Qaanaaq

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Qaanaaq
Thule K'ânâĸ
Qaanaaq (2007)
Qaanaaq (2007)
Kommune Avannaata Kommunia
Distrikt Qaanaaq
Geographische Lage 77° 29′ 0″ N, 69° 20′ 0″ WKoordinaten: 77° 29′ 0″ N, 69° 20′ 0″ W
Qaanaaq (Grönland)
Qaanaaq
Höhe m
Einwohner 628
(1. Januar 2018)
Gründung 1953
Zeitzone UTC-3
Besonderheiten nördlichste Stadt der Welt

Das Meer von Qaanaaq mit dem Steensby Land auf der anderen Uferseite

Qaanaaq [qaːˈnɑːq] (nach alter Rechtschreibung K'ânâĸ; dänisch Thule) ist eine grönländische Stadt im Distrikt Qaanaaq in der Avannaata Kommunia.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Qaanaaq liegt an der Südwestküste der Halbinsel Piulip Nunaa an der Stelle, wo der Kangerlussuaq (Inglefield Bredning) durch die Abzweigung des Murchison Sund zum Ikersuaq (Hvalsund) wird. Der nächstgelegene bewohnte Ort ist das 49 km nordwestlich liegende Siorapaluk. Qaanaaq ist die nördlichste Stadt Grönlands und ebenso die nördlichste Stadt der Welt.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Qaanaaq wurde im Jahr 1953 gegründet, als die Bewohner des Ortes Uummannaq der dort angelegten Thule Air Base (Pituffik) weichen mussten. Der größte Teil der Bewohner wurde dabei nach Qaanaaq umgesiedelt. Die Zwangsumsiedlung führte zu einem jahrzehntelangen Rechtsstreit mit dem dänischen Staat, bei dem Ûssarĸak K'ujaukitsoĸ eine übergeordnete Rolle für die Durchsetzung der Rechte der Inughuit spielte.

Der Name Thule stand bereits in der Antike für eine im äußersten Norden der Welt gelegene mythische Insel. Knud Rasmussen griff den Namen am Anfang des 20. Jahrhunderts auf, als er im bis dahin unkolonialisierten Nordgrönland eine Missions- und Handelsstation gründete. Bei der Umsiedlung der Inughuit 1953 wurde Thule als dänische Bezeichnung für das neugegründete Qaanaaq übernommen.[2]

Qaanaaq war bis 2009 Hauptort der Gemeinde Qaanaaq, der nördlichsten Gemeinde des Landes, bevor diese im Zuge der Verwaltungsreform in die Qaasuitsup Kommunia überging, die 2018 wiederum in die Avannaata Kommunia im Norden gespalten wurde.[3]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptwirtschaftszweig in Qaanaaq ist die Jagd, aber in Zukunft soll die Fischerei gestärkt werden. Die meisten Bewohner sind jedoch in der Verwaltung und in Handel und Handwerk beschäftigt. Zudem spielt der Tourismus in Qaanaaq eine größere Rolle für Abenteuertouristen, denen das traditionelle Leben der Inughuit dargestellt wird und die Landschaft und Fauna der Umgebung bei Bootsfahrten und Wanderungen erleben können. Um Qaanaaq leben Walrösser, Robben, Narwale, Rentiere und verschiedene Vogelarten.[2]

Infrastruktur und Versorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gut vier Kilometer nordwestlich liegt der 2001 eröffnete Flughafen Qaanaaq, über den die Stadt an den grönländischen Luftverkehr angeschlossen ist. Eine Straße führt von Qaanaaq aus zum Flughafen. Sie verläuft jedoch über die zahlreichen Gletscherbäche des Qaanaaq Gletsjers und ist daher während der Eisschmelze häufig überflutet. Qaanaaq hat ein untypisch geordnetes Straßensystem aus mehreren parallel verlaufenden Wegen, gerade im jüngeren Westteil der Stadt. Die Straßen in Qaanaaq sind jedoch in schlechtem Zustand und nicht asphaltiert. Der Verkehr in der näheren Umgebung erfolgt meist mit Schneemobilen und Hundeschlitten. Qaanaaq hat keinen Hafen, der direkt angefahren werden kann, weswegen die Boote direkt am Strand liegen.

Nukissiorfiit ist für die Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung in Qaanaaq zuständig. Die Stromgewinnung erfolgt über ein Dieselkraftwerk, dessen Restwärme zusammen mit Ölöfen die Wärmeversorgung gewährleistet. Die Wasserversorgung gelingt im Sommer mittels Oberflächenwasser und im Winter durch das Schmelzen von Eis. Es gibt wie in den meisten Orten Grönlands kein Abwassernetz in Qaanaaq. Müll wird westlich der Stadt deponiert. TELE Greenland gewährleistet die telekommunikative Anbindung von Qaanaaq.[2]

Bebauung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schule in Qaanaaq, der Avanersuup Atuarfia, werden etwa 120 Schüler in den Jahrgangsstufen 1 bis 10 unterrichtet. Die Schule beinhaltet zudem eine Bibliothek und zu ihr gehört ein Schulheim. Es gibt eine Berufsschule, ein Altenheim und eine Kinderkrippe. In der Stadt gibt es zudem eine Pilersuisoq-Filiale, die die Bewohner mit Gütern versorgt, sowie ein im Tourismusbüro untergebrachtes Kunsthandwerksgeschäft. Für den Tourismus gibt es zudem ein kleines Hotel, ein Restaurant und das Thule-Museum, das sich der Geschichte des äußersten Nordens Grönlands sowie den Thule-Expeditionen Knud Rasmussens widmet. Weiterhin stehen in Qaanaaq eine Sporthalle, ein Versammlungsgebäude, eine Kirche und ein kleines Krankenhaus, sowie ein Servicegebäude mit Sanitärräumen. In Qaanaaqs Zentrum befindet sich zudem ein Erdmagnetfeldobservatorium.[2]

Im Dezember 2018 wurde ermittelt, dass aufgrund von dem Permafrostboden nicht gerechter Bauweise etwa 30 % der Gebäude in Qaanaaq teils oder irreparabel beschädigt sind und renoviert oder abgerissen werden müssen.[4]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Qaanaaq wird in Matthias von Guntens Dokumentarfilm ThuleTuvalu aus dem Jahr 2015 thematisiert, der die Auswirkungen des Klimawandels auf die Eskimos und die flachen Inseln Ozeaniens behandelt.

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Qaanaaq ist trotz seiner Abgeschiedenheit in Grönland eine der am stärksten wachsenden Städte des Landes. Die Einwohnerzahl hat sich zwischen dem Ende der 1970er Jahre und dem Ende der 1990er Jahre beinahe verdoppelt und ist seitdem relativ gleich geblieben.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Qaanaaq – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karte mit allen offiziellen Ortsnamen bestätigt vom Oqaasileriffik, bereitgestellt von Asiaq
  2. a b c d Qaanaaq bei qaasuitsup-kp.cowi.webhouse.dk
  3. Qaanaaq in Den Store Danske
  4. Husene i Qaanaaq slår revner in der Sermitsiaq
  5. Einwohnerzahl Qaanaaq 1977–2018 bei bank.stat.gl