Exopolitik

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Exopolitik (Neologismus aus altgr. ἔξω exo ‚außerhalb‘ und Politik) ist die Eigenbezeichnung einer Denkrichtung, die von der Existenz von außerirdischem Leben auf der Erde ausgeht. Die Vertreter dieser Theorie setzen sich dafür ein, diesen Umstand in eine weltweite Politik umzusetzen.[1] Dies wird als Exopolitik-Bewegung bezeichnet.

Inhalte der Exopolitik-Bewegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundthesen der Exopolitik sind:

  • Es gibt eine außerirdische Präsenz auf der Erde.
  • Dafür liegen eine Vielzahl von Beweisen vor.
  • Die Öffentlichkeit ist nicht ausreichend über die Faktenlage informiert.
  • Offizielle Stellen einiger Staaten verschleiern Informationen über das Thema.

Haupttätigkeitsfeld der Exopolitik-Bewegung ist das Sammeln, Aufbereiten und Verfügbarmachen von Informationen über die vermeintliche außerirdische Präsenz. Gefordert wird eine staatliche Unterstützung für UFO-Forschung, Beschäftigung der Politik mit dem Thema und die Offenlegung aller Informationen von offiziellen Stellen. Ziel ist ein globaler Paradigmenwechsel, hin zu einer Gesellschaft, welche die propagierte außerirdische Präsenz anerkennt und verantwortlich im Sinne der gesamten Menschheit handelt. Anders als traditionelle UFO-Gruppen steht also nicht die Untersuchung oder Forschung am UFO-Phänomen im Vordergrund, sondern Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyismus mit den bereits vorliegenden Informationen. Dazu beschäftigt sich Exopolitik auch mit Personen, politischen Institutionen und Prozessen, die Einfluss auf die offizielle und öffentliche Bekanntgabe der propagierten außerirdischen Präsenz auf der Erde haben.[2][3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steven Greer, Februar 2007

Der Ursprung der Exopolitik-Bewegung liegt in der US-amerikanischen Disclosure-Bewegung[Anmerkung 1]. Exopolitik nimmt die Ideen der Disclosure-Bewegung auf und geht noch einen Schritt weiter: Während die Disclosure-Bewegung auf eine offizielle Bestätigung der vermeintlichen außerirdische Präsenz auf der Erde abzielt, setzt die Exopolitik-Bewegung die Präsenz weitgehend als real voraus. In den Fokus rücken die daraus resultierenden Implikationen für die Menschheit.[4][5][6]

Michael Emin Salla

Als prägende Persönlichkeiten für Exopolitik-Bewegung der Anfangsjahre gelten zwei Personen: Steven Greer und Michael Salla. Greer ist Doktor der Medizin und war Notarzt am Caldwell Memorial Hospital in North Carolina. Bekannt ist Greer als Initiator der US-amerikanischen Non-Profit-Organisation The Disclosure Project.[7] Diese hat am 9. Mai 2001 in einer Pressekonferenz im National Press Club (Washington, D.C.) eine breite Öffentlichkeit mit Zeugenaussagen ehemaliger Regierungsbeamter und Militärs konfrontiert. Die Hauptaussage der Zeugen war: Extraterrestrische UFOs würden existieren und die US-Regierung halte ihr Wissen darüber geheim.[8] Diese Pressekonferenz ist Schlüsselereignis und gedanklicher Startpunkt der Exopolitik-Bewegung.[9]

Initiator der Bewegung ist der australische Doktor der Politikwissenschaften Michael Salla.[10] Dieser publizierte erstmals dem Begriff „Exopolitics“ in seinem Artikel The Need for Exopolitics: Implications of Extraterrestrial Conspiracy Theories for Policy Makers & Global Peace (2003). Ausgehend von der Disclosure-Bewegung untersucht Salla hier die Stichhaltigkeit der vorliegenden Informationen und Quellen und sieht als Folge die Notwendigkeit zu einem Politikwechsel hin zur sogenannten Exopolitik. In dem ein Jahr später erscheinenden Buch Exopolitics: Political Implications of the Extraterrestrial Presence (2004) führt Salla das Thema weiter aus und konkretisiert seine Thesen.

