Wilfrid Israel

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Wilfrid Israel, 1942
Stolperstein am Haus, Spandauer Straße 17, in Berlin-Mitte

Wilfrid Berthold Jacob Israel (* 11. Juli 1899 in London; gest. 1. Juni 1943 im Golf von Biskaya durch Flugzeugabschuss) war ein Philanthrop und Geschäftsmann aus Berlin. Geboren in einer wohlhabenden deutsch-jüdischen Familie, war er aktiv an der Rettung von Juden aus dem nationalsozialistischen Deutschland beteiligt und spielte eine wichtige Rolle bei der Organisation der "Kindertransporte" zur Rettung jüdischer Kinder und Jugendlicher nach dem Novemberpogrom 1938. Beschrieben als "sanft und mutig" und "sehr verschwiegen" vermied Wilfrid Israel öffentliche Ämter und gesellschaftliche Auftritte. Seine weitreichenden privaten und geschäftlichen Beziehungen waren aber sehr umfangreich und international. Nach seiner Biographin Naomi Shepherd verfügte er jedoch auch über eine "fast hypnotische" Fähigkeit zur "Beeinflussung" seiner Freunde und Kollegen. Martin Buber beschrieb ihn als "einen Mann von großer moralischer Statur, gewidmet dem Dienst an den Mitmenschen."[1] Albert Einstein schrieb über ihn: Nie in meinem Leben war ich in Kontakt mit einem Wesen so edel, so stark und so selbstlos, wie er war - in Wahrheit ein lebendiges Kunstwerk."(Albert Einstein in einem Brief to Amy Israel on June 14th, 1943 from Princetown, N.J). Wilfrid Israel starb, als sein ziviles Passagierflugzeug, der Flug "BOAC Flight 777" auf dem Weg von Lissabon nach Bristol, durch einen gezielten Angriff der Deutschen Luftwaffe über der Bucht von Biskaya abgeschossen wurde und brennend ins Meer stürzte. Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder, unter ihnen auch der Schauspieler und Regisseur Leslie Howard, wurden dabei getötet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit 22 Jahren trat Israel in das traditionsreiche Berliner Kaufhaus Nathan Israel, Spandauer Straße 28, seines Vaters Berthold Israel (1868–1935) ein.[1] Dort gründete er eine betriebseigene Schule für kaufmännische Lehrlinge. Er setzte durch, dass in den väterlichen Warenhäusern Sozialarbeiter für die Betreuung der Angestellten eingestellt wurden.

1928 übernahm er zusammen mit seinem Bruder Herbert Israel die kaufmännische Leitung der Firma.

Nach der nationalsozialistischenMachtergreifung“ 1933 gründete Israel mehrere Organisationen, die sich ausschließlich um die Belange der jüdischen Emigranten kümmerten. Die bekanntesten darunter waren der Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau und die Kinder- und Jugend-Alijah. Der Hilfsverein der deutschen Juden berief Israel 1937 in seine Direktion.

Als 1939 der politische Druck zu groß wurde, musste Israel den Familienbetrieb an die 1938 gegründete Emil Köster AG abtreten; dabei handelte es sich um eine „Schein-Arisierung“, da die Emil Köster AG dem bereits 1931 aus Deutschland ausgewanderten, jüdischen Unternehmer Jakob Michael gehörte, was den NS-Behörden aber unbekannt war.[2] Israel emigrierte nach London und fungierte dort als Verbindung zwischen Regierungsstellen und jüdischen Flüchtlingsorganisationen. Er war am Balliol College in Oxford und mit Adam von Trott zu Solz befreundet. Er war als Berater für das Royal Institute of International Affairs tätig.

1943 organisierte er die Ausreise jüdischer Flüchtlinge aus Spanien und Portugal nach Palästina. Die noch von Israel organisierte Fahrt des Schiffes Nyassa, mit 750 gestrandeten Flüchtlingen an Bord, endete am 1. Februar 1944 im Hafen von Haifa. Neutrale und kriegsführende Mächte hatten in diesem Fall zusammengearbeitet.[3] Auf dem Rückflug von Lissabon nach London wurde Israel von der deutschen Luftwaffe über dem Golf von Biskaya abgeschossen. Mit an Bord war auch der Filmstar Leslie Howard.

Ehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilfrid Israel war das Vorbild für die Figur des jüdischen Unternehmers „Bernhard Landauer“ in Christopher Isherwoods autobiographischem Schlüsselroman Goodbye to Berlin (1939); im Roman wird Landauer (mit „dramatischer Notwendigkeit“, wie Isherwood später schrieb) indes bereits 1933, also kurz nach der „Machtergreifung“, von den Nationalsozialisten ermordet.[4]

Im Oktober 2004 wurde vor dem ehemaligen Standort des Kaufhauses Nathan Israel, Berlin-Mitte, Spandauer Straße 26-32 (heute Spandauer Straße 17), ein Stolperstein verlegt.

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wilfrid Israel Museum im Kibbuz Hazorea zeigt seit 1951 die Kunstsammlung von Wilfried Israel.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilfrid Israel: July 11th. 1899 - Juni 1st. 1943. London: Marsland, 1944
  • H. G. Reissner: The History of Kaufhaus Nathan Israel and of Wilfrid Israel, in: Year Book Leo Baeck Institute 1958
  • Naomi Shepherd: Wilfrid Israel. Berlin: Siedler, 1985. ISBN 3-88680-149-7

Einzelreferenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Berlin Lexikon: Israel, Wilfried
  2. Hans Jaeger: Michael, Jakob. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 17, Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 425 f. (Digitalisat).
  3. John F. Oppenheimer (Red.): Lexikon des Judentums. Bertelsmann, Gütersloh 1971, ISBN 3-570-05964-2, Sp. 930.
  4. Christopher Isherwood: Christopher and His Kind, 1929-1939. Vintag, London 2008, S. 67-74 (Erstausgabe: Farrar, Straus and Giroux, New York 1976).
  5. Wilfrid Israel Museum; Israel Museums Guide für das Wilfrid Israel Museum.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wilfrid Israel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien