Frank Foley

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Statue zum Gedenken an Frank Edward Foley in Highbridge (England)

Frank Foley (eigentlich Francis Edward Foley; * 24. November 1884 in Highbridge; Somerset; † 8. Mai 1958 in Stourbridge) war ein britischer Nachrichtendienstler MI6. Er ermöglichte in den 1930er Jahren vielen Juden die Flucht aus Deutschland.

Leben und Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Zeitpunkt des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges hielt sich Foley als Student der Philosophie in Hamburg auf. Um sich der Verhaftung als Staatsbürger einer feindlichen macht zu entziehen, floh er nach Emden, von wo er mit Hilfe einiger Fischer ins neutrale Holland fliehen konnte. In seine Heimat zurückgelangt trat er in die britische Armee ein. Er wurde als Second Lieutenant an die Westfront geschickt, wo er schwer verwundet wurde. Nach seiner Genesung übernahm er die Aufsicht über ein Spionagenetzwerk in Frankreich, Belgien und den Niederlanden.

In den 1930er Jahren wurde Foley als Leiter der Außenstelle des Secret Intelligence Service, des britischen Auslandsgeheimdienstes, in Berlin nach Deutschland geschickt. Zur Tarnung seiner Tätigkeit hatte er offiziell die Funktion eines Beamten für Passangelegenheiten (passport control officer) bei der britischen diplomatischen Vertretung in der deutschen Hauptstadt inne, wobei sich hinter der Passabteilung der Botschaft die Operationszentrale des MI6 in Berlin verbarg.

Nachdem er in seiner Stellung zunächst vor allem mit der Überwachung der Bewegungen sowjetischer Spione und Agitatoren in Mitteleuropa befasst gewesen war, rückte im Verlauf der 1930er Jahre die zunehmend aggressiver werdende Politik seines Gastlandes in den Fokus von Foleys Tätigkeit.

Anerkennung brachten ihm nach 1945 vor allem seine Anstrengung zur Unterstützung von in Deutschland lebenden Juden, sich der Verfolgung durch das nationalsozialistische System zu entziehen, ein: Hilfe leistete er diesen insbesondere dadurch, dass er die Visavorschriften des Foreign Office sehr großzügig interpretierte und sogar gefälschte Papiere ausstellte, um Juden die Ausreise aus dem deutschen Herrschaftsgebiet zu ermöglichen. Obwohl er keine diplomatische Immunität genoss, holte er sogar Juden aus Konzentrationslagern und versteckte sie in seiner eigenen Wohnung.

Von den nationalsozialistischen Polizeiorganen wurde Foley nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs als wichtige Zielperson eingestuft: Im Frühjahr 1940 setzte das Reichssicherheitshauptamt in Berlin ihn auf die Sonderfahndungsliste G.B., ein Verzeichnis von Personen, die im Falle einer erfolgreichen Invasion und Besetzung der britischen Inseln durch die Wehrmacht von den Besatzungstruppen nachfolgenden Sonderkommandos der SS mit besonderer Priorität ausfindig gemacht und verhaftet werden sollten.[1]

Während des Zweiten Weltkrieges war Foley mit der Enttarnung deutscher Agenten in Großbritannien betraut, zudem unternahm er Bemühungen feindliche Agenten "umzudrehen", d.h. deutsche Agenten zu Doppelagenten zu machen, die in der Wahrnehmung der deutschen Stellen für diese gegen Großbritannien, tatsächlich aber für Großbritannien gegen diese arbeiteten. 1941 war er der erste britische SIS-Mitarbeiter der den NS-Politiker Rudolf Heß, nachdem dieser in britische Hände geriet, verhörte.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1959 wurde ihm zu Ehren von den Geretteten ein Gedächtnishain auf einem Hügel bei Jerusalem angelegt. 1999 erhielt Foley den Titel „Gerechter unter den Völkern“ und eine Gedenktafel in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. 2004 wurde eine Gedächtnisplakette in Foleys Heimatstadt Stourbridge angebracht; im gleichen Jahr wurde auf dem Gelände der britischen Botschaft in Berlin ein Gedenkstein aufgestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Smiths Biographie Foley: The Spy Who Saved 10,000 Jews, Hodder & Stoughton 1999. (Hardcover, gekürzte Softcover-Ausgabe im selben Jahr erschienen)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag zu Foley auf der Sonderfahndungsliste G.B. (Wiedergabe auf der Website des Imperial War Museums in London).