Pakho-Maulwurf

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Pakho-Maulwurf
Systematik
Ordnung: Insektenfresser (Eulipotyphla)
Familie: Maulwürfe (Talpidae)
Unterfamilie: Altweltmaulwürfe (Talpinae)
Tribus: Eigentliche Maulwürfe (Talpini)
Gattung: Südostasiatische Maulwürfe (Euroscaptor)
Art: Pakho-Maulwurf
Wissenschaftlicher Name
Euroscaptor parvidens
(Miller, 1940)

Der Pakho-Maulwurf (Euroscaptor parvidens) ist eine der Arten der Südostasiatischen Maulwürfe innerhalb der Maulwürfe (Talpidae).

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Pakho-Maulwurf erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 12 bis 14 Zentimeter und eine Schwanzlänge von 0,6 Zentimeter. Der Schwanz entspricht etwa 5,6 bis 6,1 % der Länge des restlichen Körpers. Er ist buckelförmig und mit Fell bedeckt. Die Art ähnelt in ihrer Erscheinung dem Kloss-Maulwurf (Euroscaptor klossi) und dem Himalaya-Maulwurf (Euroscaptor micrura) mit einem dunkel-schwarzbraunen Fell, hat jedoch einen schmalen Kopf. Die Hinterfußlänge beträgt 1,8 Zentimeter, die Vordefußlänge 1,9 Zentimeter.[1][2][3]

Der Schädel wird 34 Millimeter lang und am Hirnschädel 15 Millimeter breit. Er weist ein sehr langes Rostrum auf. Der Kronenfortsatz des Unterkiefers ist kurz und breit, der Winkelfortsatz gut entwickelt. Am Gebiss zeichnen sich die sehr kleinen Mahlzähne aus. Der obere erste und dritte Prämolar sind etwa gleich groß und mit jeweils zwei Wurzeln ausgestattet. Der obere zweite Prämolar ist kleiner und verfügt nur über eine Wurzel. Die Länge der oberen Zahnreihe liegt bei 13 Millimeter, die der unteren bei 11 Millimeter.[1][3]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitungsgebiet des Pakho-Maulwurfs

Der Pakho-Maulwurf ist nur von vier weit auseinanderliegenden Gebieten bekannt, weitere Angaben über das Verbreitungsgebiet liegen nicht vor. Bei den Fundorten handelt es sich um einen im südlichen Teil der Provinz Yunnan in der Volksrepublik China, das Di-Linh-Plateau in der Provinz Lâm Đồng im Süden beziehungsweise das Ngoc-Linh-Gebirge in den Provinzen Quảng Nam und Kon Tum im zentralen Bereich Vietnams sowie von Pakho (Rakho) in der Provinz Bắc Kạn im Norden des Landes.[4][3]

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Lebensweise des Pakho-Maulwurfs liegen fast keine Informationen vor, sie dürfte aber mit der der anderer Maulwürfe übereinstimmen. Demnach leben sie größtenteils unter der Erde, wo sie Gangsysteme errichten. Ihre Nahrung besteht aus Regenwürmern, Insekten und anderen Kleintieren.

Die Art lebt wahrscheinlich im Hochland in Waldgebieten, der Holotyp wurde in 800 Meter Höhe nahe einem Fluss gefunden.[4][2]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innere Systematik der Südostasiatischen Maulwürfe nach Zemlemerova et al. 2016[3]
 Euroscaptor  



 Euroscaptor klossi


   

 Euroscaptor orlovi


   

 Euroscaptor malayana




   

 Euroscaptor longirostris


   

 Euroscaptor kuznetsovi




   

 Euroscaptor parvidens


   

 Euroscaptor subanura




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Der Pakho-Maulwurf ist eine von zehn Arten innerhalb der Gattung der Südostasiatischen Maulwürfe (Euroscaptor) und der Familie der Maulwürfe (Talpidae). Innerhalb der Maulwürfe gehören die Südostasiatischen Maulwürfe zur Tribus der Eigentlichen Maulwürfe (Talpini). Die Eigentlichen Maulwürfe schließen wiederum die zumeist grabenden Vertreter der Maulwürfe ein. Andere Mitglieder der Familie leben dagegen nur teilweise unterirdisch, bewegen sich oberirdisch fort oder sind an eine semi-aquatische Lebensweise angepasst. Die Südostasiatischen Maulwürfe können gemäß molekulargenetischen Untersuchungen in zwei Verwandtschaftsgruppen unterteilt werden, die westliche longirostris-Gruppe um den Langnasen-Maulwurf (Euroscaptor longirostris) und die östliche parvidens-Gruppe um den Pakho-Maulwurf. Zur näheren Verwandtschaft des Pakho-Maulwurfs gehört der Vietnamesische Maulwurf (Euroscaptor subanura).[5][3]

