Fortunat Sprecher

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Fortunat Sprecher von Bernegg)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fortunat Sprecher von Bernegg; Ölbild von Johann Friedrich Dietler

Fortunat Sprecher von Bernegg (* 9. Januar 1585 in Davos; † 14. Januar 1647 in Chur) war ein Schweizer Jurist, Gesandter im Veltlin und Chronist aus Graubünden.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sprecher kam aus der angesehenen adeligen Bündner Familie Sprecher von Bernegg, die ursprünglich aus dem Schanfigg stammte. Er war der Sohn von Florian Sprecher und Elisabeth Sebregonzi. Sein Grossvater nahm 1512 bei der Besetzung des Veltlins eine tragende Rolle ein; er fiel 1515 bei der Schlacht von Marignano.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1593, im Alter von acht Jahren, wurde Sprecher an der Winterschule in Davos vom ehemaligen Churer Pfarrer Luzius von Capol in Latein unterrichtet. Ab 1595 wurde er an der Schule der Kathedrale in Chur unterrichtet, einer Art Gymnasium.

Anfangs Januar 1600 wurde Sprecher von einem Gönner gegen den Willen seiner Eltern an die Universität von Basel geschickt, wo er Vorlesungen über Rhetorik, Theologie und Geschichte besuchte. 1602 wurde Sprecher Eherichter in Davos, unterbrach diese Tätigkeit jedoch 1605, um in Paris als kaiserlicher Notar Jurisprudenz und Französisch zu studieren. Am 29. November 1606 promovierte Sprecher mit der Dissertation De Donationibus materia an der Universität von Orléans zum Doktor beider Rechte. Anschliessend bereiste er Norwegen, ausgestattet mit einem französischen Stipendium.

1612 wurde Sprecher im Alter von 27 Jahren Generalproveditor im Veltlin, eine Art Berichterstatter über politische Ereignisse. 1621 wurden ihm zwei Gesandtschaften der Drei Bünde in Innsbruck und Imst bei Erzherzog Leopold V. von Österreich übertragen. Sprecher berichtete unter anderem über die unruhigen Zeiten der Bündner Wirren, die Schlacht an der Calven und den Veltliner Mord. Zwischen 1625 und 1627 war Sprecher in Chiavenna tätig.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte der Drei Bünde

Berühmt wurde Sprecher mit seinen Geschichtswerken. 1617 erschien in lateinischer Sprache die rätische Chronik Pallas Rhaetica armata et togata, die bis in die Zeit des Autors berichtet, am ausführlichsten zur Kriegsgeschichte, sowie mit einer Beschreibung der Untertanenlande mit der Geschichte ihrer Eroberung. Auf dem Bundstag in Ilanz 1619 gab Sprecher für jeden der Drei Bünde ein Freiexemplar ab. Jeder der Abgeordneten erhielt ein Exemplar der als Kupferstich erschienenen Karte Alpinae seu foederatae Rhaetiae subditarumque ei terrarum nova descriptio (neue Beschreibung des alpinen oder bündnerischen Rätien und seiner Untertanengebiete), der bekanntesten und genausten Bündner Karte der frühen Neuzeit. Sprecher hatte sie zusammen mit dem Geografen Philipp Clüver entworfen. 1672 erschien die Pallas auf Deutsch unter dem Titel Rhetische Cronica.[1]

1629 erschien in zwei Teilen die Darstellung der Bündner Wirren Historia motuum et bellorum (Geschichte der Unruhen und Kriege). Sie gilt als ausführlichste und ausgewogenste Chronik dieser Zeit. Der sogenannte Waser’sche Schiedsspruch von 1644, der die bevorzugte Stellung von Davos im Zehngerichtebund einschränkte, traf Sprecher in seinem Rechtsempfinden derart, dass er seine Chronistentätigkeit aufgab. Sprechers Werke erschienen zu seinen Lebzeiten in Basel, Genf und Leiden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Handbuch der Bündner Geschichte: Band 4; Quellen und Materialien; S. 240; Chur 2005.