Fräulein Julie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Daten
Titel: Fräulein Julie
Originaltitel: Fröken Julie
Gattung: Tragödie
Originalsprache: Schwedisch
Autor: August Strindberg
Erscheinungsjahr: 1888
Uraufführung: 14. März 1889
Ort der Uraufführung: Kopenhagen
Personen
  • Fräulein Julie
  • Jean
  • Kristin

Fräulein Julie (schwedisch Fröken Julie) ist eine Tragödie von August Strindberg, die er 1888 schrieb.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kammerspiel handelt von der jungen hochadeligen Julie und ihrem Diener Jean und ihrem Verhalten und Verhältnis zueinander während einer Mittsommernacht und am darauffolgenden Morgen. Es spielt im Jahre 1894 in der Küche des Herrensitzes von Julies Vater in einer kleinen Stadt in Schweden und behandelt Klassenunterschiede, den Geschlechterkampf sowie Liebe und Lust.

Julie versucht, ihrem durch gesellschaftliche Normen geprägten Dasein zu entfliehen und etwas Spaß zu haben, indem sie auf dem jährlichen Mittsommerfest mit der Dienerschaft tanzt. Dort fühlt sie sich zu dem älteren Diener Jean hingezogen, der in der Welt herumgekommen ist und sowohl gut erzogen als auch gebildet ist. Jeans Verlobte, eine Dienerin namens Kristin, hält sich auch des Öfteren in der Küche auf und schläft dort, während sich Julie und Jean unterhalten.

Die Handlung thematisiert die unterschiedlichen Machtpositionen. Während Fräulein Julie über Jean steht, da sie der Oberklasse angehört und eine Dame ist, übt Jean durch seine Bildung und seine Männlichkeit Macht über Julie aus. Julies Vater, der Graf, übt kraft seiner Rolle als Vater, Adliger und Arbeitgeber sowohl über Julie als auch über Jean Macht aus, obwohl er nie in Erscheinung tritt.

Während der Nacht entwickelt sich das anfängliche Flirten zwischen Julie und Jean zu einer vollendeten Liebesbeziehung. Im Laufe der Handlung kämpfen beide darum, die Situation unter Kontrolle zu bringen und ihr gegenseitiges Verlangen zu ignorieren. Zum Schluss überzeugt Jean jedoch Julie, dass die einzige Möglichkeit, aus ihrer misslichen Lage zu entkommen, in ihrem Selbstmord bestehe.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fräulein Julie
Tochter des Grafen. Ihre Mutter erzog sie dazu, wie ein Mann zu denken und zu handeln. Das wurde jedoch nicht von ihrer Umgebung akzeptiert. Auf Grund der dadurch entstandenen Konflikte hat sie sich zu einer zerrissenen Person entwickelt, die auf der einen Seite weiß, wie sie alles bekommen kann, was sie verlangt, die auf der anderen Seite aber nicht weiß, was sie eigentlich haben möchte.
Jean
Diener des Grafen. Er behauptet, dass er Fräulein Julie oft gesehen und in jungen Jahren von ihr geträumt habe. Seit dieser Zeit ist er weit in der Welt herumgereist und hat viele Berufe ausgeübt, bis er einsah, was er in seinem Leben erreichen möchte: Sein Ziel ist es, in der Gesellschaft aufzusteigen. Als Erstes möchte er dazu ein eigenes Hotel eröffnen. Als er zum Gut des Grafen zurückkommt, dauert es nicht lange, bis Fräulein Julie ein Teil seines Planes wird. Er manipuliert sie und erreicht, dass sie zum Schluss seinen Wünschen folgt.
Kristin
Die Köchin im Haushalt des Grafen. Sie ist sehr religiös und mit Jean verlobt. Sie symbolisiert Stabilität und steht für die Rolle, die eine Frau einnehmen soll. Sie verdeutlicht die Unstetigkeiten und Beziehungsveränderungen zwischen Jean und Julie.
Der Graf
Der Graf taucht niemals auf der Szene auf. Seine Handschuhe und seine Stiefel auf der Bühne demonstrieren jedoch seinen großen Einfluss auf die beiden Hauptpersonen Jean und Julie.

Aufführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Uraufführung fand am 14. März 1889 in Kopenhagen statt, wo Strindbergs damalige Frau Siri von Essen die Hauptrolle spielte. Strindbergs eigentliches Theater war das Skandinavisk Forsøgsteater, da das Stück jedoch von der Zensur verboten worden war, wurde es in geschlossener Gesellschaft im Studentersamfundet aufgeführt.[1] Vor der Jahrhundertwende wurde das Stück auch schon in Deutschland und Frankreich aufgeführt, in Strindbergs Heimatland Schweden jedoch erst 1906 zum ersten Male beim Folkteater in Stockholm. Die erste Verfilmung erfolgte bereits 1912 unter der Regie von Anna Hofman-Uddgren. Felix Basch verfilmte 1921 den Stoff mit Asta Nielsen in der Titelrolle. 1951 fand eine weitere Verfilmung statt, diesmal unter der Regie von Alf Sjöberg. Im Laufe der Zeit wurde der Stoff noch mehrmals – auch international – verfilmt, unter anderem 1999 von Mike Figgis und 2014 als unter dem gleichen Titel von Liv Ullmann.

Eine Ballettversion von Fräulein Julie wurde von Birgit Cullberg produziert, zu der Ture Rangström die Musik schrieb. Das Ballett wurde erstmals 1950 in Västerås aufgeführt.

Aus dem Jahr 1965 stammt eine Vertonung von Ned Rorem, weitere von Antonio Bibalo und William Alwyn wurden 1973 und 1977 uraufgeführt. Im Jahre 2005 schließlich schrieb der belgische Komponist Philippe Boesmans eine Oper unter dem Titel Julie, die in der La Monnaie-Oper in Brüssel uraufgeführt wurde. Die Opernfassung Fröken Julie des finnischen Komponisten Ilkka Kuusisto wurde 1994 an der Oper von Vaasa vorgestellt.

Angelique Rockas als Miss Julie und Garry Cooper als Jean, Internationalist Theatre, London

Fräulein Julie ist eines der am meisten gespielten Stücke Strindbergs.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.denstoredanske.dk/Gyldendals_Teaterleksikon/Teatre/Skandinavisk_Fors%C3%B8gsteater