Ferhat Abbas

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ferhat Abbas

Ferhat Mekki Abbas (mazirisch ⴼⵔⵃⴰⵜ ⵄⴱⴱⴰⵙ Ferḥat Ɛebbas; * 24. August 1899 in Taher, Algerien; † 24. Dezember 1985 in Algier) war ein algerischer Freiheitskämpfer und Politiker. Er amtierte von 1958 bis 1961 mit kurzer Unterbrechung als erster Präsident der Provisorischen Regierung und von 1962 bis 1963 als Präsident der algerischen Nationalversammlung.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ferhat Abbas wurde in der Ortschaft "Bouafroune" (Kreis Chahna), 12 km südlich von Taher (in der aktuellen Kommune von "Ouadjana", in der Provinz Jijel) am 24. August 1899 in eine wohlhabende kabylische[1] Bauernfamilie, von 12 Kindern, als Sohn eines lokalen Stammesnotablen (Qaid) geboren. In Philippeville (heute Skikda) und Constantine erhielt er eine französischsprachige schulische Ausbildung und besuchte danach die Universität in Algier. Nach zweijährigem Dienst in der französischen Armee arbeitete Abbas als Apotheker in Sétif und baute sich dort eine starke politisch Basis auf. Er ließ sich in den Stadtrat und später in Constantine in den Generalrat wählen.[2]

Bereits zu Beginn seiner politischen Karriere agitierte er unter anderem in Buchform für eine totale Assimilation der algerischen Bevölkerung in die französische Nation und die europäische Kultur.[3] Enttäuscht davon, dass sich seine Ideen nicht verwirklichen ließen, gründete er 1938 die Union Populaire Algérienne (UPA), die sich für eine Gleichstellung von Franzosen und Algeriern und die Bewahrung der algerischen Kultur und Sprache einsetzte.[2]

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges meldete sich Abbas freiwillig für den Sanitätsdienst in der französischen Armee. 1943 forderte er in seinem Manifest des algerischen Volkes ein autonomes Algerien innerhalb des französischen Staatsverbandes. Die damals in Algier ansässige freifranzösische Regierung stellte daraufhin 1944 ein Reformprogramm in Aussicht, welches nach Kriegsende im Sand verlief.[4] 1946 gründete Abbas die Partei Union Démocratique du Manifeste Algérien (UDMA), welche weiterhin für die Ziele seines Manifestes eintrat.[2]

Abbas war ebenso ein führender Mann im Algerienkrieg und trat für die Unabhängigkeit Algeriens von Frankreich ein. Am 1. November 1954 begann er mit einer Gruppe von Nationalisten, die sich Nationale Befreiungsfront (Front de Libération Nationale) nannten, eine Guerilla-Revolution gegen Frankreich.

Ferhat Abbas floh 1956 nach Kairo und leitete von 1958 bis 1961 die algerische Exilregierung in Tunis. Am 18. November 1962 wurde in Evian ein Waffenstillstand mit Frankreich vereinbart, und Abbas wurde Präsident der algerischen Nationalversammlung und provisorisches Staatsoberhaupt. Nachdem er 1964 unter Hausarrest gestellt worden war, blieb er der Öffentlichkeit fern.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Le Jeune Algérien: de la colonie vers la province (1931; „Das junge Algerien: Von der Kolonie zur Provinz“)
  • La Nuit coloniale (1962; „Die Kolonialnacht“).
  • Autopsie d’une guerre (1980; „Autopsie eines Krieges“).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ferhat Abbas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stora (B.)& Zaoud (Z.): Ferhat Abbas, une utopie algérienne, Paris, Denoël, 1995, S. 18–19
  2. a b c Ferhat Abbas. In: Encyclopædia Britannica.
  3. Martin Evans : Algeria - France's undeclared war, Oxford, 2012, S. 55f
  4. Martin Shipway: Decolonization and its Impact - A Comparative Approach to the End of the Colonial Empires, Oxford, 2008 S. 151