Finstergrund

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Grube Finstergrund
Allgemeine Informationen zum Bergwerk
Bergwerk Finstergrund Schussfolge zwanzigstes Jahrhundert brisante Sprengstoffe Millisekundenzuender.jpg
Informationen zum Bergwerksunternehmen
Betriebsbeginn 13. Jhd.
Betriebsende 1974
Nachfolgenutzung Besucherbergwerk
Geförderte Rohstoffe
Abbau von Blei/Silber/Flussspat
Größte Teufe 250 m
Geographische Lage
Koordinaten 47° 49′ 58,4″ N, 7° 54′ 11,5″ OKoordinaten: 47° 49′ 58,4″ N, 7° 54′ 11,5″ O
Grube Finstergrund (Baden-Württemberg)
Grube Finstergrund
Lage Grube Finstergrund
Gemeinde Wieden
Landkreis (NUTS3) Lörrach
Land Land Baden-Württemberg
Staat Deutschland
p2

Die Grube Finstergrund bei Wieden im Schwarzwald ist ein aufgelassenes mittelalterliches Silber- und Bleibergwerk mit neuzeitlichem Fluss- und Schwerspatabbau. Seit 1982 wird es als Besucherbergwerk genutzt.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigsten Gänge in der Region um Wieden sind die Fluorit-Baryt-Gänge Tannenboden, Anton, Werner II, Hoffnung und Finstergrund, die alle in nord-südlicher Richtung verlaufen. Letzterer ist mit 3,5 km Länge der bedeutendste Hydrothermal-Gang in der Region. Das Besucherbergwerk (Stollen 5) erschließt diesen Gang auf 430 m Länge. Die Mächtigkeit schwankt zwischen wenigen Zentimetern und 4 m, abgebaut wurde ab 1 m Mächtigkeit. Der Lagerstättentyp ist ein hydrothermaler Flussspat-Schwerspat-Gang, teilweise mit reichen Sulfiderzen. Als Nebengestein treten Paragneise und Metatexite auf.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anfänge des Blei- und Silberbergbaus bei Wieden datieren in das 13. Jahrhundert. Von Todtnau kommend, begann der Abbau im Tal von Wieden spätestens um 1280, eine erste Blütezeit waren die Jahre 1320 bis 1340 [2], für die Jahre 1352 bis 1374 ist eine Schmelzhütte bei Wieden belegt, Abbau fand im ganzen 14. Jahrhundert statt.[3] Erneute Belege für Bergbautätigkeit stammen aus dem 16. Jahrhundert, bis 1560 wurde der 280 m lange Barbarastollen um weitere 220 m verlängert. Danach lag der Bergbau über 200 Jahre brach und wurde erst 1780 wieder aufgenommen. Im frühen 19. Jahrhundert wurden dann der Abbau erneut vorübergehend stillgelegt.[4]

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden durch den vermehrten Bedarf an Industriemineralen wie Fluorit (Flussspat) und Baryt (Schwerspat) die vorhandenen Minerallager erneut abbauwürdig, so dass um 1920 mit dem Abbau hauptsächlich von Flussspat begonnen wurde, der als Flussmittel bei der Stahlherstellung eingesetzt wurde. Bis 1925 wurde der Abbau durch die Wiesenthaler Bergbau AG (Tochter der Hugo Stinnes AG) betrieben. Bis 1927 übernahm die Firma Burger den Abbau und zog sich dann vorübergehend zurück.

Ab 1930 gründete Theodor Burger die „Gewerkschaft Finstergrund“. Trotz wechselnder Besitzverhältnisse wurde die Grube in den folgenden Jahrzehnten systematisch ausgebaut und lieferte im Spitzenjahr 1967 monatlich 4600 t reines Fluorit, was einer Jahresförderung von 110.000 t Roh-Flussspat entspricht. Durch die zunehmende Konkurrenz preisgünstigerer Fluorite vom Weltmarkt und die steigenden Kosten bei der Gewinnung musste der Grubenbetrieb 1974 eingestellt werden, die Gewerkschaft Finstergrund wurde 1978 aufgelöst.[5]

Besucherbergwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1975, ein Jahr nach der Betriebseinstellung, wurde von neunzehn vorher im Bergwerk Finstergrund beschäftigten Bergleuten der Bergmannsverein Finstergrund Wieden mit dem Ziel der Erhaltung bergbaulicher Tradition und des Ausbaus zum Besucherbergwerk gegründet. 1982 wurde das Besucherbergwerk Finstergrund der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ab 2007 fahren die Besucher mit der Grubenbahn ins innere der Grube ein. Es ist das einzige Besucherbergwerk im Schwarzwald, in welches die Besucher mit einer Grubenbahn einfahren.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedingt durch den relativ umfangreichen modernen Bergbau kann ein 2 km langer, weiter Stollen mitsamt fahrtüchtiger Grubenbahn besichtigt werden. Diese Grubenbahn wird zur Beförderung der Besucher genutzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Werner, Volker Dennert: Lagerstätten und Bergbau im Schwarzwald. Herausgabe durch Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau, Baden-Württemberg, Freiburg im Breisgau, 2004, ISBN 3-00-014636-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Werner, Dennert, 2004, S. 275.
  2. A. Schlageter in: X. Schwäbl, S. Klingele: Wieden – Geschichte eines Schwarzwalddorfes – zum 650jährigem Ortsjubiläum. Gemeinde Wieden, 1992.
  3. Zinnsbücher des Klosters St. Blasien von 1352 und 1374, siehe: A. Schlageter: Zur Geschichte des Bergbaus im Umkreis des Belchen. In: Der Belchen. Geschichtlich-naturkundliche Monographie des schönsten Schwarzwaldberges. Natur- und Landschaftsschutzgebiete Baden-Württemberg, Band 13, Karlsruhe, 1989
  4. Werner, Dennert, 2004, S. 278 ff.
  5. Werner, Dennert, 2004, S. 279 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]