2004 gründet Salla die erste Exopolitik Webseite ’exopolitics.org’, 2005 das Exopolitics Institute und 2006 das Exopolitics Journal.[11] Darauf aufbauend entstanden weltweit Ableger in verschiedenen Ländern und Kontinenten, welche heute das weltweite Exopolitik-Netzwerk bilden.

Exopolitik-Netzwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Exopolitik-Bewegung ist weltweit in über 20 nationalen Organisationen und Initiativen vertreten. Gemeinsam bilden diese ein loses Netzwerk, welches mit dem Exopolitics Institute und dem Exopolitics World Network globale Foren hat. Das Exopolitics Institute sieht sich dabei als Forschungsinstitut, während das Exopolitics World Network sich als eine politische Lobby-Organisation begreift. Es existiert keine übergeordnete Hierarchie oder gemeinsame Organisationsstruktur, jede nationale Initiative ist eigenständig und unabhängig.[12]

Es werden Konferenzen veranstaltet, Artikel veröffentlicht und Vorträge gehalten. Da es keine Hierarchie oder übergeordnete Organisationsstruktur gibt, kann die jeweilige Auslegung der Exopolitik-Thesen und Ausrichtung von Gruppe zu Gruppe variieren.

Exopolitik in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo der „Deutschen Initiative für Exopolitik“

In Deutschland ist die Exopolitik Bewegung durch die „Deutsche Initiative für Exopolitik“ vertreten. Diese versteht sich als Bürgerbewegung und hat keine Rechtsform. Gegründet wurde diese am 1. Juni 2007 durch den Diplom-Dolmetscher und freien Journalisten Robert Fleischer. Fleischer leitet die deutsche Organisation bis heute als „Koordinator“.[13]

Das Kerninteresse der „Deutschen Initiative für Exopolitik“ sind UFOs und die aus einer außerirdischen Präsenz hervorgehenden Implikationen für Politik und Gesellschaft. Die Bewegung kooperiert auch mit den traditionellen UFO-Gruppen in Deutschland wie der MUFON-CES oder DEGUFO. Anders als diese reinen UFO-Forschungsvereine greift Exopolitik Deutschland auch immer wieder esoterische und grenzwissenschaftliche Themen auf, wie zum Beispiel die sogenannte „Freie Energie“, Parapsychologie oder Tonbandstimmen. Hauptmedium von Exopolitik Deutschland ist der eigene Internetauftritt mit dem eigenständig kostenpflichtig produzierten und Online erscheinenden Exo-Magazin. In Deutschland existierten Regionalgruppen von Exopolitik in mehreren Bundesländern, unter anderem in Berlin, Sachsen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Hamburg. Die Hauptaufgabe der Regionalgruppen war die Organisation von Treffen, Vorträge oder regionalen Aktionen.

Medienwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deutsche Initiative für Exopolitik ist mehrfach in den Medien durch Interviews und Stellungnahmen vertreten. Beiträge in Funk- und Fernsehen sind zu finden in ARD[14], WDR[15], ARTE[16] und Deutsche Welle[17]. In der Tagespresse unter Anderem in den Salzburger Nachrichten[18], Stuttgarter Nachrichten und Göttinger Tageblatt[19]. Meist werden die Ansichten von Exopolitik Deutschland als fragwürdig, unglaubwürdig bis hin zu „zum Schmunzeln“ dargestellt.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Disclosure-Bewegung: Eine Bürgerbewegung, welche Regierungsstellen die Kenntnis und Geheimhaltung von Informationen über eine außerirdische Präsenz auf der Erde unterstellt. Ziel ist die offizielle Bestätigung oder Aufdeckung (engl. Disclosure) dieser Informationen. Haupttätigkeitsfeld ist die Sammlung und Zugänglichmachung von Zeugenaussagen und Dokumenten zu diesem Themenkomplex. Quellen sind meist ehemalige Mitarbeiter offiziellen Stellen, insbesondere aus Militär- und Geheimdienstkreisen. Hauptvertreter ist die US-amerikanische Organisation The Disclosure Project und dessen Gründer Steven M. Greer. (disclosureproject.org)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ..a new field of puplic policy, 'exopolitics’, which can be defined as the policy debate over the choices governments and populations need to make in formulating and implementing legislative and policy responses to the presence of ETs in human affairs.“ in: Michael E. Salla: Exopolitics – Political Implications of Extraterrestrial Presence. Dandelion Books, 2004, ISBN 978-1-893302-56-3, S. 2.
  2. Über uns. Exopolitik Deutschland, abgerufen am 23. Juni 2011.
  3. Mission. Exopolitics Institute, abgerufen am 23. Juni 2011.
  4. Ingbert Jüdt: Das UFO-Tabu ist öffentlich, nicht politisch. Ein Kommentar zu Wendt / Duvall, »Sovereignty and the UFO«. Gesellschaft für Anomalistik e. V., 2008, S. 32 ff., abgerufen am 17. Mai 2011 (PDF, deutsch).
  5. Michael Michaud: Prepairing Governments for Contact. In: Contact with Alien Civilizations. Our Hopes and Fears about Encountering Extraterrestrials. Springer, Berlin 2006, ISBN 0-387-28598-9, S. 366 ff.
  6. Albert A. Harrison: Confirmation of ETI: initial organizational response. In: Acta Astronautica. Issue 3, Nr. 53, August 2003, S. 229–236, doi:10.1016/S0094-5765(02)00203-5.
  7. Biografie Steven M. Greer. The Disclosure Project, 6. Dezember 2008, abgerufen am 17. Mai 2011 (englisch).
  8. Rob Watson: UFO spotters slam ’US cover-up’. BBC News, 10. März 2001, abgerufen am 14. April 2011 (HTML, englisch).
  9. Robert Fleischer: UFO-Vertuschung und Desinformation. Vortrag auf der DEGUFO-Frühjahrstagung 2011. In: ExoMagazin – Ausgabe 3/2011. Exopolitik Deutschland, 16. April 2011, abgerufen am 9. Juni 2011 (Video, Ca. ab Minute 71): „Steven Greer ist ein ganz wichtiger Knotenpunkt und Beginnpunkt der Exopolitik Bewegung gewesen. […] Niemand wird bestreiten das seine Pressekonferenz von Mai 2001 legendär war.
  10. Peter Carlson: Ike and the Alien Ambassadors. The Whole Tooth About the President’s Extraterrestrial Encounter. The Washington Post Online, 19. Februar 2004, abgerufen am 28. Juni 2011 (englisch).
  11. Exopolitics Institute: Exopolitics Institute / Founder. exopoliticsinstitute.org, 2011, abgerufen am 14. April 2011 (HTML, englisch).
  12. Robert Fleischer: UFO-Vertuschung und Desinformation. Vortrag auf der DEGUFO-Frühjahrstagung 2011. In: ExoMagazin – Ausgabe 3/2011. Exopolitik Deutschland, 16. April 2011, abgerufen am 9. Juni 2011 (Video, Minute 3 bis 6).
  13. Autorenprofil: Robert Fleischer. NEXUS Magazin, 2010, abgerufen am 24. Juni 2011.
  14. Uwe Behringer: UFOs? Vielleicht gibt es sie ja doch? In: ARD TV-Magazin „Brisant“. 21. Oktober 2008 (Video).
  15. Frederik von Lonski: UFOs? Gibt es sie? In: WDR TV-Magazin „Aktuelle Stunde“. 10. September 2009 (Video).
  16. Malte Fischer, Tabea Tiesler: Aberglaube in Europa – die Sehnsucht nach dem Unerklärlichen. In: ARTE TV-Magazin „Yourope“. 25. April 2010 (Video).
  17. Nick Amies: Despite partial disclosure, Europe’s UFO files remain mostly under wraps. Deutsche Welle, 13. Oktober 2009, abgerufen am 23. Juni 2011 (englisch).
  18. Christian Resch: UFO-Alarm in Knittelfeld. In: Salzburger Nachrichten. 21. November 2009, S. VIII.
  19. Michael Caspar: Ufologe will von Außerirdischen lernen. In: Göttinger Tageblatt. 1. Oktober 2009, S. 10.
  20. 2005 Words of the year to be chosen in Albuquerque. American Dialect Society, 2005, abgerufen am 14. April 2011 (PDF; 196 kB, englisch).