Felix Austria

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für den Nahrungsmittelhersteller siehe Felix Austria (Unternehmen).

Mit der Wendung Felix Austria oder Tu felix Austria wird den Österreichern eine besonders glückliche Veranlagung oder Lebensart nachgesagt.

Die Phrase stammt aus einem lateinischen Distichon, das die erfolgreiche Heiratspolitik des jahrhundertelangen österreichischen Herrscherhauses, der Habsburger, charakterisierte:

Bélla geránt aliī, tú felix Áustria nūbe.
Nám quae Márs aliīs, dát tibi díva Venūs.
Kriege führen mögen andere, du, glückliches Österreich, heirate.
Denn was Mars den anderen, gibt dir die göttliche Venus.

Zu Entstehung und Vorbildern des Distichons aus der Barockzeit siehe Heiratspolitik der Habsburger#Identitätsstiftendes Motto.

Erst in der jüngsten Vergangenheit fand die Wendung, verkürzt auf „felix Austria“ und teils bezogen auf die Nationalallegorie Austria, Eingang in die Umgangssprache. Der Ausdruck wurde vom ursprünglichen Sinn übertragen, etwa auf die Lebensweise der österreichischen Bevölkerung, den (vermeintlich) glücklichen Zustand des Staates, beispielsweise seines Rechtssystems[1] und Kulturbetriebs[2] oder den Luxus der öffentlichen Sphäre, sich mit „frivolen Nebensächlichkeiten“ beschäftigen zu können.[3] Der britische Germanist Anthony Bushell hat den Begriff 2013 für das in offiziellen Statements dominante Narrativ aufgegriffen, das erfolgreiche Nachkriegsösterreich von jedem Bezug zur Vergangenheit vor 1945 freizuhalten.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stephan Vajda: Felix Austria. Eine Geschichte Österreichs. Ueberreuter, Wien 1980, ISBN 3-8000-3168-X, Kapitel „Felix Austria. Der österreichische Weg nach 1945“, S. 593–601.
  • Anthony Bushell: Polemical Austria. The Rhetorics of National Identity from Empire to the Second Republic. University of Wales Press, Cardiff 2013, ISBN 978-0-7083-2604-6, Kapitel „Felix Austria?“, S. 15–25.

Belege[Bearbeiten]

  1. Z. B. Birgit Weitemeyer: Stiftungsland Österreich – Felix Austria? Aktuelle Entwicklungen und Tendenzen im Zivil- und Steuerrecht. In: npoR. Zeitschrift für das Recht der Non-Profit-Organisationen ISSN 1868-3770, Bd. 1, 2009, Nr. 4, S.109 f.; Wolfgang Kessler: Tu felix Austria? Lehren aus der österreichischen Gruppenbesteuerung. In: Der Betrieb. ISSN 0005-9935, Bd. 62, 2009, Nr. 51/52, S. 2737–2741; Axel Reidlinger, Franz Stenitzer: Kartellrechtsvollzug in Österreich. Tu felix Austria? In: Zeitschrift für vergleichende Rechtswissenschaft. ISSN 0044-3638, Bd. 113, 2014, Nr. 3, S. 425–443.
  2. Małgorzata Leyko, Artur Pełka, Karolina Prykowska-Michalak: Felix Austria, Dekonstruktion eines Mythos? Das österreichische Drama und Theater seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Litblockin, Fernwald 2009, ISBN 978-3-932289-07-1.
  3. Charles E. Ritterband: Dem Österreichischen auf der Spur. Expeditionen eines NZZ-Korrespondenten. Böhlau, Wien / Köln / Weimar 2010, ISBN 978-3-205-78399-2, Artikel „Tu felix Austria (Februar 2008)“, S. 112.
  4. Geoffrey C. Howes: Rezension zu Bushell. In: Journal of Austrian Studies. Bd. 47, 2014, Nr. 4, doi:10.1353/oas.2014.0060, S. 145–147.