Fördergersdorf

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Fördergersdorf
Stadt Tharandt
Bis 1973 gültiges Ortswappen von Fördergersdorf
Koordinaten: 50° 59′ 46″ N, 13° 32′ 23″ O
Höhe: 326 m
Fläche: 3,21 km²
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Eingemeindet nach: Kurort Hartha
Postleitzahl: 01737
Vorwahl: 035203
Karte
Lage von Fördergersdorf in Tharandt
Forder Goersdorff und Zeitler auf einer Landkarte des 18. Jh.
Vorder Gersdorf in der Karte von Oberreit 1821/22
Blick vom Kirchturm via Pfarrhof über den Ort
Begrüßungstafel am Ortseingang aus Richtung Tharandt
Stein der Ruhe am Kirchweg

Fördergersdorf ist als staatlich anerkannter Erholungsort ein Ortsteil der Ortschaft Kurort Hartha in der sächsischen Stadt Tharandt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Fördergersdorf hat eine Fläche von rund 3,21 km²[1] und liegt nördlich des Tharandter Waldes. Im Nordwesten geht die Bebauung der ehem. Zeidlergemeinde des Oberdorfes mit dem Pohrsdorfer Rand und Glücks Wiese fast nahtlos in den Ort Pohrsdorf über, der ebenfalls ein Tharandter Ortsteil ist. Westlich gehören Teile von Spechtshausen und südlich Teile von Kurort Hartha zur Gemarkung Fördergersdorf. Zudem bildet der Ort eine eigene Gemarkung. Das Dorf erstreckt sich entlang des Fördergersdorfer Baches, der am unteren Ortsausgang in den Scheibenbach mündet.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um Fördergersdorf liegen die Orte:[2]

Pohrsdorf Grumbach Braunsdorf
Nachbargemeinden Klein-, Großopitz
Spechtshausen, Grillenburg Kurort Hartha Tharandt

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fördergersdorf wurde zusammen mit Hintergersdorf als Waldhufendorf angelegt und soll 1205 durch den 1223 urkundlich erwähnten Kolonisten des Meißner Bischofs Bruno II. von Porstendorf, Gerhardus miles de Kezcelesdorph, im Zuge einer schmalen Siedlungstrasse aus Richtung Kesselsdorf, über das nach dem Bischof benannte Braunsdorf, im Zuge des späteren Fürstenweges entstanden sein. Fördergersdorf wird in einer mehrfach zitierten, aber offenbar nicht mehr vorhandenen kirchlichen Urkunde von 1307 als Gerhartsstorf erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort hat noch einen Ortsteil Zeidler,[3] der heutige Pohrsdorfer Rand in der Ortslage Pohrsdorf[4] und war 1378 zum Castrum Tharandt gehörig. 1550 gehörte Fördergersdorf zum Amt Tharandt-Grillenburg.[5]

Fördergersdorf war von 1856 bis 1875 dem Gerichtsamt Tharandt angehörig, danach der Amtshauptmannschaft Dresden. Im Zuge der DDR-Kreisreform 1952 wurde Fördergersdorf Teil des Kreises Freital (später Landkreis). Am 1. Januar 1973 endete die Selbstständigkeit des Ortes durch die Eingemeindung nach Kurort Hartha,[6] verbunden mit der staatlichen Anerkennung als Erholungsort. 1994 wurden Fördergersdorf und die anderen Harthaer Ortsteile zum neu gebildeten Weißeritzkreis geordnet. Seit 1999 ist Fördergersdorf per Gesetz ein Teil der Ortschaft Kurort Hartha und Ortsteil der Stadt Tharandt.[4] 2008 ging Fördergersdorf in den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge über. Im Dezember 2010 erfolgte die erneute staatliche Anerkennung als Erholungsort. 1993 belegt Fördergersdorf den 3. Platz im Kreiswettbewerb Unser Dorf soll schöner werden und nahm 2014 ebenfalls erfolgreich am Kreiswettbewerb Unser Dorf hat Zukunft teil.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl[4]
1550/51 15 besessene Mann, 17 Inwohner, 17 Hufen (ohne Zeidler)
1764 29 besessene Mann, 6 Gärtner, 16 Häusler, 17 Hufen
1834 421
1871 510
Jahr Einwohnerzahl
1890 495
1910 532
1925 541
1939 500
Jahr Einwohnerzahl
1946 710
1950 763
1964 596
2013 411

Ortsnamenformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1307 wurde der Ort „Gerhartsstorf“ genannt, 1378 „Grozin-Gerhartstorf“ und 1447 „Fordirgerstorff“. 1537 als „Vorder Gerßdorff“ erwähnt, wurde Fördergersdorf im Jahr 1550 „Ober Gersdorff“, 1551 „Grosgersdorf“, 1551 „Forder Girsdorff“ und 1634 als „Förder Gärsdorff“ bezeichnet. 1791 kam die heutige Bezeichnung Fördergersdorf vor, die sich jedoch erst Anfang des 20. Jahrhunderts durchsetzte.[4][7]

Feuerlöschwesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschronik von Reinhold Kaiser (1890–1987) aus Fördergersdorf berichtet, dass 1769 die Anschaffung einer Handdruckspritze und 1784 der Bau des Spritzenhauses erfolgten. Davon kündete einst auch ein Spruch auf dem historischen Schlussstein am alten Spritzenhaus, der jetzt auf einer Gedenktafel am heutigen Feuerwehrhaus zu lesen ist:

Ich dien einen jeden Hertzlich gern in Feuers Noth nah oder Fern. Ach wolte Gott ich häde Ruh, und damit nichts zu thun. Anno 1769 bin ich von der Gemeinde angeschafft und 1784 überbauet worden. Johann Gottlieb Wustlich Zimmer Meister alhier.

1906 entstand ein neues Spritzenhaus am Dorfplatz. Bis zum Jahre 1939 bestand im Ort eine Pflichtfeuerwehr, in der alle arbeitsfähigen Männer mitwirken mussten. 1939 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. 1946 bekam die Feuerwehr ihre erste Motorspritze. Das jetzige Feuerwehrhaus wurde 1968 als Geräte- und Gemeindehaus am historischen Standort der alten Spritzenhäuser errichtet und 1999 umfassend erneuert, sowie 2011/12 um- und ausgebaut. Nach den Gemeindegebietsreformen von 1973 und 1999 bestand die Feuerwehr Fördergersdorf als aktive Kommandostelle weiter, die bis heute als Ortsfeuerwehr auch den Mittelpunkt des kulturellen Lebens im Ort mit zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen bildet.

Pfarrhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Pfarrhaus errichtete man nach der Reformation, die in Fördergersdorf 1539 Einzug hielt, im Jahre 1581 auf älteren Grundmauern neu. Über dessen Kellergewölben entstand 1701 das heutige, stattliche Gebäude mit einem teilweise verbretterten Fachwerkobergeschoss. Bemerkenswert darin ist ein versteckter Geheimraum für die Pfarrdokumente in Kriegszeiten. Der Dreiseithof besteht des Weiteren aus einem Wohnstallhaus und einer Scheune, die nach dem Brand des Hofes 1797 wohl auch auf älteren Grundmauern neu entstanden.

