Fichte-Gymnasium Karlsruhe

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Fichte-Gymnasium Karlsruhe
Fichte-Gymnasium Karlsruhe.JPG
Schulform Gymnasium
Gründung 1893
Ort Karlsruhe
Land Baden-Württemberg
Staat Deutschland
Koordinaten 49° 0′ 24″ N, 8° 23′ 35″ OKoordinaten: 49° 0′ 24″ N, 8° 23′ 35″ O
Träger Stadt Karlsruhe
Schüler 785 (Stand: Januar 2014)
Lehrkräfte 66 (Stand: Januar 2014)
Leitung Ralf Wehrmann
Website www.fichte-gymnasium.de

Das Fichte-Gymnasium ist ein nach Johann Gottlieb Fichte benanntes Gymnasium im Stadtteil Innenstadt-West von Karlsruhe mit rund 800 Schülern und 60 Lehrern.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1827 wurde in Karlsruhe am Ettlinger Tor eine Höhere Töchterschule eröffnet. Nach verschiedenen Umzügen und organisatorischen Änderungen wurde die Schule 1877 unterteilt in zwei Züge, einen fünf- und einen siebenjährigen. Die siebenjährige Höhere Mädchenschule wurde als Mittelschule eingestuft. 1878 zog dieser Zug in einen Neubau in der Sophienstraße 14 um, das heutige Gebäude des Fichte-Gymnasiums.

Am 16. September 1893 wurde auf Initiative des Vereins „Frauenbildungs-Reform“ das erste deutsche Mädchengymnasium gegründete. Es bezog Räume im Gebäude der Volksschule in der Waldstraße 83.[2] Beteiligt an der Gründung waren unter anderem die Vorsitzende des Vereins Hedwig Kettler[3] und Anita Augspurg.[4]

Aufgrund organisatorischer Schwierigkeiten des Vereins wurde das Mädchengymnasium 1897 der unter städtischer Aufsicht stehenden Höheren Mädchenschule in der Sophienstraße angegliedert.

Die ersten vier von ursprünglich 28 Gymnasiastinnen schlossen 1899 ihr Abitur ab.[2] Darunter waren Rahel Goitein (später Straus; 1880–1963), die als erste Frau an der Universität Heidelberg Medizin studierte, und Magdalena Meub (später Neff; 1881–1966), die erste Studentin an der Technischen Hochschule Karlsruhe[5] und erste approbierte Apothekerin Deutschlands.[6]

Wegen der stark gestiegenen Schülerinnenzahl wurde am 21. September 1911 ein Neubau in der Sophienstraße 147 bezogen. Das Mädchengymnasium sowie Teile der Höheren Mädchenschule zogen dorthin um. Daraus entstand das heutige Lessing-Gymnasium. Die in der Sophienstraße verbleibenden Teile der Höheren Mädchenschule und Vorschule wurden zur Fichte-Schule. Erster Direktor wurde Joseph Metzger.

Nachdem das Gebäude des Lessing-Gymnasiums im September 1942 bei einem Bombenangriff schwer zerstört wurde, wurden die Schülerinnen beider Schulen im Schichtbetrieb im Gebäude der Fichteschule unterrichtet. Nachdem im September 1944 auch die Fichteschule von Bomben getroffen wurde, musste der gesamte Unterricht eingestellt werden.

1973 wurde die Schule in ein gemischtes Gymnasium mit Koedukation umgewandelt.[7]

Im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums des Mädchengymnasiums gab es Überlegungen, das Fichte-Gymnasium zu Ehren der Initiatorin in Hedwig-Kettler-Gymnasium umzubenennen. Dies wurde nach intensiven Diskussionen mit knapper Mehrheit vom Lehrerkollegium abgelehnt.[3]

Zum Schuljahr 1996/97 wurde im Rahmen des seit 1994 existierenden AbiBac der zweisprachige Unterricht in Deutsch und Französisch mit zuerst 27 Schülern eingeführt.[8]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude des Fichte-Gymnasiums wurde um 1870 von Heinrich Lang entworfen und 1878 fertiggestellt. 1881 erhielt der östliche Flügel einen Stockaufsatz[7]. 2011 wurde ein weiterer Flügel angebaut, der als eine Art Brücke zwischen den zwei älteren Flügeln dient. Von 2014 bis 2015 wurde das Nebengebäude, aufgrund großer Baufälligkeit abgerissen und neu gebaut.

