Ethambutol

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Strukturformel
Strukturformel von Ethambutol
Allgemeines
Freiname Ethambutol
Andere Namen

(S,S)-2-[2-(1-Hydroxybutan-2-ylamino)ethylamino]butan-1-ol

Summenformel C10H24N2O2
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 200-810-6
ECHA-InfoCard 100.000.737
PubChem 14052
DrugBank DB00330
Wikidata Q412318
Arzneistoffangaben
ATC-Code

J04AK02

Wirkstoffklasse

Antibiotikum

Eigenschaften
Molare Masse 204,31 g·mol−1
Schmelzpunkt
  • Freie Base: 87,5–88,8 °C[1]
  • Dihydrochlorid: 198,5–200,3 °C[1]
Löslichkeit

50 mg·ml−1 (Wasser)[2]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
08 – Gesundheitsgefährdend

Gefahr

H- und P-Sätze H: 360
P: 201​‐​308+313 [2]
Toxikologische Daten

240 mg·kg−1 (LD50Mausi.v.)[3]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Ethambutol, abgekürzt EMB, ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Antibiotika, der bevorzugt zur Behandlung der Tuberkulose, aber auch bei anderen durch Mykobakterien hervorgerufenen Infektionen eingesetzt wird. Er darf nur in Kombination mit anderen antimykobakteriellen Mitteln angewendet werden. Aufgrund des erheblichen Nebenwirkungsprofils muss seine Anwendung engmaschig – insbesondere auch augenärztlich – überwacht werden.

Wirkungsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ethambutol wird von Mykobakterien schnell aufgenommen. Es behindert den normalen Aufbau der Zellwände, die durch ihre besondere Struktur bei Mykobakterien deren außergewöhnlich hohe Widerstandsfähigkeit bedingt, indem die Biosynthese spezifischer Polysaccharide, sogenannter Arabinogalactane, Arabinomannane und Peptidoglycane, unterbunden wird. Ursache dafür ist eine inhibierende Wirkung auf einen Pfad des Kohlenhydratstoffwechsels, der von der Glucose hin zur Arabinose und Mannose führt.[4][5][6][7]

Es wirkt abhängig von der Konzentration bakteriostatisch bis bakterizid immer nur auf sich gerade vermehrende (proliferierende) Erreger. Eine primäre Resistenz der Mykobakterien gegen Ethambutol ist sehr selten und erworbene entwickeln sich nur langsam. Es gibt keine Kreuzresistenz zu anderen Tuberkulosemitteln.

Pharmakokinetik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ethambutol wird nach Einnahme vom Magen-Darm-Trakt rasch und fast vollständig aufgenommen (Resorption ~80 %). Die höchste Konzentration im Blut (Spitzenspiegel) wird etwa 2–4 Stunden nach Einnahme erreicht. Die Ausscheidung erfolgt überwiegend unverändert über die Nieren. Nur ein kleiner Anteil wird unverändert über die Gallenflüssigkeit oder in veränderter Form mit dem Urin ausgeschieden. Nach 24 Stunden sinkt die Konzentration im Blut weniger als ein Zehntel des Spitzenspiegels ab. Sowohl rote Blutkörperchen (Erythrozyten) als auch Gewebezellen in den Lungen (Alveolarzellen, Makrophagen) können das Ethambutol anreichern, so dass die Konzentration in diesen Zellen erheblich höher ist als im Serum.

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abhängig von der verabreichten Dosis und der Dauer der Behandlung kann es zu einer Entzündung des Sehnerven (Optikusneuritis) kommen, die sich zunächst durch Störung des Farbensehens, später in Gesichtsfeldausfällen bis zum kompletten Verlust der Sehfähigkeit äußert. Auch Schädigungen sowohl des zentralen wie auch des peripheren Nervensystems (Neuropathie) mit Schwindel, Kopfschmerzen, Verwirrtheitszuständen, Halluzinationen, Schwächegefühl und Gefühlsstörungen (Parästhesien) sind beschrieben. Zu den häufigen Nebenwirkungen zählt ein Anstieg der Harnsäure-Konzentration im Serum, der sich nach Absetzen wieder normalisiert. Selten treten Appetitlosigkeit, Sodbrennen, Erbrechen, Durchfall oder allergische Reaktionen mit Fieber oder juckenden Hautausschlägen auf. Sehr selten können auch Veränderungen des Blutbildes mit Verminderung der Zahl weißer Blutkörperchen (Leukozyten) oder der Blutplättchen (Thrombozyten) sowie Leber- und Nierenfunktionsstörungen beobachtet werden.

Stereoisomerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2-[2-(1-Hydroxybutan-2-ylamino)ethylamino]butan-1-ol enthält zwei Stereozentren, die jeweils mit den gleichen Substituenten versehen sind folglich gibt es von diesem Stoff drei Stereoisomere und zwar die (S,S)-Form, die dazu spiegelbildliche (enantiomere) (R,R)-Form und die meso-Form. Als Arzneistoff wird ausschließlich die (S,S)-Form eingesetzt.

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monopräparate

EMB-Fatol (D), Etibi (A), Myambutol (D, A, CH)

Kombinationspräparate

Rimstar (CH)[8][9][10]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b The Merck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage. 2006, ISBN 0-911910-00-X, S. 638.
  2. a b c Datenblatt Ethambutol dihydrochloride bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 11. Juni 2019 (PDF).
  3. Eintrag zu Ethambutol. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 11. November 2014.
  4. K. Takayama, J. O. Kilburn: Inhibition of synthesis of arabinogalactan by ethambutol in Mycobacterium smegmatis. In: Antimicrobial Agents and Chemotherapy. 33 (1989), S. 1493–1499. PMID 2817850, PMC 172689 (freier Volltext).
  5. G. Silve, P. Valero-Guillen, A. Quemard, M.-A. Dupont, M. Daffé, G. Laneelle: Ethambutol inhibition of glucose metabolism in mycobacteria: a possible target of the drug. In: Antimicrobial Agents and Chemotherapy. 37 (1993), S. 1536–1538. PMID 8363387, PMC 188008 (freier Volltext).
  6. K. Mikusová, R. A. Slayden, G. S. Besra, P. J. Brennan: Biogenesis of the mycobacterial cell wall and the site of action of ethambutol. In: Antimicrobial Agents and Chemotherapy. 39 (1995), S. 2484–2489. PMID 8585730, PMC 162969 (freier Volltext).
  7. A. E. Belanger, G. S. Besra, M. E. Ford u. a.: The embAB genes of Mycobacterium avium encode an arabinosyl transferase involved in cell wall arabinan biosynthesis that is the target for the antimycobacterial drug ethambutol. In: Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. Band 93, Nr. 21, Oktober 1996, S. 11919–11924, PMID 8876238, PMC 38159 (freier Volltext).
  8. Rote Liste (08/2009).
  9. AM-Komp. d. Schweiz (08/2009).
  10. AGES-PharmMed (08/2009).
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt nicht eine Diagnose durch einen Arzt. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!