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Pohrsdorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Pohrsdorf
Stadt Tharandt
Ortswappen von Pohrsdorf mit dem Borsdorfer Apfelbaum in der amtlichen Form von 1995
Koordinaten: 51° 0′ N, 13° 32′ OKoordinaten: 50° 59′ 48″ N, 13° 31′ 41″ O
Höhe: 340 (315–400) m
Fläche: 3,15 km²[1]
Einwohner: ca. 527 (2011)[1]
Bevölkerungsdichte: 167 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1999
Postleitzahl: 01737
Vorwahl: 035203
Karte
Lage von Pohrsdorf in Tharandt
Borsdorff in einer Landkarte aus dem 18. Jahrhundert
Blick vom Landberg am Tharandter Wald auf den Ort mit Begrüßungstafel
Kleine Glocke der Fördergersdorfer Kirche von 1956 am Spritzenhaus
Rekonstruierte Ortstafel an der Straße zwischen Pohrsdorf und Grumbach zur Markierung der Flurgrenze, aufgestellt Ende 19. Jh.
Königlich-sächsische Postkutsche an der Wettineiche in Pohrsdorf

Pohrsdorf ist ein Ortsteil der sächsischen Stadt Tharandt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Die Fläche des Ortsteils besteht aus der gleichnamigen Gemarkung.

Geographische Lage

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Pohrsdorf liegt nördlich des Tharandter Waldes. Im weiteren Norden von Pohrsdorf verläuft die Bundesstraße 173. Die Bebauung des Ortes geht fast nahtlos in die des angrenzenden Tharandter Ortsteils Fördergersdorf über.

Umliegende Orte Pohrsdorfs sind:

Herzogswalde Grumbach
Grillenburg Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt
Spechtshausen Fördergersdorf

Das Waldhufendorf Pohrsdorf entstand 1215 durch den auf der Burg Tharandt ansässigen Vasallen der Markgrafen von Meißen, Boriwo de Tarant, als Boriwos Dorf, wurde 1349 erstmals urkundlich erwähnt und gehörte 1378 zum Castrum Dresden.[2] Der Ort, eine Ausgründung aus der Flur Grumbach, wurde im 16. Jh. mit der Züchtung des Borsdorfer Apfels in Verbindung gebracht. Dieser Apfelbaum findet sich auch im historischen Ortswappen. Gepfarrt wurde Pohrsdorf 1539 nach Grumbach. Die Grundherrschaft übte 1551 das Rittergut Wilsdruff aus.[3] Ab 1696 war Pohrsdorf dem Amt Dresden zugehörig. Von 1816 bis 1843 hatte auch das Amt Grillenburg einen Anteil an dem Ort.[2] Im Jahr 1856 ging Pohrsdorf zum Gerichtsamt Tharandt über und 1875 zur Amtshauptmannschaft Dresden. 1959 wurde Pohrsdorf nach Fördergersdorf umgepfarrt. Im Zuge der Kreisreform 1952 wurde Pohrsdorf Teil des Kreises Freital (später Landkreis) und ging 1994 in den neuen Weißeritzkreis über. Am 1. Januar 1999 verlor Pohrsdorf seine Selbstständigkeit und wurde per Gesetz zusammen mit dem Kurort Hartha und Tharandt zur Stadt Tharandt vereinigt.[2] Der Ortsteil hat den Status einer Ortschaft nach der Sächsischen Gemeindeordnung und damit gemäß ihrer Ortschaftsverfassung einen Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.[4][5] 2008 ging Pohrsdorf in den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge über. Im Dezember 2010 erfolgte die staatliche Anerkennung als Erholungsort, was bis 2023 Bestand hatte.

Partnergemeinde ist seit 1990 Ibach im Schwarzwald.

Entwicklung der Einwohnerzahl

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JahrEinwohnerzahl[2]
155118 besessene Mann, 2 Häusler, 20 Inwohner
1748/6426 besessene Mann, 7 Gärtner, 12 Häusler, 17 ½ Hufen
1834331
1871409
JahrEinwohnerzahl
1890423
1910401
1925428
1939415
JahrEinwohnerzahl
1946540
1950499
1964383
1990322

Beim Zensus 2022 wurden die Ortsteil Pohrsdorf und Spechtshausen insgesamt ca. 760 Einwohner gezählt.[6]

Sehenswürdigkeiten

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Persönlichkeiten

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  • Paul Leuteritz (1867–1919), Maler und Illustrator, wurde in Pohrsdorf geboren.
  • Walter Kaiser (1923–1965), Ingenieur, erster Betriebsleiter (technischer Direktor) des Fernsehkolbenwerkes (FSKW) Friedrichshain (Hersteller der ersten Fernsehbildschirme der DDR), wurde in Pohrsdorf (heute: Dorfstr. 85) geboren.
  • Klaus Knabe (1939–2012), Stifter des DDR-Museums Gegen das Vergessen in Pforzheim, wurde in Pohrsdorf geboren.[7]
  • Kurt Osk. Lehm: Aus Vergangenheit und Gegenwart der bei Tharandt gelegenen Orte Hartha, Grillenburg, Fördergersdorf, Hintergersdorf, Spechtshausen und Porsdorf. Selbstverlag, 1904.
  • Artur Schirmer: Auszüge aus „Die Chronik meiner Heimat“. Festschrift zum Schul- und Heimatfest in Pohrsdorf. Gemeinde Pohrsdorf (Hrsg.), 1954.
  • Artur Schirmer: Pohrsdorfer Chronik. Teil 1, Pohrsdorf 1967.
  • Zwischen Tharandter Wald, Freital und dem Lockwitztal (= Werte unserer Heimat. Band 21). Akademie-Verlag, Berlin 1973, S. 16 ff.
  • Kulturbund der DDR, Ortsgruppe Tharandt (Hrsg.): Der Tharandter Wald, Forststadt Tharandt. (= Beiträge zur Heimatgeschichte. Heft 7). Tharandt 1982.
  • Gotthard Tamme: Historisches Pohrsdorf, Eigenverlag, 1991.
  • Lars-Arne Dannenberg, Vincenz Kaiser: Wilsdruff im Hochmittelalter. Überlegungen zur Besiedlung des Wilsdruffer Landes und zur Entstehung der Stadt unter besonderer Berücksichtigung der Jakobikirche. (= Neues Archiv für sächsische Geschichte. 80. Band). Verlagsdruckerei Schmidt, 2009, ISBN 978-3-87707-769-6.
Commons: Pohrsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Gemarkung Pohrsdorf, Stadt Tharandt. In: GEOindex. Abgerufen im Februar 2026.
  2. 1 2 3 4 Pohrsdorf im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  3. Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10655, Grundherrschaft Wilsdruff
  4. Ortschaftsräte. In: Webauftritt. Stadt Tharandt, abgerufen im Februar 2026.
  5. tharandt.de (Memento vom 21. Juli 2010 im Internet Archive).
  6. Pohrsdorf-Spechtshausen: Ortsteile von Tharandt. (Aus 100 Meter-Gitter sowie Geometrien für "Ortslagen" berechnet). In: www.citypopulation.de - Population Statistics. Online-Dienst für Statistiken, abgerufen im Februar 2026.
  7. Klaus Knabe im Stadtwiki Pforzheim-Enz.