Frauenbuchladen

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Frauenbuchladen Xanthippe in Mannheim

Ein Frauenbuchladen ist eine meist von Feministinnen gegründete und geführte Buchhandlung, in der Bücher an Frauen verkauft werden. Solche Buchläden durften in der Vergangenheit nur von Frauen betreten werden, da sie gleichzeitig als geschützte Räume für Frauen galten. Viele Läden sind heute auch für Männer geöffnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schild über dem Frauenbuchladen Lillemor’s in München, Barer Straße 70

Die erste Frauenbuchhandlung im Zuge der zweiten Frauenbewegung in Europa gründete 1974 ein feministisches Kollektiv um die Psychoanalytikerin Antoinette Fouque in Paris, die Librairie des Femmes. In Deutschlands wurde der erste Frauenbuchladen, Lillemors Frauenbuchladen, im November 1975 in München eröffnet. Zwei Wochen später öffnete in Westberlin der Frauenbuchladen Labrys und 1976 Lilith. In den Folgejahren entstanden Frauenbuchläden in fast allen westdeutschen Großstädten.[1] Die Gründungen von Frauenbuchläden gehörten wie auch andere Frauenprojekte zu den Strategien der autonomen Frauenbewegung zu Beginn der 1970er Jahre. Im Mittelpunkt standen Selbsterfahrung, intellektuelle Selbstverständigung und Emanzipation von patriarchalen Strukturen. Frauen als soziale Gruppe entdeckten sich selbst und andere Frauen als Subjekte der Auseinandersetzung, bezogen sich aufeinander und wollten die Geschichte und Erfahrungen von Frauen kennenlernen.[2] Wie linke Buchläden hatten auch die Frauenbuchläden eine vernetzende Funktion für diejenigen, die sich zur Bewegung zählten oder an deren Themen interessiert waren, und wurden zu Orten der Diskussion und Bildung.[3] Mit kulturellen Projekten wie Buchläden, Frauenverlagen (Frauenoffensive, Orlanda Verlag, Ulrike Helmer Verlag, Verlag Antje Kunstmann), Frauenzentren und feministischen Frauen- bzw. Lesbenzeitschriften schufen Frauen Foren der Diskussion und Vernetzung.[4] Nach der Wende eröffnete am 1. Dezember 1990 in Leipzig der erste Frauenbuchladen Tian in Ostdeutschland. Den Laden durften auch Männer nutzen, nicht aber das angeschlossene Café, das ausschließlich für Frauen vorgesehen war. Das Sortiment war klassisch das eines Frauenbuchladens, wurde aber mit der Zeit breiter, um konkurrenzfähig zu bleiben. Der Laden bestand bis 2010.

Mit Frauenbuchläden, anfangs von Kollektiven geführt, wurden auf diese Weise auch Arbeitsplätze abseits etablierter Strukturen geschaffen. Feministische und lesbische Literatur von den neuen Frauenbuch- und von Kleinverlagen war bis dahin im üblichen Sortiment des Buchhandels kaum vertreten. Die Geschäftsführerinnen der Frauenbuchläden wollten diesen Literaturzweigen den Rücken stärken.

Doch die Konzentration auf ein frauenspezifisches Angebot reichte seit den 1990er Jahren nicht mehr aus, viele Läden mussten schließen. Die Gründe sind vielfältig: Auch im etablierten Buchhandel wurden Bereiche für „Frauenliteratur“ eingerichtet. Seit Anfang 2000 machte, wie dem Buchhandel insgesamt, der schnelle Internethandel auch den Frauenbuchläden das (Über-)Leben schwer.[5] Weniger Frauen fühlen sich der Idee „Frauenbuchladen“ verbunden und würden ein breiteres Sortiment erwarten, so eine Lektorin des Orlanda Verlages.[6]

Im März 2013 startete Doreen Heide „Fembooks“, die erste Internetbuchhandlung für „feministische und emanzipatorische Literatur“. Damit sollte den neuen digitalen Konsumgewohnheiten der jüngeren und älteren Kundschaft entgegengekommen werden.[7]

Sortiment[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Sortiment der Frauenbuchläden umfasst Sachbücher, Belletristik und wissenschaftliche Werke überwiegend von Autorinnen sowie feministische Zeitschriften. Die Themenschwerpunkte sind feministische und Gender-Theorien zur Geschlechterrollenthematik, Biografien, Lesben, Frauengeschichte, Frauen in der Arbeitswelt, Mädchen, Psychologie, Gesundheit, Heilen, Spiritualität, Sexualität, sexuelle Gewalt, Rassismus, Nationalsozialismus und internationale Frauenbewegung. In den meisten Frauenbuchläden können aber auch alle anderen lieferbaren Bücher bestellt werden. Oft werden auch Non-Books wie CDs, Aufkleber, Anstecker, Postkarten und Schmuck angeboten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Frauenbuchladen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chronik der neuen Frauenbewegung, 1975. FrauenMediaTurm - Feministisches Archiv und Bibliothek.
  2. Barbara Holland-Cunz: Die alte neue Frauenbewegung. Edition Suhrkamp, Frankfurt a. Main 2003, ISBN 3-518-12335-1, S. 145.
  3. Uwe Sonnenberg: Agitation und Aufklärung – Zur Geschichte linker Buchläden nach »1968«. In: Marcel Bois und Bernd Hüttner (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte einer pluralen Linken. Heft 2: Theorien und Bewegungen nach 1969. Berlin 2010, S. 16–19, Online-Version (PDF; 315 kB).
  4. Rosemarie Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland. 5. Auflage, Bonn 1997, S. 65, Online-Version (PDF; 825 kB).
  5. NRW verliert seinen letzten Frauenbuchladen. Börsenblatt, 17. Dezember 2011 (Memento vom 4. August 2012 im Webarchiv archive.today).
  6. Frauenliteratur: Frauenbuchladen? Fehlanzeige. Tagesspiegel, 23. Juni 2001.
  7. FEMBooks – Internetbuchhandlung für feministische und emanzipatorische Literatur. Mädchenmannschaft, 16. September 2013.