F. J. Burrus

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F. J. Burrus war eine 1830 gegründete schweizerisch-französische Tabakwarengesellschaft, die 1996 von Rothmanns International übernommen wurde.

Die Anfänge im 19. Jahrhundert in der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie Burrus bewirtschaftete einen Hof in Bernardvillé im Elsass und baute Tabak und Wein an. 1820 mieteten Martin Burrus und zwei weitere Elsässer den Bauernhof Milandre in Boncourt in der Schweiz, der an der Grenze zu Frankreich liegt.[1]

Boncourt (Jura suisse)

Die Familien bauten Tabak an und verarbeiteten ihn weiter, bald beschafften Martin Burrus und seine Söhne Tabak auch aus der Pfalz in Deutschland und Payenne in der Schweiz.[2] 1830 starb Martin Burrus und sein Sohn konzentrierte sich auf Tabakhandel und Verarbeitung und zog mit dem Betrieb an den nahe gelegenen Fluss Allaine, um dort die Wasserkraft nutzen zu können. Er kaufte den Tabak nicht mehr selbst bei den Bauern, sondern bezog ihn von Händlern. Er beschloss, seinen Tabak F. J. Burrus zu nennen, also eine Marke zu etablieren.[3] Die Geschäfte gingen gut und 1852 zog F.J. Burrus in den Ort Boncourt um und baute eine kleine Manufaktur. Die Geschäfte florierten weiter, bald beschäftigte er einige Dutzend Arbeiter und seine vier Söhne wurden Teilhaber der Firma. Der Tabak wurde in den Sorten grob, mittel und fein produziert und unter unterschiedlichen Marken verkauft, zusätzlich importierte die Firma Zigarren aus der Karibik und produzierte später selbst welche.[4] 1869 übergab François-Joseph Burrus die Firma an seine Söhne. Ab 1876 begann Burrus mit der Produktion von Zigaretten.[5]

Boncourt Chateau Maurice Burrus

Wachstum und Modernisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg wurde das Elsass deutsch. François-Joseph Burrus sah darin eine Chance, wieder im Elsass Tabakprodukte herzustellen, da das französische Staatsmonopol im Elsass abgeschafft worden war. Er überzeugte seinen Sohn Martin, in Sainte-Croix-aux-Mines eine Zweigstelle zu eröffnen. Zusammen mit seinem Bruder Pierre-Jules begann Martin, eine Tabakfabrik zu bauen, wieder an einem Wasserlauf, um die Energie zu nutzen.[6] Diese Fabrik belieferte das Deutsche Reich.

Die Zigarette wurde ein großer Erfolg, um der Nachfrage gerecht zu werden, modernisierte die Familie die Produktion: Elektrizität ersetzte die Wasserkraft, Mechanisierung ersetzte die Handarbeit. Die Firma kaufte Tabak im Orient und in Amerika und kreierte Marken, die berühmt wurden: Pacha, Calife, Fleur d'Orient erinnerten an den Orient, Gradzdanskie an Russland. Eine neue blonde Sorte aus amerikanischen Tabaksorten wurde La Parisienne getauft und wurde sofort ein großer Erfolg.[7]

F.J. Burrus im 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gesteigerte Nachfrage macht die Familie reich, man sprach von den 3 Bs der Schweiz: Bührle, Boveri und Burrus.[8] 1911 übernimmt Albert Burrus die Leitung der Firma. Während seiner Ausbildung war er in Bremen und hat dort moderne Industriebetriebe kennengelernt. Im Vergleich dazu waren die Arbeitsbedingungen in Boncourt sehr schlecht: 11 Stunden Tage, veraltete Maschinen, Hitze und Lärm, und dazu ein sehr niedriger Lohn. Auch unter dem Eindruck der päpstlichen Enzyklika Rerum novarum von Papst Leo XIII. beschloss er, die Bedingungen zu verbessern.[9] Er baute eine neue Werkhalle mit vorbildlicher Ausstattung. Er führte eine Familienbeihilfe ein und eine Krankenversicherung für die Arbeiter, eine der ersten in der Schweiz.[10] 1919 führte er die 48-Stunden-Woche ein. 1940 übernahm Léon, der Sohn von Albert, die Leitung der Firma. Wieder stellte er fest, dass die Fabriken nicht mehr dem Stand der Technik entsprachen und begann ab 1940 eine moderne Fabrik zu bauen. Während des Krieges war die Fabrik nicht ausgelastet, aber nach dem Waffenstillstand 1945 konnte sie die gesteigerte Nachfrage befriedigen, viele Konkurrenten waren zerstört.[11] 1949 wurde die französische Fabrik in Sainte-Croix-aux-Mines nationalisiert, die Produktion wurde in der Schweiz konzentriert.[12] Von 1953 bis 1956 wird eine weitere, größere Fabrik gebaut und die Produktion erreicht 2,5 Milliarden Zigaretten.[13] Nach der Übernahme der Firma Turmac wird eine weitere Fabrik gebaut, die Produktion erreicht 6 Milliarden Zigaretten pro Jahr.[14]

