Evangelisches Diakoniewerk Schwäbisch Hall

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo des Evangelischen Diakoniewerks Schwäbisch Hall

Das Evangelische Diakoniewerk Schwäbisch Hall ist eine große diakonische Einrichtung in Schwäbisch Hall im Nordosten Baden-Württembergs. In der Region wird die Gesamteinrichtung und insbesondere das Krankenhaus meist als Diak bezeichnet.

Neben der Klinik in Schwäbisch Hall mit insgesamt 492 Betten sowie 22 Kliniken und Instituten sowie einer Ausbildungsstätte für Pflegeberufe betreibt das Diak Einrichtungen der Altenhilfe und der ambulanten Pflege. Insgesamt werden 2.300 Mitarbeiter beschäftigt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Faulhaber, Gründer und erster Leiter des Diakoniewerks
Sophie Pfizmajer, erste Oberin der Diakonissenanstalt 1886–1890

In Schwäbisch Hall bestanden mit dem im 13. Jahrhundert gegründeten Spital und mit dem 1850 gegründeten städtischen Dienstbotenkrankenhaus in den 1850er Jahren zwei Krankenhäuser. Das Spital wurde 1856 geschlossen, das Dienstbotenkrankenhaus wurde 1860 an das Armenhaus angegliedert. Nach Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung 1884 entstand erneut ein Bedarf nach einem Krankenhaus für den gesamten Bezirk des Oberamts Hall. Damals bestanden bei Pfarrer Hermann Faulhaber (1842–1914) bereits Pläne zur Gründung einer Diakonissenanstalt zur Ausbildung und Entsendung von Diakonissen. Die Gründung einer solchen Anstalt wurde vor allem von Hermann zu Hohenlohe-Langenburg gefördert, der Vorsitzender des Gründungskomitees und acht Jahre Vorsitzender des Verwaltungsrates war. Das Oberamt Hall verständigte sich mit dem Gründungskomitee der Diakonissenanstalt darauf, die Anstalt mit einem Krankenhaus zu verbinden.

Die Einrichtung wurde am 1. Februar 1886 als Evangelische Diakonissenanstalt gegründet, für Versicherte der Bezirkskrankenkasse waren 30 Betten des Diakonissenkrankenhauses reserviert. Außerdem verfügte die Einrichtung anfangs noch über das vom Leiter und seiner Familie sowie einigen Diakonissen bewohnte Stammhaus und das Johanniter-Krankenhaus zur Betreuung von Kindern.

Gründer Faulhaber wurde 1899 durch Pfarrer Gottlob Weißer als Leiter der Einrichtung abgelöst. In dessen Amtszeit fällt der Beginn der Betreuung von geistig behinderten Frauen und Kindern. 1906 wurde für die Schwestern ein Mutterhaus eröffnet, etwa um dieselbe Zeit kamen einige weitere kleinere Gebäude (darunter eine Wäscherei und eine Kapelle) hinzu. Das Kleine Frauenheim, das nach Eröffnung des Mutterhauses nicht mehr von Schwestern bewohnt wurde, wurde zum Altenheim umgestaltet. 1911 erfolgte mit der Pflegeanstalt (heute: Gottlob-Weißer-Haus) ein erster größerer Neubau, durch den die Pflegekapazität im Bereich geistig behinderter Frauen und Kinder auf etwa 500 erhöht werden konnte.

Im Ersten Weltkrieg wurden die Haller Schwestern zu Lazaretten an die West- und Ostfront entsandt, gleichzeitig diente auch das Johanniter-Krankenhaus in Schwäbisch Hall als Lazarett. In den wirtschaftlichen Krisenjahren nach dem Ersten Weltkrieg erwarb und betrieb das Diakonissenwerk einige landwirtschaftliche Höfe zur Deckung der Versorgung, später wurden diese Höfe dann verpachtet.

Im Jahr 1930 löste Pfarrer Wilhelm Breuning den bisherigen Anstaltsleiter Weißer ab. Unter seiner Amtsführung entstand bis 1938 das Kranken-Hochhaus, wodurch sich der Pflegeschwerpunkt von Behindertenarbeit zur Krankenpflege hin verlagerte. Das Kranken-Hochhaus diente später im Zweiten Weltkrieg auch als Lazarett.

Im Rahmen des Euthanasieprogramms „Aktion T4“ des Dritten Reichs wurden 1940 aus dem Diak 273 geistig und körperlich Behinderte verschleppt. 171 von ihnen wurden in den NS-Tötungsanstalten Grafeneck und Hadamar ermordet. Jedoch gelang es dem Diak, 265 Frauen zurückzubehalten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine Kinderkrankenpflege-Schule eröffnet. 1956 löste Pfarrer Gotthold Betsch den bisherigen Leiter Breuning im Amt ab. Die Pflege, aber auch Verwaltungs- und hauswirtschaftliche Dienste wurden bis in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts weitgehend von Diakonissen erledigt. Seitdem geht ihre Zahl kontinuierlich zurück. In der aktiven Arbeit spielen sie heute keine Rolle mehr.

In den 1960er und 1970er Jahren erfuhr das Diak grundlegende bauliche Erweiterungen. Es entstanden die Auferstehungskirche, ein Schulhaus, ein Internat, das Haus Bergfrieden, zahlreiche Mitarbeiterunterkünfte sowie ein Schwimmbad. Ältere Gebäude, vor allem die Krankenhausgebäude und das Mutterhaus, wurden renoviert. In den 1960er Jahren fand auch in der Schwesternschaft eine große Umorientierung statt, die 1968 zur Gründung der Gemeinschaft der Haller Schwestern und Pfleger mit Diakonissen, Diakonischen Schwestern und Brüdern führte.

