Francesco Iachello

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Francesco Iachello (* 11. Januar 1942 in Francofonte) ist ein italienischer theoretischer Physiker, der hauptsächlich über Kern- und Molekülphysik arbeitet. Er ist zusammen mit Akito Arima der Schöpfer des „Interacting Boson Model“.

Leben[Bearbeiten]

Iachello promovierte 1964 als Kerntechnik-Ingenieur am Polytechnikum Turin und 1969 in Physik am MIT. Seit 1978 ist er an der Yale University, wo er zur Zeit J.W.Gibbs-Professor für Physik und Chemie ist.

Iachello erhielt 1964 den Chiaudano-Preis und war 1968 Fulbright Fellow. 1990 erhielt er die Wigner-Medaille, 1991 den Taormina-Preis und den niederländischen AKZO-Preis. 1993 erhielt er mit Akito Arima den Tom-W.-Bonner-Preis für Kernphysik der American Physical Society. Er ist Mitglied der niederländischen und kroatischen Akademie der Wissenschaften. 1997 erhielt er den Jahrhundertpreis der Italienischen Physikalischen Gesellschaft. 2002 erhielt er den Lise-Meitner-Preis der Europäischen Physikalischen Gesellschaft. Er ist Ehrendoktor der Universitäten Ferrara, Sevilla und der Chung Yuan University in China.

Iachello ist bekannt für seine Anwendung von algebraischen Methoden (Lie-Algebren) auf die Untersuchung der Spektren von Atomkernen und Molekülen. 1974 führte er mit Akito Arima das „Interacting Boson Model“ in die Kernphysik ein[1], bei der kollektive Anregungen mit Hilfe der unitären Gruppe U(6) beschrieben werden. Dahinter steht die Vorstellung einer Beschreibung durch Paare von Neutronen und Protonen statt durch die Nukleonen selbst. Die Paare werden als Bosonen behandelt mit verschiedenen Drehimpulsen (s- und d- Bosonen, entsprechend den Drehimpulsen 0 und 2). Die Wechselwirkung mit ungepaarten Fermionen (ungerade Kerne) wird in einer Erweiterung des Modells mit supersymmetrischen Algebren beschrieben[2].

In jüngster Zeit beschäftigt er sich hauptsächlich mit der Untersuchung der quantenmechanischen Dynamik von Molekülen (z.B. Quantenphasenübergänge, Polymerdynamik) mit algebraischen Methoden, womit Iachello schon 1981 begann (Vibron Model)[3].

Literatur[Bearbeiten]

  • Arima, Iachello „The interacting boson model“, Cambridge University Press 1987
  • Iachello, Piet van Isacker „The interacting boson-fermion model“, Cambridge University Press 1991
  • Iachello „Lie Algebras and Applications“, Springer 2006, Lecture Notes in Physics Bd. 708, ISBN 3540362363
  • Iachello, Levine „Algebraic Theory of Molecules“, Oxford University Press 1995
  • Arima, Iacchello “Interacting boson model of collective states”, Teil 1 (the vibrational limit) Annals of physics Bd. 99, 1976, S. 253-317, Teil 2 (the rotational limit) ibid. Bd. 111, 1978, S. 201-38, Teil 3 mit Scholten (the transition vom SU(5) to SU(3)), ibid. Bd. 115, 1978, S. 325-66, Teil 4 (the O(6) limit) ibid. Bd. 123, 1979, S.468-92
  • Arima, Iachello “The Interacting Boson Model”, Annual Review Nuclear Science Bd. 31, 1981, S.75

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Arima, Iachello „Collective Nuclear States as Representations of an SU[6] Group“, Physical Review Letters Bd. 35, 1975, S.1069
  2. Iachello „Dynamical supersymmetry in nuclei“, Physical Review Letters Bd. 44, 1980, S.77, Iacchello “Supersymmetry in nuclei” American Scientist, Mai 1982
  3. Iachello „Algebraic Methods for Molecular Rotation-Vibration Spectra“ , Chem. Phys. Letters Bd. 78, 1981, S. 581