Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung

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Fraunhofer-Institut für
Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM
Fraunhofer-Institut fürFertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM
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Kategorie: Forschungseinrichtung
Träger: Fraunhofer-Gesellschaft
Rechtsform des Trägers: Eingetragener Verein
Sitz des Trägers: München
Standort der Einrichtung: Bremen
Außenstellen: Dresden, Oldenburg, Stade, Wolfsburg
Art der Forschung: Angewandte Forschung
Fächer: Ingenieurwissenschaften
Fachgebiete: Materialwissenschaft, Fertigungstechnik, Formgebung, Funktionswerkstoffe, Klebtechnik, Oberflächentechnik
Grundfinanzierung: < 30 % (90 % Bund, 10 % Land)
Leitung: Prof. Dr.-Ing. Matthias Busse, Prof. Dr. Bernd Mayer
Mitarbeiter: 589 (Stand: März 2015)
Homepage: www.ifam.fraunhofer.de

Das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM, auch in der Kurzbezeichnung „Fraunhofer IFAM“ genannt, ist eine Einrichtung der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V.. Die Aktivitäten sind der angewandten Forschung und Entwicklung im Fach der Ingenieurwissenschaften auf dem Gebiet der Materialwissenschaft und der Werkstoffwissenschaft zuzuordnen. Das Institut hat seinen Hauptsitz in Bremen. Weiterhin hat es einen Institutsteil in Dresden für Pulvermetallurgie und Verbundwerkstoffe und die Abteilungen „Elektrische Energiespeicher“ in Oldenburg, „Automatisierung und Produktionstechnik“ in Stade sowie ein Fraunhofer-Projektzentrum in Wolfsburg.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM wurde 1968 als Arbeitsgruppe für angewandte Materialforschung (AFAM) als Ausgründung des Instituts der Technischen Universität Hannover unter Leitung der Werkstoffwissenschaftler Alexander Matting und Hans-Dieter Steffens in Bremen-Burglesum gegründet. Nach dem Tod Mattings übernahm Steffens die alleinige Leitung.[1] Die AFAM wurde 1974 als Institut in die Fraunhofer-Gesellschaft eingegliedert. 1999 zog das Institut in ein neues Hauptgebäude in Bremen-Horn-Lehe in unmittelbarer Nachbarschaft zum Campus der Universität Bremen um. Das Institut hat Standorte in Bremen (Hauptstandort), Dresden (1992 gegründet im Zuge der Eingliederung ostdeutscher Forschungsinstitutionen), Oldenburg, Stade (beide seit 2010) sowie Wolfsburg (ab 2015).

Forschung und Entwicklung[Bearbeiten]

Das Fraunhofer IFAM ist eine der europaweit bedeutendsten unabhängigen Forschungseinrichtungen auf den Gebieten „Formgebung und Funktionswerkstoffe“ sowie „Klebtechnik und Oberflächen“.

Im Mittelpunkt stehen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten mit dem Ziel, Kunden zuverlässige und anwendungsorientierte Lösungen zu liefern. Produkte und Technologien adressieren vor allem Branchen mit besonderer Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit: Luftfahrt, Automotive, Energie und Umwelt sowie Medizintechnik und Life Sciences. Am Institut entwickelte Lösungen kommen aber auch in anderen Wirtschaftszweigen wie dem Maschinen- und Anlagenbau, der Elektronik und elektrotechnischen Industrie sowie dem Schiff- und Schienenfahrzeugbau oder der Verpackungs- und der Bauindustrie zur Anwendung.

Das Fraunhofer IFAM ist ein materialwissenschaftlich ausgerichtetes Forschungsinstitut mit Schwerpunkten in den Bereichen metallische und polymere Werkstoffe. Das breite technologische und wissenschaftliche Know-how ist in sieben Kernkompetenzen gebündelt. Diese Kernkompetenzen begründen die Position des Instituts am Forschungsmarkt und bilden die Basis für zukunftsorientierte Entwicklungen.

Die Kernkompetenzen des Fraunhofer IFAM in der Übersicht:

Institutsteil Formgebung und Funktionswerkstoffe[Bearbeiten]

Der Transfer von anwendungsorientierter Grundlagenforschung in produktionstechnisch umsetzbare Lösungen oder bauteilbezogene Entwicklungen ist eine Aufgabe, die eine ständige Erweiterung der Wissensbasis und der Methodenkompetenz erfordert. Deshalb hat der kontinuierliche Ausbau von spezifischen Kompetenzen und Know-how im Institutsbereich Formgebung und Funktionswerkstoffe einen hohen Stellenwert.

Das Spektrum der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten reicht von anwendungsorientierter Grundlagenforschung bis hin zur Umsetzung in Produkte, der Unterstützung bei der Fertigungseinführung und der Mitarbeit an kurzfristig zu lösenden Fragestellungen.

Arbeitsschwerpunkte:

Institutsteil Klebtechnik und Oberflächen[Bearbeiten]

Der Bereich Klebtechnik und Oberflächen ist die größte unabhängige Forschungseinrichtung auf dem Gebiet der industriellen Klebtechnik. Im Mittelpunkt stehen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten der Klebtechnik, der Oberflächentechnik und der Faserverbundtechnologie mit dem Ziel, der Industrie anwendungsorientierte Systemlösungen zu liefern.