Gasthof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben einem schon 1539 genannten Hopfengarten gehörte seit 1555 ein Brauhaus zur Fördergersdorfer Pfarre. Denn der Pfarrer hatte, neben dem Ortsrichter, in Fördergersdorf von alters her ein abgabenfreies Braurecht, durfte so viel Bier brauen und an die Einwohner verkaufen, wie er wollte, nur im Pfarrhaus selbst nichts ausschenken. Was jedoch in der örtlichen Schmiede erfolgte. Erst 1844 wurde mit dem Verkauf des Schankrechtes an den neuen Gasthof dieser sogenannte Reihenschank beendet. Der Gasthof besteht heute noch unter dem Namen Altes Wirtshaus.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dorfkirche, im Kern romanische Saalkirche mit mittelalterlichen Wandbildern
  • Pfarrhof (17./18. Jahrhundert), auf Grundmauern aus dem 16. Jahrhundert und Friedhofsmauer (17./19. Jahrhundert) mit historischen Grabsteinen
  • Jagdsäule von 1737 (Nachbildung) sowie Reformations- und Wettindenkmal von 1817/99 am Dorfplatz
  • Kirchschule von 1894 mit Wappenstein, 1977–2013 Kindergarten, heute Dorfgemeinschaftshaus
  • Kriegerdenkmale Erster Weltkrieg und Zweiter Weltkrieg an und in der Kirche
  • Stein der Ruhe von 1780 - ehemaliger Trägerwechselstein für die Sargträger am Kirchweg Hintergersdorf - Fördergersdorf
  • zwei hölzerne Figurenbienenbeuten aus dem 19. Jahrhundert - ausgestellt im Foyer vom Museum für Sächsische Volkskunst in Dresden, nachgebildet in Annaberg-Buchholz, Parkstr. 21 und gelistet im Deutschen Landwirtschaftsmuseum Schloss Blankenhain

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen, Zwickau, 1815, Bd. 2, S. 661.
  • Kurt Osk. Lehm: Aus Vergangenheit und Gegenwart der bei Tharandt gelegenen Orte Hartha, Grillenburg, Fördergersdorf, Hintergersdorf, Spechtshausen und Porsdorf. Selbstverlag, 1904.
  • Cornelius Gurlitt: Fördergersdorf. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 24. Heft: Amtshauptmannschaft Dresden-Altstadt (Land). C. C. Meinhold, Dresden 1904, S. 40.
  • Edith Wagner: Ortschronik Kurort Hartha. Gemeinde Kurort Hartha (Hrsg.), 1953.
  • Zwischen Tharandter Wald, Freital und dem Lockwitztal (= Werte unserer Heimat. Band 21). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1973, S. 16ff.
  • André Kaiser: 75 Jahre Kurort Hartha, in: Rund um den Tharandter Wald - Amtsblatt der Stadt Tharandt, Ausgabe November 2008
  • André Kaiser: 140 Jahre Erholungsort - die Entwicklung des Erholungswesens in Kurort Hartha, in: Rund um den Tharandter Wald - Amtsblatt der Stadt Tharandt, Ausgabe August 2009
  • Lars-Arne Dannenberg, Vincenz Kaiser: Wilsdruff im Hochmittelalter. Überlegungen zur Besiedlung des Wilsdruffer Landes und zur Entstehung der Stadt unter besonderer Berücksichtigung der Jakobikirche. (= Neues Archiv für sächsische Geschichte. 80. Band). Verlagsdruckerei Schmidt, 2009, ISBN 978-3-87707-769-6.
  • André Kaiser: 140 Jahre Erholungsort - die Entwicklung des Erholungswesens in Kurort Hartha. In: Rund um den Tharandter Wald. Amtsblatt der Stadt Tharandt, Ausgabe August 2009.
  • Verkehrs- und Verschönerungsverein Tharandter Wald (Hrsg.): Kurort Hartha und Umgebung. Geiger-Verlag, Horb 2012, ISBN 978-3-86595-493-0.
  • Susan Dürichen: Erläuterungsbericht zur Anmeldung zum 9. Sächsischen Landeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" - Fördergersdorf, Stadtverwaltung Tharandt, 2014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fördergersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. tharandt.de (Memento vom 21. Juli 2010 im Internet Archive)
  2. maps.google.com
  3. André Kaiser: Die Zeidler von Fördergersdorf und Hartha. In: Harthaer Gemeindeblätt´l. Amtsblatt der Gemeinde Kurort Hartha, Oktober 1995, S. 6.
  4. a b c d Fördergersdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  5. Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 13640, Gemeinde Fördergersdorf, 18.-19. Jh.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  7. Ernst Eichler (Hrsg.), Volkmar Hellfritzsch (Hrsg.), Hans Walther (Hrsg.) und Erika Weber (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, Berlin, 2001, Bd. 1, S. 305.