, die ebenfalls nicht ständig bewohnt sind.

Lage und Ökosystem von Etah[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etah liegt nach Süden ausgerichtet am Ende des Foulkefjordes. Dieser ist in Ost-West-Richtung mehrere Kilometer lang und rund zwei Kilometer breit, die Klippen auf beiden Seiten erreichen rund 700 Meter Höhe. Wenige hundert Meter hinter dem Ort beginnt ein sanft ansteigender Gletscher („Brother John’s Glacier“), an dessen Ende sich der fast ganzjährig gefrorene Alida-See befindet. Die Polarnacht dauert in Etah vier Monate, vom 22. Oktober bis zum 21. Februar. In der Umgebung von Etah befinden sich ergiebige Jagdgründe, unter anderem große Walross-Vorkommen. Das nährstoffreiche Wasser des Foulke-Fjordes ist die Nahrungsgrundlage vieler Kleinlebewesen, weswegen an den Felsen des Fjordes große Vogelkolonien brüten, die von den Inuit seit jeher mit Netzen bejagt wurden. Das vergleichsweise große Nahrungsangebot der Gegend um Etah ist der Grund, warum der Ort trotz seiner extrem nördlichen Lage und seines äußerst unwirtlichen Klimas überhaupt besiedelt wurde. Infolge der Klimaerwärmung wird im nächstgrößeren Ort Qaanaaq (650 Einwohner) heute mitunter über die Wiederbesiedlung Etahs – oder gar der vor Jahrhunderten ebenfalls besiedelten Nordspitze Grönlands – gewitzelt. Ernsthafte Pläne dafür existieren jedoch bisher (2007) nicht.

Die Umgebung von Etah[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Etah aus sind es nach Westen über das Meer nur rund 50 Kilometer zur kanadischen Ellesmere-Insel. Über diese bis vor wenigen Jahren meist von Oktober bis Juni/Juli zugefrorene Meerenge, den Smithsund, erfolgte um das Jahr 1000 n. Chr. die Besiedelung Grönlands durch die Inuit-Kultur (Eskimo). Bei der Überquerung des Sunds auf Hundeschlitten wird das Nordwasser, ein auch früher schon oft von April bis November eisfreier Bereich der Baffin Bay, nördlich umgangen. In den letzten Jahren fanden bei Etah und an anderen Stellen des nordöstlich angrenzenden Inglefield-Landes archäologische Ausgrabungen statt.

Nicht weit von Etah befand sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts der arktische geomagnetische Pol, der berechnete Pol des unregelmäßigen Erdmagnetfeldes. Er lag 1951 bei etwa 77° 29′ N, 68° 54′ W,[1] ist inzwischen aber über den Smithsund nach Westen auf die kanadische Ellesmere-Insel gewandert (2010: 80° 1′ N, 72° 13′ W).[2] Aufgrund der Nähe zu diesem Pol sind in der Region – anders als in der übrigen Arktis – nur wenige Polarlichter zu sehen.

Literatur über Etah[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Donald Baxter MacMillan: Etah and beyond. Or Life within Twelve Degrees of the Pole. Boston 1927 (im Juli 1928 zusätzlich veröffentlicht als Artikel in The Geographical Journal. Bd. 72, Nr. 1, S. 79–80).
  • Robert Inglis: A Scout Goes North. 1938
  • Cliffort J. MacGregor: Monthly Weather Review. Oktober 1939
  • David L. Sallach: NJ Historical Commission Newsletter. Februar 1977
  • Hal Vogel: Ice Cap News. November–Dezember 1977
  • Hal Vogel: They Brought Their Own Storms. 1977

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jean Malaurie: Mythos Nordpol. 200 Jahre Expeditionsgeschichte. National Geographic Deutschland, 2003. ISBN 3-936559-20-1, S. 5
  2. Stefan Maus, Susan Macmillan, Susan McLean, Brian Hamilton, Manoj Nair, Alan Thomson, Craig Rollins: The US/UK World Magnetic Model for 2010–2015 (PDF-Datei; 39,1 MB). Abgerufen am 3. Februar 2012

Aktuelle Bilder von Etah[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]