Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen

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Logo der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen

Die Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) ist ein strömungsübergreifender Zusammenschluss anarchistischer Gruppen und Einzelpersonen aus Deutschland und der Schweiz. Es ist nach dem Vorbild einer anarchistischen Föderation aufgebaut und in der Internationale der Anarchistischen Föderationen organisiert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Transparent der Gǎidào auf der Libertären Medienmesse 2014

Seit den 1960er Jahren gab es in der BRD, über die lokalen anarchistischen Gruppen hinaus, immer wieder Ansätze zur Bildung anarchistischer Organisationen. Es bildeten sich immer wieder lokale und regionale Netzwerke, Föderationen, Zeitungsgruppen, Initiativen, Kommunen, selbstverwaltete Betriebe und andere. Der Aufbau einer länderübergreifenden Föderation jedoch gelang trotz diverser Versuche bislang nicht und auch die meisten anderen Organisationsansätze erwiesen sich allzu oft als recht kurzlebig. Am stabilsten waren bisher richtungsspezifische Organisationen wie die Graswurzelbewegung mit der Föderation Gewaltfreier Aktionsgruppen, der es aufgrund ihrer mehr oder minder eingeschränkten Zielgruppen und Wirkungsbereiche nur sehr bedingt gelingen konnte, die Aufgaben eines nicht vorhandenen richtungsübergreifenden anarchistischen Netzwerks in Deutschland stellvertretend auszufüllen.

Den derzeit letzten Versuch eine richtungsübergreifende anarchistische Föderation im deutschsprachigen Gebiet aufzubauen, startete 1989 die I-AFD (Initiative für eine anarchistische Föderation in Deutschland). Bewusst als Initiativgruppe und nicht als Föderation auftretend, um von vornherein Anfeindungen durch den Vorwurf des Anspruchs auf „Alleinvertretung“ oder Ähnliches zu vermeiden, versuchte die I-AFD einerseits ein Netzwerk der bestehenden Gruppierungen anzustoßen und andererseits eine bessere Ansprechbarkeit und Integration der zahlreichen Einzelpersonen zu ermöglichen. Ziel sollte insbesondere eine Steigerung der Wirksamkeit der Aktivitäten, eine stärkere Präsenz in der Öffentlichkeit und ein besserer Informationsfluss sein.

Obwohl nur eine Initiative, wurde die I-AFD in die Internationale der anarchistischen Föderationen (IFA) aufgenommen, um auch die anarchistische Bewegung im deutschsprachigen Gebiet wieder in den internationalen Anarchismus einzubinden.

Im Jahr 2000 wurde bei einem letzten Treffen nach einer Analyse des Zustands, der Mängel, aber auch der Potenziale und Chancen der anarchistischen Bewegung im deutschsprachigen Gebiet der Versuch I-AFD beendet. Die verbliebenen Aktivistinnen und Aktivisten gründeten im Anschluss das Forum deutschsprachiger Anarchistinnen und Anarchisten (FdA), um die aufgebauten internen und internationalen Kontakte aufrechterhalten zu können und weiterhin eine Basis für ein anarchistisches Leben zu ermöglichen.

Ostern 2003 fand das Internationale SekretärInnen-Treffen der IFA (Crifa) erstmals im deutschsprachigen Raum statt. Motiviert durch die Berichte von und direkten Kontakte zu Anarchisten aus anderen Ländern auf dem Treffen entstand daraufhin aus dem lockeren Netzwerk „Anarchistisches Regionaltreffen Rhein-Neckar-Pfalz“ die „Anarchistische Föderation Rhein-Neckar-Pfalz (AF RNP)“. Als regionale Föderation hat sie sich dem FdA angeschlossen. Durch eine Vernetzungsinitiative der AF RNP im Sommer 2003 konnten weitere Kontakte zu anarchistischen Gruppen im deutschsprachigen Raum geknüpft werden.