Es werden zwei Unterarten unterschieden:[3]

  • E. p. ngoclinhensis Zemlemerova, Bannikova, Lebedev, Rozhnov & Abramov, 2016; im Ngoc-Linh-Gebirge im zentralen und südlichen Vietnam; kleinere Unterart; Zahnreihe kürzer; am ersten Prämolaren kommt ein zusätzlicher kleiner Höcker vor (Metastyl);
  • E. p. parvidens (Miller, 1940); im südlichen Vietnam und im südlichen China; größere Unterart; Zahnreihe länger, am ersten Prämolaren tritt kein Metastyl auf;

Beide Unterarten waren zuvor durch molekulargenetische Studien erkannt worden.[5]

Die wissenschaftliche Erstbeschreibung des Pakho-Maulwurfs erfolgte im Jahr 1940 durch Gerrit S. Miller unter der Bezeichnung Talpa parvidens. Der Holotyp umfasst ein ausgewachsenes männliches Tier (von Miller irrtümlich als weiblich ausgewiesen) aus der Nähe eines kleinen Flusses bei Di Linh in der südvietnamesischen Provinz Lâm Đồng. Das Individuum wurde von E. Poilane 1933 aufgesammelt, dabei notierte Poilane auch, dass er ähnliche Tiere bei Pakho im Norden des Landes gesichtet hätte. Noch im gleichen Jahr verwies Miller die Art in die von ihm neu kreierte Gattung Euroscaptor.[1][6] Teilweise wurde die Art Euroscaptor micrura als Unterart zugeordnet.[7]

Gefährdung und Schutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Art nur von vier Fundorten bekannt ist und keine Angaben über die Bestände vorliegen, wird sie aufgrund fehlender Daten von der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) nicht in eine Gefährdungsklasse eingeordnet (data deficient). Bedrohungen für die Art sind nicht bekannt. Sollte sie abhängig von Wäldern sein, stellt die Rodung von Wäldern und die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen, Plantagen und menschlicher Siedlungsgebiete eine Bedrohung dar.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pakho-Maulwurf (Euroscaptor parvidens) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Gerrit S. Miller: A New Mole from Annam. Journal of Mammalogy 21 (2), 1940, S. 203–204.
  2. a b * Robert S. Hoffmann, Darrin P. Lunde: Greater Chinese Mole. In: Andrew T. Smith, Yan Xie (Hrsg.): A Guide to the Mammals of China. Princeton University Press, Princeton NJ u. a. 2008, ISBN 978-0-691-09984-2, S. 323.
  3. a b c d e f E. D. Zemlemerova, A. A. Bannikova, V. S. Lebedev, V. V. Rozhnov und A. V. Abramov: Secrets of the underground Vietnam: an underestimated species diversity of Asian moles (Lipotyphla: Talpidae: Euroscaptor). Proceedings of the Zoological Institute RAS 320 (2), 2016, S. 193–220.
  4. a b c Euroscaptor parvidens in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2012.2. Eingestellt von: F. Chiozza, 2008. Abgerufen im 26. Februar 2013
  5. a b Kai He, Akio Shinohara, Kristofer M. Helgen, Mark S. Springer, Xue-Long Jiang und Kevin L. Campbell: Talpid Mole Phylogeny Unites Shrew Moles and Illuminates Overlooked Cryptic Species Diversity. Molecular Biology and Evolution 34 (1), 2016, S. 78–87.
  6. Gerrit S. Miller: Notes on Some Moles from Southeastern Asia. Journal of Mammalogy 21 (4), 1940, S. 442–444.
  7. Euroscaptor parvidens. In: Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. 2 Bände. 3. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4.