Von 1980 bis 1990 stand Pfarrer Eckhard Klein dem Diak als Hauptgeschäftsführer bzw. als Direktor vor. In seiner Amtszeit fanden weitere umfangreiche Baumaßnahmen statt. So entstanden 1980 das Heim Schöneck für Erwachsene mit geistiger oder mehrfacher Behinderung, 1985 eine neue Wäscherei und ab 1988 ein neuer Operationstrakt des Krankenhauses. Die beiden Wohn- und Pflegestifte wurden umfassend modernisiert. 1990 übernahm Pfarrer Manfred Jehle die Anstaltsleitung.

Seit dem Jahr 2011 bis Februar 2018 war Hans-Joachim Lenke Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Diakoniewerks und Geschäftsführer des Diakonie-Klinikums.[1] Diak-Vorstandsmitglied und Geschäftsführer Michael Kilb übernimmt bis zur Neubesetzung der Stelle die Leitung des evangelischen Diakoniewerkes Schwäbisch Hall e.V[2]. Direktor Pfarrer Stephan Zilker war von Mai 2006 bis zu seinem Ruhestand 2011 Vorsitzender des Vorstands[3]. Zilkers Vorgänger Pfarrer Klaus-Dieter Kottnik war zeitgleich Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten, mittlerweile ist Kottnik Präsident des Diakonischen Werkes der EKD mit Sitz in Berlin. Vor Kottnik hatte das Amt der Diakleitung der derzeitige Landesbischof Frank Otfried July inne. July hat den Wandel von einer diakonischen Einrichtung zu einem diakonischen Unternehmen angestoßen. [4]

Geschäftsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Evangelische Diakoniewerk Schwäbisch Hall ist ein eingetragener Verein. Es hat drei Geschäftsbereiche:

Bis zum Jahr 2012 gehörte auch eine Behindertenhilfe zu den Geschäftsbereichen des Diak. Sie wurde am 1. September 2012 an den "Sonnenhof Schwäbisch Hall" abgegeben.

Insgesamt beschäftigt das Diakoniewerk Schwäbisch Hall 2.300 Mitarbeiter. Im Klinikum allein sind 130 Auszubildende beschäftigt. Der Umsatz betrug im Jahr 2016 116 Mio €.[5] Das Diakoniewerk ist der zweitgrößte Arbeitgeber im Landkreis Schwäbisch Hall.[6]

Das Evangelische Diakoniewerk Schwäbisch Hall e. V. hielt bis zum Jahr 2012 74,9 % der Holdinganteile an der Gesundheitsholding Schwäbisch Hall gGmbH, der Landkreis Schwäbisch Hall 25,1 %. Die Holding war Träger des Diakonie-Klinikums und des Klinikums Crailsheim.[7] Sie wurde im Jahr 2012 aufgelöst. Seither besteht ein Kooperationsvertrag zwischen beiden Häusern.[8]

Gemeinschaft der Haller Schwestern und Brüder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinschaft der Haller Schwestern und Brüder gehören Diakonissen sowie Diakonische Schwestern und Brüder an. Entstanden ist die Gemeinschaft 1968 in der ehemaligen Diakonissenanstalt durch den Zusammenschluss der Diakonissen und der Verbandsschwestern. In der Gemeinschaft können seit 1975 auch Männer Mitglied sein. Die Gemeinschaft hat rund 1.000 Mitglieder, von denen etwa 450 Mitglieder in der Gemeindekrankenpflege tätig sind, 300 Mitglieder arbeiten in den stationären Einrichtungen des Diakoniewerks (insbesondere im Diakonie-Krankenhaus). Im Ruhestand sind rund 250 Mitglieder, die meisten von ihnen sind Diakonissen. Die Haller Gemeinschaft ist Mitglied im Kaiserswerther Verband Deutscher Diakonissenmutterhäuser e. V., in dem 76 Mutterhäuser und Diakoniewerke zusammengeschlossen sind.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Evang. Diakoniewerk Schwäbisch Hall e. V. (Hrsg.): Das Diak in Schwäbisch Hall – die kleine Stadt am Berge. Wir-Verlag Weller, Aalen 1996, ISBN 3-924492-70-0.
  • Heike Krause: Einem Menschen Nächster sein. Die Geschichte des Evangelischen Diakoniewerks Schwäbisch Hall. J.F. Steinkopf Druck, Stuttgart 2005, ISBN 3-00-016075-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-Joachim Lenke folgt Christoph Künkel als Diakoniechef. In: evangelischer Pressedienst Landesdienst Südwest. epd, 17. November 2018, abgerufen am 6. Februar 2018.
  2. Marcus Haas: Diak-Pfarrer Hans-Joachim Lenke will in Heimatkirche zurück. In: swp.de. südwestpresse, 16. November 2017, abgerufen am 6. Februar 2018.
  3. Herzlichen Glückwunsch, großer Bruder! In: Das Diakonie Magazin. Das Diakonie Magazin, 2011, abgerufen am 6. Februar 2018.
  4. Evangelischer Pressedienst. In: Evangelischer Pressedienst. epd Landesdienst Südwest, 14. November 2018, abgerufen am 28. Januar 2018.
  5. Zahlen und Fakten auf der Website des Diakoniewerks (gesehen am 5. Januar 2018)
  6. Geschichte auf der Website des Diakoniewerks (gesehen am 20. September 2008)
  7. Pressearchiv der Website des Landkreises Schwäbisch Hall (gesehen am 5. November 2015)
  8. Pressemitteilung Klinikum Crailsheim 2012 (pdf) aufgerufen am 5. Januar 2018