Langnasen-Maulwurf

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Langnasen-Maulwurf
Systematik
Ordnung: Insektenfresser (Eulipotyphla)
Familie: Maulwürfe (Talpidae)
Unterfamilie: Altweltmaulwürfe (Talpinae)
Tribus: Eigentliche Maulwürfe (Talpini)
Gattung: Südostasiatische Maulwürfe (Euroscaptor)
Art: Langnasen-Maulwurf
Wissenschaftlicher Name
Euroscaptor longirostris
(Milne-Edwards, 1870)

Der Langnasen-Maulwurf (Euroscaptor longirostris) ist eine der Arten der Südostasiatischen Maulwürfe innerhalb der Maulwürfe (Talpidae). Er ist im Süden der Volksrepublik China verbreitet.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Langnasen-Maulwurf erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 9 bis 14,5 Zentimeter und eine Schwanzlänge von 1,1 bis 2,5 Zentimeter. Er ist damit deutlich kleiner als der Große Chinesische Maulwurf (Euroscaptor grandis) und etwa gleich groß wie der Kloss-Maulwurf (Euroscaptor klossi). Das Fell ist dunkelgrau bis schwarz, teilweise mit bräunlicher Melierung. Der spärlich behaarte Schwanz ist vergleichsweise lang, an der Spitze besitzt er bis 12,5 Millimeter lange weiße Haare. Die Schnauze ist im Vergleich zu allen größeren Maulwürfen Chinas lang und schmal ausgezogen und auch der Kopf erscheint lang und schmal.[1]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitungsgebiet des Langnasen-Maulwurfs

Der Langnasen-Maulwurf lebt in Teilen der Volksrepublik China sowie im angrenzenden Nordwesten Vietnams. In China kommt die Art in den Provinzen Sichuan, Fujian, Yunnan, Guizhou[1] Hunan, Guangxi, Shaanxi, Gansu, Hubei und Jiangxi vor.[2]

Die Höhenverbreitung reicht von 1800 bis 2900 Meter.[1]

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Lebensweise des Langnasen-Maulwurfs liegen nur sehr wenige Informationen vor, sie dürfte aber mit der der anderen Maulwürfe übereinstimmen. Demnach leben sie größtenteils unter der Erde, wo sie Gangsysteme errichten. Ihre Nahrung besteht aus Regenwürmern, Insekten und anderen Kleintieren.

Die Art lebt in Waldgebieten der höheren Regionen mit lockeren Böden, vor allem in gemäßigt feuchten Habitaten in alpinen Birkenwäldern.[2][1] Im Süden Chinas kommt die Art in weiten Gebieten sympatrisch mit dem deutlich kleineren Mogera latouchei vor.[1]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innere Systematik der Südostasiatischen Maulwürfe nach Zemlemerova et al. 2016[3]
 Euroscaptor  



 Euroscaptor klossi


   

 Euroscaptor orlovi


   

 Euroscaptor malayana




   

 Euroscaptor longirostris


   

 Euroscaptor kuznetsovi




   

 Euroscaptor parvidens


   

 Euroscaptor subanura




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Der Langnasen-Maulwurf ist eine eigenständige Art innerhalb der Gattung der Südostasiatischen Maulwürfe (Euroscaptor), zu der neun weitere Arten zählen. Die gattung gehört zur Familie der Maulwürfe (Talpidae), innerhalb der sie ein Teil der Tribus der Eigentlichen Maulwürfe (Talpini) bildet. Die Eigentlichen Maulwürfe umfassen die zumeist grabenden Vertreter der Maulwürfe, andere Mitglieder der Familie leben dagegen nur teilweise unterirdisch, bewegen sich oberirdisch fort oder sind an eine semi-aquatische Lebensweise angepasst. Molekulargenetische Untersuchungen zeigen auf, dass die Südostasiatischen Maulwürfe in zwei Verwandtschaftsgruppen aufteilen, die westliche longirostris-Gruppe um den Langnasen-Maulwurf und die östliche parvidens-Gruppe um den Pakho-Maulwurf (Euroscaptor parvidens). Der Langnasen-Maulwurf ist dabei mit dem Kloss-Maulwurf (Euroscaptor klossi) beziehungsweise mit Euroscaptor malayana näher verwandt.[4][3]

Unterarten sind nicht bekannt.[5] Die Art wurde 1870 von Henri Milne-Edwards als Talpa longirostris erstbeschrieben[6] und 1940 von Gerrit S. Miller zur Gattung Euroscaptor verwiesen.[7] Ein Jahr darauf sah sie Stroganov als Typusart der Gattung Eoscalops an. Andere Autoren ordneten die Form als Unterart dem Himalaya-Maulwurf (Euroscaptor micrura) zu.[5] Ursprünglich wurde die Art auch im nördlichen Vietnam angenommen.[7][1] Hier ergaben molekulargenetische Untersuchungen im Jahr 2016, dass es sich um eigenständige Entwicklungslinien handelt. Diese wurden daraufhin unter den Bezeichnungen Euroscaptor orlovi und Euroscaptor kuznetsovi in den Artstatus gehoben.[4][3]

Gefährdung und Schutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Art wird aufgrund des großen Verbreitungsgebietes und der angenommenen großen Bestandszahlen und dem Vorkommen in mehreren Schutzgebieten von der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) als nicht gefährdet (least concern) gelistet. Hauptbedrohungen für die Bestände sind Waldrodungen zur Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen sowie die Nutzung der Art in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Euroscaptor longirostris – Sammlung von Bildern

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Robert S. Hoffmann, Darrin P. Lunde: Greater Chinese Mole. In: Andrew T. Smith, Yan Xie (Hrsg.): A Guide to the Mammals of China. Princeton University Press, Princeton NJ u. a. 2008, ISBN 978-0-691-09984-2, S. 323.
  2. a b c Euroscaptor longirostris in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2012.2. Eingestellt von: Andrew T. Smith, C.H. Johnston, 2008. Abgerufen im 25. Februar 2013
  3. a b c E. D. Zemlemerova, A. A. Bannikova, V. S. Lebedev, V. V. Rozhnov und A. V. Abramov: Secrets of the underground Vietnam: an underestimated species diversity of Asian moles (Lipotyphla: Talpidae: Euroscaptor). Proceedings of the Zoological Institute RAS 320 (2), 2016, S. 193–220.
  4. a b Kai He, Akio Shinohara, Kristofer M. Helgen, Mark S. Springer, Xue-Long Jiang und Kevin L. Campbell: Talpid Mole Phylogeny Unites Shrew Moles and Illuminates Overlooked Cryptic Species Diversity. Molecular Biology and Evolution 34 (1), 2016, S. 78–87.
  5. a b Euroscaptor longirostris. In: Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. 2 Bände. 3. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4.
  6. Henri Milne-Edwards: Note sur quelques Mammifères du Thibet oriental. Comptes rendus hebdomadaires des séances de l'Académie des sciences 70, 1870, S. 341–342 ([1]).
  7. a b Gerrit S. Miller: Notes on Some Moles from Southeastern Asia. Journal of Mammalogy 21 (4), 1940, S. 442–444.