Seit Oktober 2014 kann der Neubau in der Sophienstraße 2 genutzt werden. Die Mensa lässt sich in einen Saal für Vorträge, Feste oder Theateraufführungen verwandeln. Außerdem beherbergt das Gebäude moderne Musiksäle und Räume für die Nachmittagsbetreuung.

Unterrichtsangebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fichte-Gymnasium hat eine starke europäische Ausrichtung. Unter anderem wird im Rahmen des Programms AbiBac ein bilingualer Französischzug angeboten, der ermöglicht, sowohl mit dem Abitur als auch dem Baccalauréat abzuschließen.[9] Außerdem gibt es Angebote im naturwissenschaftlichen, neusprachlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Bereich.[10]

Prominente ehemalige Schüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joachim Draheim, Eva Hirtler: Übersicht über die Geschichte des Lessing-Gymnasiums bis 1999. Lessing-Gymnasium Karlsruhe (lessing-gymnasium-karlsruhe.de [PDF; 3,5 MB; abgerufen am 26. September 2009]).
  • Peter Behringer, Gabriela Zejpert-Hassinger, Stadt Karlsruhe (Hrsg.): 100 Jahre Mädchen-Gymnasium in Deutschland. G. Braun, Karlsruhe 1993, ISBN 3-7650-0408-1 (nicht eingesehen).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schuladressen. In: Kultusportal Baden-Württemberg. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, abgerufen am 26. April 2014.
  2. a b 1899: Das erste Mädchen-Abitur. In: lessing-gymnasium-karlsruhe.de. 20. August 2007, abgerufen am 18. Oktober 2010.
  3. a b Hedwig (Johanna) Kettler: Bildungsreformerin. In: www.karlsruhe.de. Stadt Karlsruhe, 11. März 2011, archiviert vom Original am 15. März 2014; abgerufen am 15. März 2014. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.karlsruhe.de
  4. Elke Schüller: Anita Augspurg. In: Bundeszentrale für politische Bildung. 13. Januar 2009, abgerufen am 26. September 2009.
  5. „Studieren auf Probe“. Vor über 100 Jahren immatrikulierte die Uni Karlsruhe die ersten Studentinnen. In: Newsletter – September 2009. AlumniKaTH, September 2009, abgerufen am 15. Juli 2011 (PDF; 7,7 MB).
  6. Gabriele Beisswanger, Gudrun Hahn, Evelyn Seibert, Ildikó Szász, Christl Trischler: Der lange Weg zum Apothekerinnenberuf. In: Pharmazeutische Zeitung. Nr. 1. GOVI-Verlag, 2000 (pharmazeutische-zeitung.de [abgerufen am 15. Juli 2011]).
  7. a b Fichte-Gymnasium. In: Stadtwiki Karlsruhe. Abgerufen am 26. September 2009.
  8. Drucksache 12/1115: Antrag der Fraktion der CDU und Stellungnahme des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport – Bilingualer Unterricht in deutscher und französischer Sprache. Landtag Baden-Württemberg, 3. März 1997, abgerufen am 27. September 2009 (PDF; 142 kB).
  9. Liste der Abibac-Schulen in Deutschland Schuljahr 2010/2011 (Stand Juli 2010). In: www.ciep.fr. Centre international d’études pédagogiques, archiviert vom Original am 24. Oktober 2007; abgerufen am 16. Februar 2011 (PDF; 131 kB).
  10. Arbeitsgemeinschaften AG – Plan. In: fichte-gymnasium.de. Fichte-Gymnasium, abgerufen am 15. Juli 2011.