Wilfrid Israel

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Wilfrid Israel, 1942

Wilfrid Berthold Jacob Israel (geboren 11. Juli 1899 in London; gestorben 1. Juni 1943 im Golf von Biskaya durch Flugzeugabschuss) war ein Philanthrop und Geschäftsmann aus Berlin. Geboren in einer wohlhabenden deutsch-jüdischen Familie, war er aktiv an der Rettung von Juden aus dem nationalsozialistischen Deutschland beteiligt und spielte eine wichtige Rolle bei der Organisation der Kindertransporte zur Rettung jüdischer Kinder und Jugendlicher nach den Novemberpogromen 1938.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilfrid Israel besuchte das Mommsen-Gymnasium in Berlin-Charlottenburg und, für eine kurze Zeit, das Hochalpine Lyceum in Zuoz/Institut Engiadina (heute Lyceum Alpinum Zuoz) in der Schweiz (1911). Mit 22 Jahren trat Israel in das Unternehmen seines Vaters seines Vaters Berthold Israel (1868–1935), das traditionsreiche Kaufhaus Nathan Israel in Berlin, Spandauer Straße 28, ein.[1] Dort gründete er eine betriebseigene Schule für kaufmännische Lehrlinge. Er setzte durch, dass in den väterlichen Warenhäusern Sozialarbeiter für die Betreuung der Angestellten eingestellt wurden.

1928 übernahm er zusammen mit seinem Bruder Herbert Israel die kaufmännische Leitung der Firma.

Nach der nationalsozialistischenMachtergreifung“ 1933 gründete Israel mehrere Organisationen, die sich ausschließlich um die Belange der jüdischen Emigranten kümmerten. Die bekanntesten darunter waren der Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau und die Kinder- und Jugend-Alijah. Der Hilfsverein der deutschen Juden berief Israel 1937 in seine Direktion.

Als 1939 der politische Druck zu groß wurde, musste Israel den Familienbetrieb an die 1938 gegründete Emil Köster AG abtreten; dabei handelte es sich um eine „Schein-Arisierung“, da die Emil Köster AG dem bereits 1931 aus Deutschland ausgewanderten, jüdischen Unternehmer Jakob Michael gehörte, was den NS-Behörden aber unbekannt war.[2] Israel emigrierte nach London und fungierte dort als Verbindung zwischen Regierungsstellen und jüdischen Flüchtlingsorganisationen. Er war am Balliol College in Oxford und mit Adam von Trott zu Solz befreundet. Für das Royal Institute of International Affairs war er als Berater tätig.

1943 organisierte er die Ausreise jüdischer Flüchtlinge aus Spanien und Portugal nach Palästina. Die noch von Israel organisierte Fahrt des Schiffes Nyassa, mit 750 gestrandeten Flüchtlingen an Bord, endete am 1. Februar 1944 im Hafen von Haifa. Neutrale und kriegsführende Mächte hatten in diesem Fall zusammengearbeitet.[3]

Wilfrid Israel starb auf dem Rückflug von Lissabon, als sein ziviles Passagierflugzeug – der Flug „BOAC Flight 777“ auf dem Weg von Lissabon nach Bristol – durch einen gezielten Angriff der Deutschen Luftwaffe über der Biskaya abgeschossen wurde und brennend ins Meer stürzte. Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder, unter ihnen auch der Schauspieler und Regisseur Leslie Howard, wurden dabei getötet.

Beschrieben als „sanft und mutig“ und „sehr verschwiegen“, vermied Wilfrid Israel öffentliche Ämter und gesellschaftliche Auftritte. Seine weitreichenden privaten und geschäftlichen Beziehungen waren aber sehr umfangreich und international. Nach seiner Biographin Naomi Shepherd verfügte er jedoch auch über eine „fast hypnotische“ Fähigkeit zur „Beeinflussung“ seiner Freunde und Kollegen. Martin Buber beschrieb ihn als „einen Mann von großer moralischer Statur, gewidmet dem Dienst an den Mitmenschen“. Albert Einstein schrieb über ihn in einem Brief an Amy Israel am 14. Juni 1943: „Nie in meinem Leben war ich in Kontakt mit einem Wesen so edel, so stark und so selbstlos, wie er war - in Wahrheit ein lebendiges Kunstwerk.“

Stolperstein am Haus, Spandauer Straße 17, in Berlin-Mitte

Ehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilfrid Israel war das Vorbild für die Figur des jüdischen Unternehmers Bernhard Landauer in Christopher Isherwoods autobiographischem Schlüsselroman Goodbye to Berlin (1939); im Roman wird Landauer (mit „dramatischer Notwendigkeit“, wie Isherwood später schrieb) indes bereits 1933, also kurz nach der „Machtergreifung“, von den Nationalsozialisten ermordet.[4]

Im Oktober 2004 wurde vor dem ehemaligen Standort des Kaufhauses Nathan Israel, Berlin-Mitte, Spandauer Straße 17, ein Stolperstein verlegt.

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wilfrid Israel Museum im Kibbuz Hazorea zeigt seit 1951 die Kunstsammlung von Wilfrid Israel.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilfrid Israel: July 11th. 1899 - Juni 1st. 1943. Marsland, London 1944
  • H. G. Reissner: The History of Kaufhaus Nathan Israel and of Wilfrid Israel. In: Year Book Leo Baeck Institute, 1958
  • Naomi Shepherd: Wilfrid Israel. Siedler, Berlin 1985, ISBN 3-88680-149-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wilfrid Israel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Israel, Wilfried. In: Bezirkslexikon (Mitte) des Luisenstädtischen Bildungsvereins
  2. Hans Jaeger: Michael, Jakob. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 17, Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 425 f. (Digitalisat).
  3. John F. Oppenheimer (Red.): Lexikon des Judentums. Bertelsmann, Gütersloh 1971, ISBN 3-570-05964-2, Sp. 930.
  4. Christopher Isherwood: Christopher and His Kind, 1929–1939. Vintag, London 2008, S. 67–74 (Erstausgabe: Farrar, Straus and Giroux, New York 1976).
  5. Wilfrid Israel Museum (Memento vom 26. April 2010 im Internet Archive)