Multifunktionale Produkte, Leichtbau und Miniaturisierung – erreicht durch die intelligente Kombination von Werkstoffen und Fügeverfahren – bieten stetig neue technische Möglichkeiten, die vom Bereich Klebtechnik und Oberflächen realisiert werden. Die Aktivitäten reichen von der Grundlagenforschung über die Fertigung bis zur Markteinführung neuer Produkte gemeinsam mit Kooperationspartnern.

Arbeitsschwerpunkte:

  • Synthese, Formulierung und Erprobung neuer Polymere für Klebstoffe, Laminier-/Gießharze
  • Entwicklung von Zusatzstoffen (Nanofüllstoffe, Initiatoren etc.) für Klebstoffe und Beschichtungen
  • Biomimetische Konzepte in der Kleb- und Oberflächentechnik, einschließlich Kleben in der Medizin
  • Entwicklung und Qualifizierung klebtechnischer Fertigungsprozesse; rechnergestützte Fertigungsplanung
  • Applikation von Kleb-/Dichtstoffen, Vergussmassen (Mischen, Dosieren, Auftragen)
  • Entwicklung innovativer Verbindungskonzepte – Kleben, Hybridfügen
  • Konstruktive Gestaltung geklebter Strukturen (Simulation des mechanischen Verhaltens geklebter Verbindungen und Bauteile mittels FEM, Prototypenbau)
  • Kennwertermittlung, Schwing- und Betriebsfestigkeit von Kleb- und Hybridverbindungen; Werkstoffmodellgesetze für Klebstoffe und polymere Werkstoffe
  • Entwicklung umweltverträglicher Vorbehandlungsverfahren und Korrosionsschutzsysteme für das langzeitbeständige Kleben und Lackieren von Kunststoffen und Metallen
  • Funktionelle Beschichtungen durch Plasma- und Kombinationsverfahren sowie funktionelle Lacksysteme
  • Entwicklung von Spezialprüfverfahren (z. B. Bildung und Haftung von Eis auf Oberflächen, Alterungsbeständigkeit)
  • Bewertung von Alterungs- und Degradationsvorgängen in Materialverbunden; elektrochemische Analytik
  • Computergestützte Materialentwicklung mit quanten-/molekularmechanischen Methoden
  • Automatisierung und Parallelisierung von Prozessen in der Faserverbundtechnologie
  • Bearbeitung von Faserverbundwerkstoffen
  • Qualitätssicherungskonzepte für kleb- und lacktechnische Anwendungen durch fertigungsintegrierte Analyse von Bauteiloberflächen
  • Lehrgänge – national und international – zur/zum European Adhesive Bonder – EAB (Klebpraktiker/-in), European Adhesive Specialist – EAS (Klebfachkraft) und European Adhesive Engineer – EAE (Klebfachingenieur/-in)
  • Lehrgänge zur/zum Faserverbundkunststoff-Verarbeiter/-in (FVK-Verarbeiter/-in), Faserverbundkunststoff-Fachkraft (FVK-Fachkraft) und Faserverbundkunststoff-Instandsetzer/-in (FVK-Instandsetzer/-in)

Kooperationen[Bearbeiten]

Das Fraunhofer IFAM ist Mitglied im Fraunhofer-Verbund Werkstoffe und Bauteile – MATERIALS sowie in 10 Allianzen und der Fraunhofer Academy. Institute oder Abteilungen von Fraunhofer-Instituten mit unterschiedlichen Kompetenzen kooperieren hierbei, um ein Geschäftsfeld gemeinsam zu bearbeiten und zu vermarkten.

Das Fraunhofer IFAM kooperiert in folgenden Allianzen:

  • Fraunhofer-Allianz Automobilproduktion
  • Fraunhofer-Allianz Batterie
  • Fraunhofer-Allianz Generative Fertigung
  • Fraunhofer-Allianz Leichtbau
  • Fraunhofer-Allianz Nanotechnologie
  • Fraunhofer-Allianz Polymere Oberflächen (POLO)
  • Fraunhofer-Allianz Reinigungstechnik
  • Fraunhofer-Allianz Simulation
  • Fraunhofer-Allianz Space
  • Fraunhofer-Allianz Verkehr

Die intensive Zusammenarbeit und Vernetzung mit den Universitäten und Hochschulen an den Standorten des Instituts spielt eine wichtige Rolle. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirken dort als Professoren oder Dozenten in der Lehre mit. Die Institutsleiter sind jeweils auf Lehrstühle im Fachbereich Produktionstechnik der Universität Bremen berufen.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Seit 2003 leitet Prof. Dr.-Ing. habil. Matthias Busse als geschäftsführender Institutsleiter den Bereich Formgebung und Funktionswerkstoffe. Prof. Dr. Bernd Mayer leitet seit 2010 als Mitglied der Institutsleitung den Bereich Klebtechnik und Oberflächen. 2014 betrug der Gesamthaushalt des Fraunhofer IFAM 45 Millionen Euro, beschäftigt waren 589 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Hans-Dieter Kunze, Uwe Echterhoff: Fraunhofer-Institut für angewandte Materialforschung. In: Wittheit zu Bremen (Hrsg.): Jahrbuch der Wittheit zu Bremen. Band XXVIII, Verlag M. Hauschild, Bremen 1984, S. 165-197.

53.1113888888898.8486111111111Koordinaten: 53° 6′ 41″ N, 8° 50′ 55″ O