Auf dem Jahrestreffen der FdA in Elmstein, Februar 2004, wurden die Strukturen, Grundsätze und Ziele des FdA konkretisiert und ein Maßnahmenkatalog für den weiteren Aufbau und die Arbeit erstellt. Auf den beiden Kongressen in Köln 2005 wurde eine Prinzipienerklärung mit Statuten erarbeitet und angenommen. Seitdem findet unregelmäßig ein Kongress an verschiedenen deutschsprachigen Orten statt. Das FdA hatte 2008 etwa fünf Gruppen und 80 Personen als Mitglieder in Deutschland und der Schweiz. Im November 2012 verdoppelte das FdA ihre Zahl lokaler Gruppen mit dem Beitritt des Anarchistischen Netzwerks Südwest auf über 20.[1] Mit dem A4 Druckerei-kollektiv aus Zürich im selben Monat wurde der erste Betrieb Mitglied des FdA.[2] 2013 benannte sich das Forum in Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen um.

verschiedene Ausgaben der Gǎidào

Seit Januar 2011 gibt das FdA die Gǎidào (chin.: einen anderen Weg gehen) als Zeitung der anarchistischen Föderation (FdA-IFA) heraus. Sie erscheint monatlich als Onlinemagazin und ist seit Januar 2013 auch in gedruckter Form erhältlich.

Mitgliedsorganisationen 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gruppe Lokale Föderation
A & O – Anarchistische Aktion und Organisierung aus Kassel keine
Anarchistische Gruppe Dortmund Anarchistische Föderation Rhein/Ruhr
Anarchistische Gruppe Krefeld Anarchistische Föderation Rhein/Ruhr
Anarchistische Gruppe Östliches Ruhrgebiet Anarchistische Föderation Rhein/Ruhr
Anarchistisches Kollektiv Köln Anarchistische Föderation Rhein/Ruhr
Schwarze Ruhr-Uni Anarchistische Föderation Rhein/Ruhr
Anarchistische Gruppe Mannheim Anarchistisches Netzwerk Südwest*
Anarchistische Initiative Kaiserslautern Anarchistisches Netzwerk Südwest*
Anarchistisches Netzwerk Tübingen Anarchistisches Netzwerk Südwest*
Libertäre Gruppe Heidelberg Anarchistisches Netzwerk Südwest*
Libertäre Gruppe Karlsruhe Anarchistisches Netzwerk Südwest*
Libertäres Bündnis Ludwigsburg Anarchistisches Netzwerk Südwest*
nigra (Einzelmitglied) Anarchistisches Netzwerk Südwest*
ASJ Bonn keine
ASJ Göttingen keine
ASJ Leipzig keine
Auf der Suche (Nürnberg) keine
Anarchistische Gruppe Neukölln keine
Anarchistisches Kaffeekränzchen Berlin keine
Anarchistisches Kollektiv Glitzerkatapult keine
Anarchistisches Radio Berlin keine
AK Freizeit Libertäres Netzwerk Dresden
Interessenkreis Dokumentation Libertäres Netzwerk Dresden
lava muc – Anarchistische Assoziation keine
Libertäre Aktion Frankfurt (Oder) keine
Schwarz Lila Antifa (Thüsterberg) keine
A4 Druckerei-Kollektiv Zürich keine
Karakök Autonome keine

[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank Pfeiffer, Forum deutschsprachiger Anarchist*innen: Kurze Weltgeschichte des Faschismus. Ursprünge und Erscheinungsformen faschistischer Bewegungen und Herrschaftssysteme (= Reihe Antifaschistische Politik. Band 7). 1. Auflage. edition assemblage, Münster 2013, ISBN 978-3-942885-41-6.
  • Marcos Denegro / Anarchistische Föderation Berlin: Anarchistisches Wörterbuch. Eine Orientierungshilfe durch den Begriffsdschungel anarchistischer und emanzipatorischer Bewegungen. 1. Auflage. edition assemblage, Münster 2014, ISBN 978-3-942885-47-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anarchistisches Netzwerk Südwest* schließt sich dem Forum deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) an auf der Website des FdA, 7. November 2012
  2. Anarchistische Gruppe Köln und libertäres A4-Druckereikollektiv nun Teil des Forums deutschsprachiger Anarchist*innen auf der Website des FdA, 18. November
  3. Gruppen und Föderationen in der FdA. Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen, abgerufen am 11. Oktober 2016.