Felix Austria

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für den Artikel zu einem österreichischen Nahrungsmittelhersteller siehe Felix Austria (Unternehmen)

Mit dem Ausspruch Felix Austria wird den Österreichern eine besonders glückliche Veranlagung oder Lebensart nachgesagt. Das zugrunde liegende Zitat bezieht sich jedoch nicht auf die Bevölkerung, sondern auf die Heiratspolitik der Habsburger.

Das Distichon lautet vollständig:

Latein Deutsche Übersetzung
Bélla geránt aliī, tú felix Áustria nūbe.
Nám quae Márs aliīs, dát tibi díva Venūs.
Kriege führen mögen andere, du glückliches Österreich, heirate.
Denn was Mars (den) anderen (verschafft), gibt dir die göttliche Venus.

Gemeint ist, das Haus Habsburg verstehe es, seine Macht weniger durch Kriege, eher durch politisch motivierte Heiraten (Heiratspolitik) zu sichern.

Erst in der jüngsten Vergangenheit fand es Eingang in die Umgangssprache, allerdings unter Verkürzung des originalen Textes und Übertragung auf die Lebensweise.

Herkunft[Bearbeiten]

Eine Parallele dazu, möglicherweise die älteste Vorlage, findet man in der Ilias (5,428f), wenn Zeus Aphrodite tröstet mit den Worten:
οὔ τοι, τέκνον ἐμόν, δέδοται πολεμήια ἔργα, / ἀλλὰ σύ γ' ἱμερόεντα μετέρχεο ἔργα γάμοιο!
Dir nicht, mein Kind, sind gegeben die kriegerischen Taten,
nein, sondern du geh aus auf Werke der Liebe und Ehe!
Eine alte Vorlage kann auch eine Stelle in einem Epos des Ovid (Heroides 13,84) sein. Im Trojanischen Krieg sprang der Held Protesilaos als erster Grieche aus seinem Schiff auf das angegriffene Festland und wurde auch als erster getötet. Um seine Witwe Laodameia zu trösten, erlaubten die Götter dem Getöteten, noch drei glückliche Stunden im Bett seiner Gemahlin zu verbringen. Als sie verstrichen waren, brach auch ihr das Herz, und so durfte das Paar vereint in die jenseitige Welt ziehen. Die Entscheidung der Götter lautet knapp:
Latein Deutsche Übersetzung
Bella gerant alii, Protesilaos amet. Kriege führen mögen Andere, Protesilaos soll lieben.

Anscheinend schon im 15. Jahrhundert übertrug ein Zeitgenosse die antike Stelle auf die Geschicklichkeit des Hauses Habsburg, seinen Herrschaftsbereich weniger durch Feldzüge, vielmehr durch Heirats- und Erbverträge auszuweiten. Dass König Matthias Corvinus von Ungarn diese beiden Disticha verfasst habe, trifft laut Büchmann nicht zu. Wer sich die Verse ausgedacht hat, ist ungewiss.

Quellen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]