Am 1. Januar 1979 wurde die Handelsgesellschaft in eine AG umgewandelt, 1984 in eine Holding. Die Hauptaktionäre in der sechsten Generation, Charles, Ghislain und Paul Burrus, verkauften das Unternehmen 1996 an die niederländische Gruppe Rothmans International. Burrus machte zu diesem Zeitpunkt einen Umsatz von 525 Millionen Schweizer Franken.[15] und erzielte einen Marktanteil von 27 % in der Schweiz.[16] 1999 fusionierte Rothmanns mit der British American Tobacco Switzerland AG, die seit 1920 einen Firmensitz in der Schweiz unterhält.[17] Das Nachfolgeunternehmen in Boncourt geriet ab den 2010er Jahren unter Druck: Die hohen Lohnkosten in der Schweiz beeinträchtigten die Rendite, es wurden Arbeitsplätze abgebaut.[18]

Mitarbeiter F. J. Burrus[19]
Jahr 1900 1950 1974 1991
Mitarbeiter 100 350 600 400

Weitere industrielle Aktivitäten der Familie Burrus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Tabakindustrie war die Familie in zwei weiteren Branchen erfolgreich, das Kapital kam von den Erträgen von F. J. Burrus:

  • Lebensversicherung und Kapitalanlage: Afi Esca, gegründet 1922 von Maurice Burrus.
  • Genussmittel und Gastronomie: Jean-Paul Burrus, der die kleine Schokoladenfabrik seines Vaters ab 1977 zu einer Gruppe von Schokoladenherstellern, Kaffee- und Tee-Handelsgesellschaften und einer Gastronomiekette erweiterte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Philippe Turrel: La saga des Burrus. S. 21.
  2. Philippe Turrel: La saga des Burrus. S. 23.
  3. Philippe Turrel: La saga des Burrus. S. 26 f.
  4. Philippe Turrel: La saga des Burrus. S. 29.
  5. Philippe Turrel: La saga des Burrus. S. 31.
  6. Philippe Turrel: La saga des Burrus. S. 32.
  7. Philippe Turrel: La saga des Burrus. S. 38.
  8. Philippe Turrel: La saga des Burrus. S. 90.
  9. Philippe Turrel: La saga des Burrus. S. 62 ff.
  10. Philippe Turrel: La saga des Burrus. S. 71.
  11. Philippe Turrel: La saga des Burrus. S. 140 ff.
  12. Du tabac au cacao, les terres fertiles des Burrus. In: Bilan - média de référence dans le domaine économique en Suisse romande. Tamedia Publications romandes SA, 14. Januar 2018, abgerufen am 25. Juni 2022 (französisch).
  13. Philippe Turrel: La saga des Burrus. S. 153.
  14. Philippe Turrel: La saga des Burrus. S. 155 f.
  15. Acquisition by Rothmans International of the Burrus Group. Rothmans International, 28. Juni 1996, abgerufen am 25. Juni 2022 (englisch).
  16. Serge Jubin: La bonne fortune des Burrus, grâce au tabac. In: Le Temps (Schweizer Tageszeitung). 6. September 2017, abgerufen am 27. Juni 2022 (französisch).
  17. Emma Chatelain: Burrus F. J. & Cie SA. In: Lexikon des Jura.ch. 6. Mai 2008, abgerufen am 23. Juni 2022.
  18. Davide Scruzzi: Auch im Parisienne-Dorf duftet der Tabak nicht mehr so süss. In: Neue Züricher Zeitung. 22. März 2014, abgerufen am 25. Juni 2022.
  19. François Kohler: Burrus. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). 3. November 2004, abgerufen am 23. Juni 2022.