Etatismus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Etatismus (frz. État „Staat“) bezeichnet eine politische Annahme, nach der ökonomische und soziale Probleme durch staatliches Handeln zu bewältigen sind. Der Begriff entstand um 1880 in Frankreich.[1]

Anwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute kann Etatismus:

  • die individuelle Privatsphäre rechtlich zugunsten des staatlichen Machtbereichs einschränken
  • mit zentralistischen Staatsauffassungen verbunden sein[2], insbesondere auf die Erweiterung bundesstaatlicher Befugnisse gegenüber den Rechten von Gliedstaaten abzielen
  • bestimmte Positionen der Planwirtschaft bezeichnen, in der die staatliche Kontrolle lediglich in wichtigen Industriezweigen wirksam wird sowie
  • eine ausschließlich auf das Staatsinteresse eingestellte Denkweise darstellen

Etatismus in verschiedenen Ländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein bürokratischer Etatismus bestand neben einem ständischen Partikularismus bereits in der Epoche des Aufgeklärten Absolutismus[3]. In der Schweiz der Gegenwart wird damit hingegen die Stärkung der Zentralgewalt des Bundes gegenüber den Kantonen zum Ausdruck gebracht.[4] In der Türkei ist Etatismus eines der Grundprinzipien des Kemalismus.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Etatismus, Markus Blaser im Wörterbuch der Sozialpolitik auf socialinfo.ch
  2. Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 4., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2006.
  3. Arthur Schlegelmilch, Anfänge und Perspektiven des Verfassungsstaates in Deutschland und im Habsburger Reich zwischen 1780 und 1820, in: Digitale Bibliothek der Friedrich Ebert Stiftung, 2000. Friedrich Ebert Stiftung
  4. Etatismus, duden.de, abgerufen am 27. Januar 2012

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Etatismus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen